Frisch verliebt

Wenn's gefunkt hat: Wie pflegt man das Verliebtsein?

Verliebt sein ... ziemlich verrückt!

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Frisch verliebt - und plötzlich scheint die ganze Welt in rosarotes Licht getaucht. Der neue Partner wirkt auf uns wie eine anbetungswürdige Lichtgestalt ohne Fehler, Ecken und Kanten. Verrückt, oder? Wer sich frisch verliebt hat, ist tatsächlich nicht ganz zurechnungsfähig.

Chemische Botenstoffe sind für die veränderte Wahrnehmung von Verliebten verantwortlich. Das Neurotrophin erzeugt die anfängliche Euphorie und verleitet zu irrationalen, also "verrückten" Handlungen. Die Glücksgefühle, die das Hormon Dopamin erzeugt, ebnen der Treue den Weg. Oxytocin gilt als das "Schmusehormon", es entfaltet bei der Entwicklung sozialer Bindungen und beim Sex seine vertrauensbildende Wirkung. Das Männlichkeitshormon Testosteron sinkt am Anfang einer Beziehung beim Mann und erhöht sich bei der Frau - man trifft sich für eine harmonische Ausgangssituation also in der Mitte. Insgesamt erfüllen diese Botenstoffe einen ganz bestimmten Zweck: Wer sich bedingungslos verliebt, zeugt potenziell Nachwuchs. Uns vorübergehend den Verstand zu rauben, ist also ein kluger Schachzug der Natur - dem man sich jedoch nicht blindlings ausliefern sollte.

Runter vom Ross, lieber Prinz!

Verliebt oder verrückt?

"Ist man verliebt, ermöglicht die Idealisierung des neuen Partners nicht nur die vorübergehende Verschmelzung des Paares, sie ermuntert überhaupt erst dazu, eine Bindung einzugehen", erklärt Diplom-Psychologe Volker Drewes. Wir bewundern die Person an unserer Seite und empfinden die gemeinsame Zeit als ungeheure Bereicherung. So erging es auch Natascha (33) mit ihrem neuen Freund: "Ich war hin und weg. Karsten war der tollste Mann, dem ich jemals begegnet bin." Doch Natascha musste irgendwann erkennen: Den perfekten Prinzen, den sie in Karsten gesehen hatte, gibt es nicht. Die kleinen Eigenheiten und Angewohnheiten beförderten den vermeintlichen Königssohn nach einiger Zeit per Express-Entzauberung runter vom hohen Ross. "Ich musste mich an Karstens Fehler und Macken erst gewöhnen", gesteht Natascha. "Dabei bin ich ja selbst nicht die perfekte Prinzessin!" Nach der Phase der überschäumenden Begeisterung gilt es, den verklärten Blick zu überprüfen und das Gegenüber bewusst im Licht der Realität wahrzunehmen.

Liebe ist keine Religion

Wer seinen Partner hingegen dauerhaft auf einen Podest hebt, um ihn anzubeten, grenzt die Realität aus seiner Beziehung aus. "Jonathan vergötterte mich regelrecht" erzählt Luisa (37). "Er projizierte das Bild seiner Traumfrau auf mich - doch das hatte nichts mit meiner Person zu tun." Zunächst genoss Luisa seine Begeisterung - doch als die immer extremere Züge annahm und Jonathans ausgeprägte Eifersucht die Beziehung immer stärker belastete, trennte sich Luisa. Sie wünscht sich zu Recht einen Partner, der auch ihre kleinen Schwächen sieht und liebenswert findet.

Unschlagbare Kombination: Realismus und Romantik

Verliebt oder verrückt?

Wenn Sie frisch verliebt sind: Genießen Sie den hormonellen Ausnahmezustand und die rosarote Aussicht von Wolke Sieben! Eine Prise Realismus verhindert dabei, dass Sie Ihrer neuen Beziehung blind vor Liebe begegnen. In der ersten Zeit wissen Sie noch nicht genau, wie der andere tickt und welche Ihrer Wertvorstellungen und Zukunftspläne er mit Ihnen teilt. Nehmen Sie sich die Zeit, Ihren neuen Partner kennenzulernen und lassen Sie sich von Ihren Erkenntnissen überraschen, statt sich an ein vorgefertigtes Bild vom anderen zu klammern. Mit etwas Glück werden Sie feststellen, wie gut Sie tatsächlich zueinander passen - und können ein Dauerticket für den Trip zwischen dem Boden der Realität und dem siebten Himmel buchen.  

Saskia Balke, Redaktion


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