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Die Berlinerin und Wahl-Münchnerin Anke Behrend hat mit Fake Off! (2007) ein beeindruckendes Romandebüt vorgelegt. Protagonist und homodiegetische Erzählerin ist die junge Leipziger Medienfrau Alexandra, kurz Alex. Zuversichtlich ist sie auf Online-Partnersuche in den großen Singlebörsen.
Sie findet, dass sie sich keineswegs verstecken muss: "Also gutes Aussehen und Figur wären vorhanden. Geist, Witz und Charme kann ich guten Gewissens für mich verbuchen, eigenes Geld, ne schöne Wohnung, keine Kinder, keine Tiere, eigenes Fahrrad. Was will Mann mehr? Oder?"
Auch ihre Vorstellungen bezüglich eines Partners sind nicht übertrieben: "Mindestanforderungen: Er soll größer sein als ein Hydrant und mit Messer und Gabel essen. [...] Des Weiteren wären zu nennen: Sauberkeit, sanierte Zähne, gesittete Tischmanieren, keine ungefragten Vorträge und sexuelle Basisfähigkeiten in Theorie und Praxis. Ob das wohl inzwischen zu viel verlangt ist?"
Es scheint tatsächlich zu viel verlangt, der Erfolg bleibt nämlich aus. In einem Online-Diskussionsforum lernt die 40-Jährige schließlich Roman kennen. Er ist eloquent, belesen und feingeistig, aber etwas undurchsichtig. Schnell entwickelt sich etwas zwischen den beiden und Romans Werben wird immer hartnäckiger. Es dauert jedoch eine Weile, bis Alex sich zu einem realen Treffen durchringen kann. Aber irgendwann fährt sie doch von Leipzig in sein hessisches Kaff.
Dort erwartet sie ein Schock: Roman ist dick und komplexbehaftet, ein Turnbeutelvergesser mit Omnipotenzfantasien. Er haust in einer verwahrlosten Bude bei seinem Kumpel Richie. Alex bemüht sich trotzdem, seine Schokoladenseiten zu entdecken, obwohl sie keine gesteigerte Sympathie für ihn empfindet. Aber was nicht ist, kann ja noch werden: "Diesen Mann will ich!" wird ihr Motto. Doch alle kommt noch viel schlimmer: Denn Romans Gegenbesuch wird zum Super-GAU. Obwohl Alex den Kontakt abbricht, lässt Roman sie nicht in Ruhe, entwickelt sich zum Stalker. Happy-End unmöglich.
Mit dem Blick eines Ethnologen beobachtet der Leser die verschiedenen Spezies im Cyberspace und wie sie sich dort eine Art gemütliche Parallelwelt einrichten. Illusion und Realität prallen aufeinander: Roman, der galante Cyber-Chatter ist im wirklichen Leben ein Messie und Blender. Er kann die virtuelle Nähe zu Alex erheblich besser kultivieren als das reale Sich-Näherkommen. Das Internet gibt solchen Menschen eine Heimat, unbegrenzt und flexibel, doch letztlich sehnt sich jeder nach einem realen Ort, an dem er sich geborgen fühlen kann. Anke Behrend zeigt uns in ihrem Buch, dass es diese Orte im WWW nicht gibt.
Fake Off! ist eine bissige Persiflage über die Liebe im Zeitalter des World Wide Web, voller Situationskomik und Sprachwitz. Ein wenig auch misanthropisches Lamento über Beziehungsunfähigkeit im Allgemeinen. Das ist zwar alles in allem weder neu noch originell, aber sehr unterhaltsam, weil gut geschrieben. Eine empfehlenswerte Lektüre für alle, die mit dem Kennenlernen im Internet, bei ElitePartner oder anderen Angeboten, auch schon ihre Erfahrungen gemacht haben.
Das Buch "Fake Off!!" von Anke Behrend können Sie hier bestellen.