ElitePartner.de Die Adresse für Singles mit Niveau

Ausschweifung und Mäßigung

Ausschweifung und Mäßigung

Neulich ging es in einem Gespräch mit einem Freund mal wieder über das Thema, wie man sich von bestimmten "schlechten Angewohnheiten" befreien sollte. Auch wenn wir in der Öffentlichkeit nicht darüber sprechen: Solche schlechten Angewohnheiten können durchaus sexueller Natur sein.

Da geht es z.B. um die Idee, ob man etwa "sexsüchtig" sei, wenn man "es" mehrmals am Tag tun möchte; oder ob es schicklich ist, selbst des Öfteren Hand an sich selbst anzulegen. Offenbar hat der Mensch nach wie vor Schwierigkeiten damit, wenn es darum geht, sich zu mäßigen. Aber irgendwie ist er ja auf die Idee gekommen, dass genau das - die Mäßigung - unumgänglich sei, damit er sich wieder morgens im Spiegel anschauen kann. Beim Essen und Trinken ist exzessives Verhalten ja meist einfacher zu erkennen: Man nimmt entweder unangemessen zu oder es geht einem einfach so dreckig, dass man gleichsam gezwungen wird, auf weitere Ausschweifungen zu verzichten. Dann dauert es eine Weile, bis wieder ein paar Kilo abgespeckt sind oder die Leber sich einigermaßen erholt hat - und schon sündigt man wieder munter drauflos. Aber beim Sex? Was soll da schon groß Schädliches passieren? Wahrscheinlich meinen diejenigen, die von Sexsucht sprechen, eher die Konsequenzen ihres Extremverhaltens (sie selbst finden es extrem ...) und nicht konkrete körperliche Auswirkungen. Solche subjektiv als negativ empfundenen Konsequenzen können vielfältiger Natur sein: Etwa, dass man zu "nichts anderem mehr kommt", oder dass man sich selbst- bestrafend verurteilt, indem man sich sagt, es gäbe schließlich "Wichtigeres" im Leben, als den ganzen Tag lang munter drauf los zu vögeln. Nun ja.  

Interessant sind auch die kulturellen Hintergründe, die hier offenbar eine Rolle spielen. Auf Jamaika z.B. hat eine Frau angeblich traditionellerweise das Recht, fremd zu gehen, wenn ihr Mann bzw. Partner drei Tage hintereinander nicht für einen Orgasmus gesorgt hat! Wow! Das könnte einige deutsche Männer ganz schön unter Druck setzen! Und hier in unseren Gefilden: Was gilt denn als "ausschweifend", was als "mäßigend"? Und wer setzt die Maßstäbe? Die Kirche hat ja schon immer eher einen Hang zur Mäßigung vertreten, ja diesen sogar als heilige Eigenschaft des Göttlichen verklärt. Und was sagen unsere Fußballfreunde dazu? Hier ein kleines Zitat:  

"Exzesse und Ausschweifungen können kurzfristig berauschend sein, sind aber langfristig vernichtend. Mäßigung aber führt zu einem balancierten, stetigen und maßvollen Leben. Haben Sie so andere Schwerpunkte in Ihrem Leben, als nur den Fußball, wirft Sie eine Niederlage nicht um. Sie können dann mit Druck und Angstgefühlen besser umgehen. Sie spielen besser. Sie sehen Dinge in Proportion. Sie wissen, was Sie tun, spielen nicht in einem Koma. Sie können bewusst mal richtig voll herangehen, mit aller Kraft. Sie wissen aber, wenn etwas genug ist. Um zu gewinnen muss man nicht mit aller Kraft und geballter Energie ins Spiel gehen. Mit Leichtigkeit und Unbeschwertheit geht es viel besser."  

Eine gewisse Verunsicherung stellt sich bei mir beim Lesen des obigen Ratschlages ein: Soll ich, oder soll ich nicht, ist hier die Frage. Früher hatte ich mich eher an den Überzeugungen der Propheten, wie William Blake einer war, orientiert, der da gesagt hat: "Der Weg der Ausschweifung führt zum Palast der Weisheit."  Und auch ein Ausbilder in Gestalttherapie riet mir auf die Frage, wie ich es denn schaffen könne, mit dem Rauchen aufzuhören, dazu, einfach solange weiter zu qualmen, bis mir so schlecht werden würde, dass es mir aus den Ohren wieder rauskommt und ich von selbst aufhöre - oder eben nicht. Dann aber kam Michel Foucault mit seiner Abhandlung über "Sexualität und Wahrheit", in der er das Liebesleben der alten Griechen untersuchte. Er beschrieb, wie diese eine freiwillige Balance - jahreszeitlich bestimmt -  alle Genüsse entwickelt hätte, die letzten Endes aber nur ein Ziel hatte: Den Genuss zu steigern. Das hat mich überzeugt!