39 Jahre alt - zum sechsten Mal. Über die kleinen Anpassungen beim Alter.
Vor Kurzem las ich eine interessante Studie der Texas State University, die untersuchte, inwieweit in Illustrierten und Magazinen unterschiedliche Altersklassen von Frauen und Männern über- bzw. unterrepräsentiert sein könnten.
Tatsächlich stellte man fest, dass zunächst die in den untersuchten Magazinen abgebildeten Frauen durchschnittlich sehr viel jünger und auch attraktiver im Vergleich zu den Fotos von Männern eingeschätzt wurden. Außerdem wurden die Frauen desto unattraktiver eingeschätzt, je älter sie waren. Ältere Frauen waren deutlich unterrepräsentiert. 61 Prozent wurden dabei in der Altersklasse zwischen den 20ern und 30ern platziert, während 63 Prozent der Männer in der Altersklasse zwischen den 50ern und 60ern lagen. Das passt im Übrigen zu einer kleinen Anekdote aus meinem Bekanntenkreis, wo ein gut aussehender (?) Bekannter Ende 50, der seit fast 10 Jahren arbeitslos ist, jetzt als Model erfolgreich angefangen hat, um damit seine beginnende Rente aufzubessern. Es ist kein Geheimnis, dass diese Schieflage in der öffentlichen Darstellung der Geschlechter seit Längerem in immer stärkerem Umfang von den Medien vorangetrieben wird. Die These liegt denn auch nahe, dass sich diese Darstellung auch auf das Verhalten und die Selbstwahrnehmung von Männern und Frauen auswirkt, die jenseits von Gleichberechtigung und angeblicher Angleichung der Geschlechter damit immer noch in ihren alten Rollenzuweisungen bestärkt werden.
Dazu passen denn auch wie die Faust aufs Auge neuere Erkenntnisse aus der Forschung zum Online-Verhalten von Partnersuchenden im Internet. Die Frage auf Basis der oben beschriebenen Erkenntnisse muss demnach lauten, ob und wenn ja, wie sich diese Rollenzuschreibungen in der Selbstdarstellung im Netz – u.a. in den frei verfassten Profilen – auswirken würden. These: Eine klare Tendenz hin zu einer idealisierten Selbstinszenierung sollte deutlich werden. Dies ist denn auch der Fall. So machen sich im Durchschnitt über alle Altersklassen Online-Suchende um 2,5 kg leichter und knapp 3 Zentimeter größer. Dieser Grad der Abweichung von der Wahrheit nimmt aber fast exponentiell mit zunehmendem Alter zu: Frauen in den 20ern machen sich 2,5 kg leichter, Frauen in den 30ern 8,5 kg und in den 40ern 9,5 kg. Man muss hier allerdings erwähnen, dass dies Zahlen aus den USA sind, wo ja bekanntlich die Menschen insgesamt etwas mehr zum Übergewicht neigen. Bei den Männern wird bei Ausbildung, Einkommen, Größe, Alter und Familienstand geschwindelt. Dies ist auch kein Wunder, denn diejenigen, die ein hohes Einkommen (hier: 160.000 EURO) angeben erhalten auch bis zu drei Mal so viele Zuschriften, wie diejenigen mit einem Durchschnittseinkommen (40.000 EURO). Bei den Frauen wird – ganz im Sinne der oben beschriebenen Zuschreibungen in der Öffentlichkeit – vor allem beim Gewicht, beim Aussehen und beim Alter gelogen. Interessanterweise kann man dabei klare "Untertreibungszeitpunkte" feststellen, die offenbar mit ganz bestimmten sozialen Bewertungen – bzw. negativen Phantasien über solche Bewertungen – zusammen fallen. Diese lagen bei Altersangaben von 29, 35 und 44, d.h. dass es sehr viel mehr Frauen gab, die diese Altersangaben machten als solche, die in den nächst höheren Klassen lagen (also z.B. zwischen 30 und 34). Außerdem bezeichnete sich online nur 1 Prozent aller Suchenden als "unterdurchschnittlich attraktiv".
Was sagt uns das? Nun – im Grunde hat sich auf der Bühne des Geschlechterreigens nicht viel geändert, außer dass natürlich die Gefahr besteht, dass solche Schwindeleien häufiger zu Frust und Ärger beim realen Kennenlernen führen. Sollte sich dies auf beide Partnersuchende beziehen, so könnte man immerhin großzügig sein und von einer Art "Remis" sprechen. Bedenklich ist aber schon, dass sich hier eine gewisse Konsum- und Einkaufshaltung widerspiegelt, in der man versucht, "das Beste herauszuholen", ohne allerdings damit zu rechnen, dass ja bekanntlich immer Gleiches mit Gleichem vergolten wird: Und dann steht man schnell selber als der Verlierer da. Also Leute: Lieber immer schön bei der Wahrheit bleiben!
Wenn jemand seine Daten schönt, o.k. in engem Rahmen wird das wohl jeder tun. Wo ich jedoch immer wieder in Profilen Dinge sehe, die mich fragen lassen, ob die Frauen (in diesem Fall) so richtig wissen, was sie schreiben. Auf der einen Seite wollen sie Zuneigung und Zärtlichkeit, auf der anderen Seite maximale Distanz. Dann ihre Beschäftigungen – Konzert, Oper, Theater, gutes Essen. Das kommt so rüber, als wenn sie das täglich machen. Mir kann keine erzählen, dass sie das auch alles bezahlen können. Außer sie wissen nicht, was die Karten kosten, wie teuer Essen gehen wirklich ist. Wahrscheinlich ist das alles Wunschdenken. Liebe Frauen- die Männer, bei denen Geld keine Rolle spielt und die diese Extravaganzen alle bezahlen können, suchen keine Frau in diesen Internetvermittlungen.