Geschrieben am 21.05.10 um 16:41 Uhr

Es war eine Revolution für die Frau: Durch die Antibabypille sollte sie ein uneingeschränktes Sexualleben genießen können. Zu Recht wurde die Pille zunächst als revolutionär gefeiert, denn sie trug viel zur Emanzipation der Frau bei.
Plötzlich konnten Frauen, genau wie Männer, selbstbestimmter ihre Sexualität ausleben, ohne die ständige Angst vor ungewollten Schwangerschaften haben zu müssen. Die hormonelle Verhütung hat einen weiteren Vorteil: Sie mindert prämenstruelle Beschwerden. Unter dem Prämenstruellen Syndrom, kurz PMS genannt, leiden weltweit viele Frauen psychisch und physisch so stark, dass ihre Lebensqualität deutlich eingeschränkt ist. Die Ursache ist eine komplizierte Wechselwirkung verschiedener Faktoren. Auch aus diesem Grund greifen viele Frauen gern zur Pille.
Pille mit Knackpunkt: Trotz aller positiven Wirkungen ist jedoch ein unerwünschter Nebeneffekt das häufige Auftreten von Sexualstörungen. Denn wirklich zufrieden sind viele Frauen mit ihrem Sexualleben trotz der Antibabypille nicht: Zwei von fünf Frauen haben Probleme beim Sex. Meist sind sie lustlos oder haben Schwierigkeiten, einen Orgasmus zu haben. Eine neue Studie von Medizinern der Universitäten Heidelberg, Tübingen und Basel legt nahe, dass die hormonelle Verhütung zu diesen Sexualstörungen beiträgt. Natürlich schlagen sich auch sexuelle Probleme auf die Lebensqualität nieder und beeinträchtigen das emotionale Wohlbefinden. Laut Autoren einer Studie, die im "Journal of Sexual Medicine" erschienen ist, sind die Ursachen sexueller Störungen vielfältig. Oft stehen deshalb Stress und die qualitativen Aspekte der Partnerschaft im Zentrum der Forschung. Die Rolle und Wirkung hormoneller Probleme in Bezug auf sexuelle Störungen bei Frauen werden erst seit wenigen Jahren diskutiert.
Ein Drittel sind betroffen: An der vorliegenden Studie nahmen mehr als tausend Medizinstudentinnen aus Deutschland teil. In einem Fragebogen gaben sie Auskunft über Kinderwunsch, Schwangerschaften, Rauchverhalten und andere Lebensstilfaktoren: 97,3 Prozent der Frauen waren zur Zeit der Studie sexuell aktiv und 87,4 Prozent verhüteten. Von den sexuell aktiven waren 32,4 Prozent Risikokandidatinnen für eine Sexualstörung, 5,8 Prozent litten an einer Libidostörung, jeweils ca. 1 Prozent klagte über mangelnde Erregung, Scheidentrockenheit oder Schmerzen beim Sex, 2,6 Prozent waren nicht befriedigt und 8,7 Prozent erreichten keinen Orgasmus. Es stellte sich heraus, dass die Probandinnen, die ohne Hormone verhüteten, weniger anfällig für Störungen und Unzufriedenheit waren als diejenigen, die mit Pille oder Hormonspirale verhüteten. Zwar spielt das Rauchen eine auffällige Rolle für die sexuelle Zufriedenheit, doch andere Lebensstilfaktoren wie Kinderwunsch, Alter oder die aktuelle Beziehung zeigten interessanterweise kaum Auswirkungen. Letztlich bleiben die Frauen in einem Dilemma, denn die Freude über die größere sexuelle Selbstbestimmung durch Einnahme der Pille wird von den Nebenwirkungen für viele deutlich geschmälert.
3 Kommentare (älteste zuerst)
I. (01.06.10 19:52)
Ja ich kann das auch nur bestätigen. Ich habe vor 6 Monaten die Pille (Valette) abgesetzt und habe auch ein völlig neues Lustempfinden! Es ist echt traurig, dass ich mit 16 schon anfing dieses Zeug zu nehmen und dadurch nur gehemmt war...außerdem erlebte ich mich zunehmend depressiv, je länger ich die Pille nahm.
Die Menstruationsbeschwerden und die Hautprobleme sind jedoch leider zurückgekommen...damit muss man rechnen, wenn man die Pille absetzt. Aber ich habe gemerkt, dass Wasser zu trinken meiner Haut richtig gut tut, also habe ich Wasser zu meinem Hauptgetränk gemacht! Aber gegen die Schmerzen helfen bisher nur Schmerzmittel, leider.
B. (03.06.10 17:17)
Nach jahrelangem Einnehmen der Pille habe ich vor anderthalb Jahren damit aufgehört und fühle mich seither rundum besser, selbstbestimmter und glücklicher. Auch das Lustempfinden ist grösser. Die befürchtete Zunahme von Hautproblemen (Akne) ist zum Glück ausgeblieben. Der grösste Gewinn an Lebensqualität ist jedoch, dass ich ohne Pille keine migränenartige Kopfschwerzen während der Mens mehr habe. Meiner Vorschreiberin I. möchte ich gegen die Mens-Beschwerden ein pflanzliches Präparat empfehlen, das die Pflanze Mönchspfeffer enthält (in der Apotheke erfragen). Die Schmerzen verschwinden zwar nicht ganz, aber es wirkt prämenstruell und während des ganzen Zyklus seelisch und körperlich ausgleichend. Ich bin sehr froh um diese Entdeckung.
G. (29.05.10 23:09)
Kann Eure Beobachtungen nur bestätigen. Nachdem ich mit 18 Jahren, also relativ früh, das 1. Mal schwanger geworden war, habe ich natürlich die Pille genommen, später dann die Mirenaspirale und muss abraten. Zum einen ist Mirena wegen Krebsförderung äußerst problematisch. Auch gibt es unter dem Einfluss der Hormone gruseligste Depritage mit Kopfschmerz. Leider gibt zu wenige entschlossene Männer mit Ambitionen, Verantwortung zu übernehmen. Hatte das Glück, solche Männer zu treffen und die Hormonkiste mal weg zu lassen - ich habe mich selber mit meinem totalen Lustempfinden nicht wieder erkannt!! Jetzt nehme ich wieder die Hormone und habe seit über einem Jahr keinen Mann angeguckt. Bin also wieder "ausgeknipst" und emotional der maskuline Typ. Die Tage, wo ich quasi seelisch neben mir stehe, sind auch wieder da und offensichtlich kein Mann, der verständnisvoll damit umgehen kann. War wohl auch ein Grund für die Scheidung...