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Wann sagt sie "Ja"!?

Wann sagt sie Ja!?

Es ist schon ein etwas abgedroschenes Thema, die Frage nach der Verführbarkeit der Frauen. Gleichwohl haben sich die Klinische Psychologin Cindy Meston und der Evolutionspsychologe David Buss sehr viel Mühe gegeben.

Sie sind dieser Frage noch einmal sehr differenziert nachgegangen, um dies dann in ihrem Buch "Why Women have Sex" einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen.  

Hervorzuheben ist dabei die doch wohl recht seriöse wissenschaftliche Untermauerung der Studie mit über 2000 Probanden und einem sehr ausführlichen Fragebogen. Trotzdem muss dabei immer die Frage gestellt werden, ob bei der Beantwortung solch intimer Fragen nicht die soziale Erwünschtheit (d.h. die Tendenz, Fragen nach einer bestimmten Erwartung zu beantworten) die Ergebnisse verfälscht haben könnte. Das einmal außer Acht gelassen erhalten wir aber beeindruckende Rückmeldungen, wie ich finde.  

Diese Feedbacks konnten der Ordnung halber vier Oberkategorien zugeordnet werden, erstens "Körperliche Anziehung" (z.B. körperliche Vorlieben), zweitens "Zielorientierung" (z.B. finanzielle oder Versorgungsinteressen), drittens "Emotionen" (z.B. die Verbindung auf geistiger Ebene) und schließlich viertens "Unsicherheit" (z.B. Angst, den Partner zu verlieren). Die Gründe, mit dem anderen Sex zu haben, lagen dabei eindeutig am häufigsten in der ersten Kategorie, wobei überraschen mag, dass der Faktor "Liebe" bei beiden Geschlechtern eine untergeordnete Rolle spielte: Bei den Frauen lag die Antwort "Ich wollte meine Liebe zeigen." auf Platz 5 und bei den Männern auf Platz 8. Hier muss man allerdings auch mit Kritik ansetzen. Denn die Äußerung Nummer 1, also die am häufigsten gewählte Aussage: "Ich fühlte mich zu der Person hingezogen.", die sowohl bei den Frauen und bei den Männern auf Platz 1 landete, ist ja doch sehr vielschichtig zu verstehen. Sie ist immerhin so allgemein gehalten (sich "hingezogen fühlen"), dass sie durchaus die Aussage, seine "Liebe zeigen" zu wollen, mit beinhalten könnte. Mich würde interessieren, wie die Probanden geantwortet hätten, wenn man ihnen die Aussage "Ich fühlte mich zu der Person hingezogen, ohne sie zu lieben." präsentiert hätte. Garantiert nicht auf Platz 1. Deutlicher sind da die Aussagen "Ich wollte körperliches Vergnügen" (Platz 2 bei den Frauen, Platz 3 bei den Männern) und "Ich war sexuell erregt und wollte Befriedigung." (Platz 6 bei den Frauen und ebenfalls Platz 6 bei den Männern.)  

Überhaupt fällt die Gemeinsamkeit bei den Geschlechtern auf, die in den ersten drei Äußerungen übereinstimmen. Nur die Aussagen "Ich wollte einen Orgasmus" (Platz 9) und "Ich wollte meine Partnerin glücklich machen" (Platz 10) tauchen ausschließlich bei den Männern unter den ersten 10 auf. Dafür antworteten die Frauen auf Platz 9 "Ich habe begriffen, dass ich verliebt bin" und auf Platz 10 "Ich war im Eifer des Gefechts". Diese offensichtlichen Unterschiede in der Präferenz bestimmter Motive für seine sexuelle Aktivität gibt Anlass zu mancherlei Interpretation. So könnte man meinen, dass die Männer zwischen Egoismus und Schuldgefühlen hin- und hergerissen bleiben und die Frauen zwar auf der einen Seite die Beziehungsorientierteren sind. Auf der anderen Seite aber auch diejenigen sind, die es hinterher häufiger bereuen, "Ja!" gesagt zu haben. Aber das ist sicherlich auch nur ein psychologisches Vorurteil, was meinen Sie?