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Buchtipp: Vertrauenssache

Heike Suzanne Hartmann-Heesch lebt in Hamburg Eimsbüttel. "Vertrauenssache - Erzählungen und Reflexionen" ist bereits ihr zweites Buch, das im Mohland Verlag erschienen ist. In ihrem ersten Buch "Nur um zu leben" beschreibt die studierte Anglistin ihren erfolgreichen Kampf gegen den Alkoholismus.
In "Vertrauenssache" widmet sie sich eher dem Leben der modernen Frau in der Großstadt. Allerdings nicht aus der so beliebten, doch oberflächlichen, wie abgedroschenen Perspektive à la "Sex and the City". Hartmann-Heesch wählt einen philosophischen Ansatz bzw. schreibt ganz einfach Ereignisse aus dem Alltag. Sie reflektiert literarisch anspruchsvolle Themen wie Sucht, Tod und die Schwierigkeiten in der Beziehung zu einem Therapeuten und sie widmet sich der eigenen Geschichte, indem sie ihre Empfindungen zu Arbeitslosigkeit und kreativen Schaffenskrisen beschreibt.
Lebenszeit gleich Bücherzeit
Die Autorin würde laut Eigenaussage ihr Leben in eine ganz besondere Zeitform kategorisieren, die "Bücherzeit". Sie liebt Bücher über alles und könnte anhand der Bücher, die sie zu einer bestimmten Zeit gelesen hat, Rückschlüsse auf ihre jeweilige Gemüts- und Geisteszustände machen. Das beschreibt sie sehr poetisch und anschaulich in dem Text "Die Sinnbarkeit meiner Bücher", in dem sie auch über den speziellen Geruch eines jeden einzelnen Buches schreibt. Harry Potter duftet anders als Shakespeare oder ein Sachbuch.
Deshalb ist für Hartmann-Heesch jedes Buch prinzipiell erst einmal wertvoll. Und das völlig unabhängig von seinem Inhalt, ob es gut oder weniger gut geschrieben ist oder ob sie seiner Aussage zustimmen würde. Zudem würde es die Autorin niemals übers Herz bringen, ein Buch wegzuschmeißen. Man könne sie verkaufen oder verschenken, um Platz für neue zu schaffen, aber niemals, niemals dürfe man ein Buch wegwerfen. Das zeugt von einem ungeheueren Respekt der Eimsbüttelerin vor dem Medium Buch.
Menschlich und nachdenklich
Aber auch weniger bedeutsame Dinge, wie eine Avocadopflanze oder heiße Milch mit Vanillezucker finden bei Hartmann-Heesch Platz in den Reflexionen. Überhaupt handelt es sich hier um eine gelungene Mischung aus Geschichten und Assoziationen zum modernen Leben. Wenn sie über ihre Schwierigkeiten schreibt, einen Text abzulehnen, der ihr in ihrer Eigenschaft als Text-Chefin eines Online-Magazins angeboten wird, ist das zutiefst menschlich.
Dennoch geschieht das auf einer vollkommen anderen Ebene als ihr Bekenntnis, eine leidenschaftliche Sammlerin des Inhaltes von Überraschungseiern gewesen zu sein. In "Memory aus Memories" erzählt sie nämlich neben der Geschichte ihrer Ü-Ei-Sammelleidenschaft noch die Geschichte ihrer Beziehungen zu verschiedenen Männern. Ob Victor oder Chris oder Sven - jeder ist mit einer speziellen Ü-Ei-Figur verbunden, aus der Hartmann-Heesch die Geschichte ihres Beziehungslebens zusammensetzt. Dass ihre jetzige Beziehung aus dem Rahmen fällt, zeigt sich für sie darin, dass diese als einzige nicht durch eine Ü-Ei-Figur symbolisiert wird.
"Vertrauenssache" ist ein sehr persönliches Buch, in dem die Autorin Vertrauliches von sich Preis gibt. Dies tut sie auf sehr menschliche und persönliche Art und Weise und oft auch sehr unterhaltsam.
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