Partnersuche

Mark war schon immer eher schüchtern. Zwar ist der Industriedesigner attraktiv und im Job erfolgreich. Aber eine Frau ansprechen? Hilfe! Mit diesem Problem kämpfen besonders Männer, wie unsere Studie zeigt. Über den Kampf gegen das Erröten.
Jeder dritte Singlemann - so unsere Studie - gibt seiner Schüchternheit die Schuld am Solodasein. Doch warum ist unser Selbstbewusstsein so unterschiedlich veranlagt? Psychologe Volker Drewes: "Das Selbst ist eine Art Navigationssystem. Es hilft uns, uns in unserer Umwelt zurecht zu finden." Anders gesagt: Mithilfe des Selbst bestimmen wir unsere Bedürfnisse und setzen sie durch. "Dazu gehört natürlich das Bewusstsein, diese Bedürfnisse wahrzunehmen und sie zu bewerten."
Was will ich? Was tut mir gut? Das lernt man vor allem im Umgang mit anderen. Je nachdem, wie gut der Kontakt funktioniert und wie viel wir daraus mitnehmen, sind wir mehr oder weniger selbstbewusst. Wenn wir positives Feedback bekommen und Glücksmomente erleben, fühlen wir uns selbstsicher. Verläuft das Ganze weniger positiv, sind wir beim nächsten Kontakt zurückhaltender.

Schüchternheit wirkt auf verschiedenen Ebenen, erklärt der Psychologe. Zunächst die körperliche Ebene: Wir erröten, schwitzen, werden nervös. Wir malen uns Katastrophenszenarien aus und bekommen Selbstzweifel.
Dann die emotionale Ebene: Wir sind wütend auf uns selbst und schaffen es nicht, unsere Angst zu überwinden. Das frustriert noch mehr. Und wir reagieren mit Rückzug, Arroganz, Ausweichmanövern. Ein Teufelskreis, den wir nur durchbrechen, wenn wir die Ursachen der Schüchternheit suchen.
"Fragen Sie sich, welche Gedanken Ihre Schüchternheit bestimmen. Es sind bestimmt keine rationalen Stimmen, die Sie da hören. Ermitteln Sie die Gedanken und ersetzen Sie sie durch positive", rät der Psychologe.
Konkretes Beispiel: Viele sind unsicher, weil sie das Gegenüber - vielleicht eine hübsche Frau - auf ein Podest stellen und sich dagegen klein und unbedeutend fühlen. Das stimmt aber nicht! Sagen Sie sich, dass Ihr Gegenüber aus Fleisch und Blut ist. Inklusive Ängsten und Zweifeln - er ist kein unerreichbares Ideal. Mit dieser Einstellung nehmen Sie beim Kennenlernen schon mal die erste Hürde.
Auch weitere Hürden überwinden Sie: Üben Sie, Ihre Schüchternheit zu ignorieren und mutiger zu werden! Begeben Sie sich in Situationen, von denen Sie wissen, dass Sie schüchtern werden. Klingt beängstigend? Dann hilft ein Stufenprogramm: Listen Sie die Situationen auf, in denen Sie sich unwohl fühlen. Sortieren Sie diese nach dem Grad der Herausforderung. Arbeiten Sie sich Punkt für Punkt durch die Liste. Steigern Sie sich langsam. "Behalten Sie dabei aber immer Ihre Frustrationstoleranz im Auge", warnt Drewes. "Überfordern Sie sich nicht!"
Zum Training der Selbstsicherheit helfen ein paar Tricks: Stellen Sie sich morgens vor den Spiegel und sagen Sie laut, was Sie an sich mögen. Peinlich? Nein, nur am Anfang. Das legt sich. Der Effekt: Sie nehmen langsam Ihre positiven Seiten wahr und das gibt Ihnen eine gute Ausstrahlung.
Zweite Übung: Fremde Menschen ansprechen. Ganz banal: Fragen Sie im Supermarkt, wo Sie Backpulver finden. Oder Sie fragen auf der Straße nach dem Weg. Je öfter Sie das wagen und positive Reaktionen bekommen, desto sicherer und unbefangener werden Sie im Umgang mit Fremden.

Die Online-Partnersuche ist für Schüchterne besonders entspannt. Per Mail haben Sie länger Zeit für die Kommunikation und müssen weder schlagfertig noch sehr mutig sein. Natürlich kommt es aber irgendwann zum Treffen. Kein Problem! Sagen Sie sich: Aufregung gehört dazu, der andere ist bestimmt ebenso unsicher. Also ist es kein Grund zur Beunruhigung, wenn das Date leicht holprig startet. "Vielleicht brechen Sie auch mit einer ironischen Bemerkung über Ihre Schüchternheit das Eis", so Volker Drewes, Und: "Wer das kann, ist ja schon nicht mehr schüchtern."
Ilka hätte sich gewünscht, dass Moritz diesen Rat beherzigt hätte: "Es war kaum etwas aus ihm herauszuholen. Er konnte mir gar nicht in die Augen schauen. Dabei waren unsere Mails echt nett!", berichtet die 37jährige.
So helfen Sie Schüchternen: Bauen Sie ihnen Gesprächsbrücken! "Oder erzählen Sie erst mal von sich, um ihm Gelegenheit zu geben, sich zu entspannen. Sie können auch auf die eigene Aufgeregtheit eingehen, um zu beruhigen."
Jemand, der beim Kennenlernen schüchtern ist, kann in einer Beziehung auf jeden Fall konfliktfähig und selbstbewusst sein. "Schüchternheit tritt eher im Umgang mit Fremden, in unbekannten Situationen auf. In der Beziehung kann ein Schüchterner durchsetzungsfähig, sogar dominant sein", konstatiert der Psychologe.
Wer einen zurückhaltenden Partner hat, sollte das akzeptieren können. "Konzentrieren Sie sich auf die positiven Seiten. Wenn Sie eher dominant sind, übernehmen Sie liebevoll die Führung und nehmen dem Schüchternen so seine Unsicherheit."
Schüchternheit ist keine Krankheit. Wenn es Sie stört, können Sie etwas dagegen tun. Und wenn es Ihnen schwer fällt, tröstet Sie vielleicht das: Auf die meisten wirkt Schüchternheit gar nicht so abschreckend, wie Sie vielleicht denken! Manche finden sie sogar recht attraktiv...
Annette Riestenpatt, Redaktion
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»Date
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