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Affäre ohne Sex – ist das schon Betrug?
Affäre ohne Sex – ist das schon Betrug? (Kategorie: frisch-verliebt)
Aber ist eine Affäre ohne Sex tatsächlich eine Affäre? Beginnt Untreue bereits in Gedanken oder ist alles halb so wild, solange es beim Kopfkino bleibt? Wir gehen der Frage auf den Grund.

Clarissa (41) und Ronald (36) trafen sich auf der Feier einer gemeinsamen Bekannten. "Es funkte sofort zwischen uns", sagt Clarissa. Der Haken: "Wir waren beide mit unseren Partnern da." Dennoch trafen die beiden sich fortan regelmäßig, schickten sich Dutzende SMS. "Ja, wir haben geflirtet", gibt Clarissa zu. "Es war wirklich aufregend." Aber eben ohne Sex. Ein schlechtes Gewissen gegenüber ihrem Freund Laurenz (43) hatte sie trotzdem.
Auch Paar-Therapeutin Lisa Fischbach bestätigt: "Selbst, wenn die sexuelle Interaktion sich lediglich im Kopf abspielt, so bestehen eine große Anziehung und erotische Fantasien. Obwohl diese nicht in die Tat umgesetzt werden, muss eine emotionale Affäre einem Seitensprung hinsichtlich intensiver Gefühle und erotischer Spannung in nichts nachstehen."

Verliebtsein ohne Intimität

Clarissa begann sich Sorgen darüber zu machen, wie viel Platz Ronald in ihren Gedanken einnahm: "Aber ich habe mich immer damit beruhigt, dass es ja keine wirkliche Affäre war, weil das Entscheidende fehlte." Alles nur Freundschaft? Falsch! Intensive Gefühle, Suche nach Nähe oder ständiges Aneinanderdenken – alles Faktoren, die dem Verliebtsein gleich kommen, selbst wenn sexuelle Intimität fehlt. Denn die erotische Komponente ist nun einmal vorhanden.
Diplom-Psychologin Lisa Fischbach: "Der Aspekt der Untreue ist bei einer emotionalen oder sexuellen Affäre gleich. Ich fühle und tue etwas im Verborgenen. Ich lebe etwas ohne das Wissen meines Partners aus, meist etwas, was mir in der bestehenden Beziehung fehlt. Viele Gefühle sind identisch: Die Aufregung, das Prickeln, der Reiz des Verbotenen."

Wir lassen uns auf Affären ein, wenn wir unzufrieden sind mit unserer Partnerschaft: Der Sex stimmt nicht, zu wenig Aufmerksamkeit oder Zärtlichkeit oder einfach zu viel Alltäglichkeit – all das lässt uns nach Ersatzbefriedigungen suchen. Wenn wir uns auf eine Affäre einlassen, hoffen wir dadurch das Bestehende zu ergänzen. Das geht auch ohne Sex. Ronald drängte Clarissa mehrfach, endlich einen Schritt weiter zu gehen. "Aber ich konnte nicht. Das konnte ich meinem Freund nicht antun. Außerdem hätte das alles zerstört."

Frauen gehen anders fremd

Oft sind es die Frauen, die diesen letzten Schritt nicht gehen wollen. Weil ihnen Treue wichtiger als Sex ist, sagen sie. Dabei ist das bei näherem Hinsehen sehr oberflächlich und eine Beschönigung der Tatsache. Sie haben sich gefühlsmäßig auf diese Form der Affäre eingelassen und somit den Grundstein zur Untreue gelegt. Die Schlussfolgerung: Sie stehen Männern, denen das Fremdgehen eher nachgesagt wird, in nichts nach."
Frauen liegen emotionale Affären mehr als Männern", so Psychologin Lisa Fischbach. "Die Gefühlsebene hat oft mehr Bedeutung als tatsächlich ausgelebte Sexualität. Für die meisten Männer sind Affären erfüllender, wenn sie sexuell sind. Schließlich ist sexuelle Unzufriedenheit für sie häufiger das Motiv für einen Seitensprung als bei Frauen." Der US-Psychologen David Buss fand in einer Studie heraus: 60 Prozent der Männer fühlen sich durch die sexuelle Untreue ihrer Partnerin stärker verletzt als durch einen emotionalen Betrug. 83 Prozent der Frauen dagegen gaben zu, dass eine emotionale Bindung ihres Partners an eine andere Frau sie eifersüchtiger machen würde als eine rein sexuelle Beziehung.

Die Krise als Chance nutzen

Clarissa wurde irgendwann bewusst, dass sie ihre Beziehung aufs Spiel setzt und sie das Vertrauen ihres Freundes missbraucht. Sie begann, sich Gedanken zu machen, was ihr mit Laurenz fehlte. Tatsächlich sprachen die beiden offen darüber und es stellte sich heraus, dass auch er unzufrieden war. Letztlich gingen sie gemeinsam als Paar gestärkt aus dieser Krise heraus.
Ronald hatte weniger Glück: Er trennte sich nach sieben Jahren von seiner Partnerin. Für ihn war die Begegnung mit Clarissa der Auslöser zu erkennen, dass er nicht mehr glücklich in seiner Beziehung war. Lisa Fischbach: "Wer fühlt, dass er innerlich ohnehin schon gekündigt hat, der sollte so fair sein, die Karten offen auf den Tisch zu legen. In diesem Fall ist Ehrlichkeit angesagt und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen."
Für den Betrogenen ist es nämlich gleich, ob die Affäre mit oder ohne Sex stattfand: "Es werden die gleichen Gefühle ausgelöst: Zorn, Demütigung, Verletztheit und ein niedriges Selbstwertgefühl sind die Folgen", erklärt die Psychologin. "Vor allem Frauen fühlen sich extrem verunsichert, wenn sie merken, dass ihr Partner gedanklich mit anderen Frauen fremdgeht."
Ob mit oder ohne Sex – überlegen Sie es sich gut, ob Sie sich auf so etwas einlassen und Ihre Beziehung gefährden wollen. Das Argument, es fehle ja das Wesentliche, zählt nicht. Intimität passiert auch auf anderen Ebenen.

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