Trennungsblog: Alles zum Thema

Trennung

Trennungsgrund: Perversion

Geschrieben am 21.07.10 um 15:05 Uhr

Trennungsgrund: Perversion

Diese Woche rede ich mal über den Teil von Trennungen über den sonst keiner redet. Wofür gibt's denn auch die Blogs?

Wenn einer nicht sagen will, warum seine Beziehung zerbrochen ist, sich das ganze irgendwie auseinander gelebt haben soll oder die Person beim Nachhaken rot wird, weiß man, warum es schief gegangen ist: Weil's im Bett nicht funktioniert hat. In 80 Prozent aller Fälle war der Sex einfach schrecklich - oder es ging um Untreue. In den anderen 20 Prozent geht?s um irgendwas, das überhaupt nicht gesprächstauglich ist. Gott, ich weiß nicht mal wie ich harmlos darüber schreiben soll, ohne dass die Zensur den Beitrag hier frisst.

Es geht um die Sachen im Bett, die wir alle nicht meinen, wenn wir "miteinander schlafen wollen". Den Kram, der sich hinter lustigen Abkürzungen aus zwei Buchstaben in Kontaktanzeigen in schäbigen Blättchen verbirgt. Es geht um versauten Kram. Oder doch nur um ganz normalen Sex? Tja, da fängt es an. Was ist eigentlich normal? Neulich habe ich leicht angeschickert mit einem Kumpel über Sex geredet. Sowas machen wir normalerweise eigentlich nicht, aber dennoch ist es manchmal verflucht interessant. Mein Kumpel guckte mich plötzlich etwas angewidert an und meinte ich wäre echt versaut. Bin ich aber nicht. Oder? Also, ich weiß eine ganze Menge Sachen, die ich nicht mitmache. Ich halte mich fast schon für normal. Tja, er sich auch. Und mich nicht. Wo fängt es an? Wo hört es auf? Vor 25 Jahren waren Handschellen noch undenkbar und jede andere Art als "normalen" Sex schon echt grenzwertig. Heute kannst du Zwölfjährige danach fragen und die sind bestens informiert. Alles ist normal, für irgendwen. Und die Normalisierung schreitet ständig weiter voran. Bald wird Sex einfach nur Sex sein.

Aber...

Es gibt ja immer ein aber...

Leider hilft einem das manchmal gar nichts. Denn es gibt Sachen, die will man einfach nicht machen. Und manche Sachen findet man wiederum großartig. Und andere Sachen findet man undenkbar. Schlimmer noch: So etwas ändert sich sogar von Zeit zu Zeit. Und gerade, wenn man alles in der Beziehung hinter sich hat, wild und leidenschaftlich die große Liebe zelebriert, dann kommt mitten in der selbsterklärten Experimentierphase - oder wenn man großzügig den Vorschlag gemacht hat etwas auszuprobieren - plötzlich der Mann unserer Träume, die Frau auf die wir unser Leben gewartet haben mit etwas, dass einfach gar nicht geht. Gar nicht! Und was tut man dann? Der andere will es umso mehr, weil er sich erst wieder normal fühlen wird, wenn du ihm bestätigt hast, dass es okay ist... aber wie kommt man aus dieser für einen selbst unangenehmen Nummer wieder raus?

Mein Insidertipp: Wartet nicht zu lange. Entweder niemand spricht es je wieder an und alle können es vergessen oder das war der Gnadenstoss. Ich hatte das ein, zweimal. Und ich kam damit nie klar. Eine Freundin wollte von mir geschnitten werden. MANN! Wisst Ihr, wie schwer es ist, so was aus dem Kopf zu kriegen, wenn man sie seinen Eltern vorstellt? Eine andere... nee, dass kann man nicht schreiben. Bei beiden war danach einfach irgendwas nicht mehr in Ordnung. Ich gebe zu, ich mochte beide und ja, ich habe drüber nachgedacht. Hab's vielleicht sogar ausprobiert. Aber es ging halt nicht. Um ehrlich zu sein, kam es mir in beiden Fällen irgendwie krank vor - und das wirkte sich irgendwie dann auch auf die Partnerin aus. Niemand anderes teilte diese Meinung mit mir. Und so kamen die beiden auf meine Liste der "Ex"-Freundinnen und ich war eine sehr merkwürdige Erfahrung reicher. Und dann habe ich erfahren, dass Miss Schneidmich Mutter wurde. Heiratete. Und heute Richterin ist. Übrigens: Spaghetti-Tops trägt sie nie... wegen der Narben auf ihrer Schulter. 

Tja, was auch immer Perversionen sind, gut für die Beziehung sind sie in jedem Falle wohl nur, wenn beide sie teilen...

2 Kommentare (älteste zuerst)

miss traurig (25.07.10 21:52)

Hallo, ich kann das sehr gut verstehen, ich habe einen Mann sehr geliebt, der aber seine Perversion leben wollte und ich konnts nicht nachvollziehen und habe mich davon distanziert.
Das bringt einen ganz schön in Aufruhr, Eifersucht, ständiges Rätseln, was er wohl macht, ja man ist gedanklich als Partner völlig besetzt davon, kann aber dieses Problem nicht lösen. Mir ist bei dieser Trennung das Herz gebrochen, denn er war ein idealer Partner für mich.

Normalo (28.07.10 14:30)

Feiner, feinfühliger Artikel, Herr Leyendecker. Danke.
Und wie kann ein idealer Partner einem das Herz brechen, liebe Miss ...? Liegt da nicht ein Miss-Verständnis vor?

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Hier schreibt...

Experte

Sebastian Leyendecker

Autor

Sebastian Leyendecker ist eigentlich Jurist und veröffentlichte verschiedene Texte zu allem, was ihm interessant erscheint. Seine Biographie legte nahe, einen Blog über Trennungen zu schreiben. Denn er glaubt, man müsse über Dinge schreiben, die man selber erlebt hat ...


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