Frisch verliebt

"Ich liebe Dich - oder bin ich nur verliebt in Dich?" Gibt es da einen Unterschied? Na klar! Und der ist gar nicht ohne. Nun stellt sich die Frage, welche dieser Aussagen bessere, tiefere oder intensivere Gefühle ausdrückt. Die Antwort lesen Sie hier!
"Liebst Du mich?", wollte Louisa (33) kürzlich von ihrem Freund Dominik (34) wissen. Der druckste herum. "Aber neulich hast Du noch gesagt, dass Du in mich verliebt bist!", hakte Louisa nach. "Das stimmt ja auch!", protestierte Dominik. "Aber das ist schließlich nicht dasselbe." Ist es nicht? "Die intensiven Gefühle in der Phase der Verliebtheit werden von speziellen Hormonausschüttungen verursacht", erklärt Diplom-Psychologin Lisa Fischbach. Daher die starke körperliche Anziehungskraft. Außerdem regeln die Hormone unsere Wahrnehmung: "Wir sehen nur die Harmonie, alles Trennende blenden wir aus." Und oft setzen wir das mit Liebe gleich. Allerdings: Verliebtheit ist eine gute Voraussetzung für das Entstehen von Liebe - aber keine Garantie.

Irgendwann lässt die Wirkung des Hormoncocktails nach. Dann zeigt es sich, ob zwei Menschen echte Liebe füreinander empfinden. "Liebe ist stark verbunden mit tiefer Wertschätzung, aufrichtiger Zuneigung und einer innigen Verbundenheit", so die Psychologin. "Wer liebt, übernimmt Verantwortung, investiert, ohne Gegenleistung zu erwarten." Das braucht Zeit. Verlieben dagegen geht meistens sofort - Knall auf Fall, Blitzschlag, Volltreffer. So wie bei Louisa und Dominik. "Es war Liebe auf den ersten Blick", schwärmt die Kostümbildnerin. "Es stimmte einfach so vieles", ergänzt der Lichtdesigner. "Ihr Wesen, ihr Humor und dazu sieht sie einfach super aus." Typischerweise funktioniert es so, oder zumindest so ähnlich, wenn es zwischen zwei Menschen funkt. Das zu kontrollieren oder zu steuern, ist nicht möglich. Denn: Zusätzlich zur Sympathie kommt laut Lisa Fischbach noch die körperliche Anziehung dazu.
Geht das? Klar! Simone (38) und Justus (37) waren einander einfach nur sehr sympathisch, dann wurde daraus Liebe. "Da waren keine Schmetterlinge oder solche Sachen", sagt die Kriminalbeamtin. "Aber ich habe mich noch nie einem Menschen so vertraut und verbunden gefühlt." Die beiden brauchten nie viele Worte, um sich zu verstehen. Auch, wenn die typischen Symptome des Verliebtseins fehlten, so ist die Liebe dennoch da. Justus ist darum nicht böse: "Verliebte haben meist so eine rosarote Brille auf. Darauf kann ich gut verzichten."

Alles klar, solange zwei sich lieben oder ineinander verliebt sind. Liegt ein Ungleichgewicht vor, wird?s problematisch. "Will einer der beiden Partner sich einlassen und Verantwortung übernehmen, der andere aber lieber noch die Leichtigkeit der Verliebtheit auskosten, ohne in die Zukunft zu schauen, sollten Sie einander Zeit lassen", rät Paarberaterin Lisa Fischbach. Natürlich ist es schwer, die eigenen Gefühle zu kontrollieren. Doch ungleiches Tempo ist in diesem Punkt ein großes Problem. Es macht nämlich sehr unzufrieden und oft zerbrechen Beziehungen an dieser Stelle. Lisa Fischbach: "Der Übergang von Verliebtheit und Liebe ist nicht leicht und viele Paare scheitern daran." Doch auch, wenn es nicht für die Liebe reicht, so ist das Verliebtsein ein herrlicher Rauschzustand, der unser Leben schöner und erfüllter macht. Und sei es nur für eine Weile.
Annette Riestenpatt/Redaktion
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