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Sex auf Zimmerlautstärke?

Sex auf Zimmerlautstärke?

Es ist Sommer, fürwahr. Die Sahara-Hitze bringt es mit sich, dass nachts die Fenster geöffnet werden. Und so dringt denn auch das eine oder andere Geräusch nach draußen. Mich erinnert das sofort an einen alten Freund aus Holland, den ich in Amsterdam noch zu Studienzeiten kennen gelernt hatte.

Er war seit Kurzem mit einer neuen Frau liiert und gleich nach dem zweiten Tête-à-tête berichtete er mir ungläubig fasziniert, dass es schon in der ersten Nacht zu einer ungewollten Störung gekommen war. Die Feuerwehr hatte vor der Tür gestanden, weil Nachbarn sie wegen furchtbarer Schreie aus der Wohnung alarmiert hatte. Natürlich hatte mein Freund nichts davon mitbekommen, weil er selbst zu beschäftigt war. Er war zwar schon beeindruckt von dem phonetischen Ausdrucksvermögens seiner neuen Partnerin gewesen - aber den Eindruck, dass möglicherweise gerade ein Verbrechen verübt werden könnte, hatte er natürlich nicht. Andere - Nachbarn - waren darauf gekommen und haben entsprechend reagiert.  

Dies mag nun wahrlich ein Extrembeispiel sein. Aber man mag gar nicht glauben, wie viele Menschen von Ruhestörung sprechen, wenn es im Bett laut wird und das Fenster zum Hof offen steht. Und sind es eigentlich immer die Frauen, die zu den Ruhestörern werden, nie die Männer? Gibt es dazu noch keine Statistik?  

Interessant ist ja hier die Vermischung bzw. Verknüpfung zwischen einem höchst individuellen Ereignis, das auf der einen Seite mit Lust und Hingabe und auf der anderen etwas mit einer moralischen Kategorie zu tun hat. Gibt es also für die Lautstärke beim Sex so etwas wie eine Benimmregel? Soll man Rücksicht auf seine Zeitgenossen nehmen? Nur - wer fühlt sich denn wirklich davon gestört und wenn ja, aus welchen Gründen? Man sieht, hier wird die ganze Sache schon etwas komplexer.  

In einem Thread fand ich dazu einige sehr unterschiedliche Meinungsäußerungen. Die eine Gruppe verteidigte vehement das Recht auf freie Meinungs- bzw. Lustäußerung. Eine zweite meinte, dass es "Grenzen" gäbe, konnte oder mochte diese aber nicht näher definieren und eine dritte Gruppe lag so ein wenig dazwischen. Hier gab es u.a. das Beispiel eines jungen Ehepaares mit einem Neugeborenen, das durch den Sexkrach nicht schlafen konnte. Die Nachbarn hatten es offensichtlich auch im Hausflur getrieben, was man natürlich schon als eine gewisse Grenzverletzung sehen könnte. Nach einer offensiven Beschwerde hörte das abweichende Verhalten auf, und die sexuellen Begegnungen wurden in den Keller verlegt.  
Dies bringt mich denn auch zu einem neuen Aspekt, einem eher psychologischen (endlich!): Denn sollte dieses Verhalten nicht doch auch ein wenig mit einem gewissen Hang zum Exhibitionismus zu tun haben? Die WOLLEN doch gehört werden, oder? Und gerade das macht ihnen Spaß, könnte doch sein.  

Ehrlich gesagt, ich habe selbst eigentlich keine eigene Meinung dazu; ich leide wohl ein bisschen unter dem Sommerloch.