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Frust statt Freiheit? Die Antibabypille

Frust statt Freiheit? Die Antibabypille

Es war eine Revolution für die Frau: Durch die Antibabypille sollte sie ein uneingeschränktes Sexualleben genießen können. Zu Recht wurde die Pille zunächst als revolutionär gefeiert, denn sie trug viel zur Emanzipation der Frau bei.

Plötzlich konnten Frauen, genau wie Männer, selbstbestimmter ihre Sexualität ausleben, ohne die ständige Angst vor ungewollten Schwangerschaften haben zu müssen. Die hormonelle Verhütung hat einen weiteren Vorteil: Sie mindert prämenstruelle Beschwerden. Unter dem Prämenstruellen Syndrom, kurz PMS genannt, leiden weltweit viele Frauen psychisch und physisch so stark, dass ihre Lebensqualität deutlich eingeschränkt ist. Die Ursache ist eine komplizierte Wechselwirkung verschiedener Faktoren. Auch aus diesem Grund  greifen viele Frauen gern zur Pille.  

Pille mit Knackpunkt: Trotz aller positiven Wirkungen ist jedoch ein unerwünschter Nebeneffekt das häufige Auftreten von Sexualstörungen. Denn wirklich zufrieden sind viele Frauen mit ihrem Sexualleben trotz der Antibabypille nicht: Zwei von fünf Frauen haben Probleme beim Sex. Meist sind sie lustlos oder haben Schwierigkeiten, einen Orgasmus zu haben. Eine neue Studie von Medizinern der Universitäten Heidelberg, Tübingen und Basel legt nahe, dass die hormonelle Verhütung zu diesen Sexualstörungen beiträgt. Natürlich schlagen sich auch sexuelle Probleme auf die Lebensqualität nieder und beeinträchtigen das emotionale Wohlbefinden. Laut Autoren einer Studie, die im "Journal of Sexual Medicine" erschienen ist, sind die Ursachen sexueller Störungen vielfältig. Oft stehen deshalb Stress und die qualitativen Aspekte der Partnerschaft im Zentrum der Forschung. Die Rolle und Wirkung hormoneller Probleme in Bezug auf sexuelle Störungen bei Frauen werden erst seit wenigen Jahren diskutiert.  

Ein Drittel sind betroffen: An der vorliegenden Studie nahmen mehr als tausend Medizinstudentinnen aus Deutschland teil. In einem Fragebogen gaben sie Auskunft über Kinderwunsch, Schwangerschaften, Rauchverhalten und andere Lebensstilfaktoren: 97,3 Prozent der Frauen waren zur Zeit der Studie sexuell aktiv und 87,4 Prozent verhüteten. Von den sexuell aktiven waren 32,4 Prozent Risikokandidatinnen für eine Sexualstörung, 5,8 Prozent litten an einer Libidostörung, jeweils ca. 1 Prozent klagte über mangelnde Erregung, Scheidentrockenheit oder Schmerzen beim Sex, 2,6 Prozent waren nicht befriedigt und 8,7 Prozent erreichten keinen Orgasmus. Es stellte sich heraus, dass die Probandinnen, die ohne Hormone verhüteten, weniger anfällig für Störungen und Unzufriedenheit waren als diejenigen, die mit Pille oder Hormonspirale verhüteten. Zwar spielt das Rauchen eine auffällige Rolle für die sexuelle Zufriedenheit, doch andere Lebensstilfaktoren wie Kinderwunsch, Alter oder die aktuelle Beziehung zeigten interessanterweise kaum Auswirkungen. Letztlich bleiben die Frauen in einem Dilemma, denn die Freude über die größere sexuelle Selbstbestimmung durch Einnahme der Pille wird von den Nebenwirkungen für viele deutlich geschmälert.