
Zunächst einmal eine allgemeine Vorbemerkung zu dem Thema Trennungen: Je länger ein Paar zusammen ist, desto unwahrscheinlicher wird es, dass es sich trennt. Wer sich erst seit zwei Wochen kennt, der geht leichter auseinander als ein Paar, das es zwei Monate lang miteinander versucht hat.
Und nach zwei Monaten wiederum fällt der Liebeskummer in der Regel deutlich geringer aus, als nach zwei Jahren. Unsere Hemmung, eine Beziehung zu verlassen, wächst also mit der Zeit, die wir mit dem anderen zusammen sind. Es gibt in diesem Sinne also für Partnerschaften kein "verflixtes siebtes Jahr". Eher schon eine "verflixte siebte Woche" oder einen "verflixten siebten Monat".
Ganz zu Beginn gehen also die meisten Beziehungen zu Bruch. Später dann, wenn die ersten zwölf Monate der so genannten Probezeit vorbei sind, sinkt die Trennungswahrscheinlichkeit. Eine Trennung nach dreißig oder vierzig Jahren des Zusammenseins ist also ein seltenes Ereignis. Wozu auch Auseinandergehen! Wer es so viele Jahre durch Höhen und Tiefen miteinander geschafft hat, der ist in der Regel nicht bereit, das aufzugeben. Aber es gibt eben auch Ausnahmen - wie eine 65jährige Klientin in meiner Praxis, die von den Eskapaden ihres Mannes genug hatte und nach dem gefühlt hundertsten Versprechen auf Änderung nicht mehr an eine positive Wendung glaubte. Manchmal kommt erst im Alter der Mut oder der Drang, etwas zu verändern oder noch erleben zu wollen, was man durch die Jahre der Ehe versäumt hat. Wer viele Wünsche zurückgestellt hat zugunsten der Partnerschaft ist eher in Gefahr solch einen Schritt zu tun, als andere, die sich trotz Beziehung immer gefragt haben, was sie selber wollen und ihre Ziele und Wünsche nicht aus den Augen verloren haben.
Die Frage Soll ich gehen oder bleiben? beschäftigt uns in den meisten Fällen über einen längeren Zeitraum. So unterliegt die Antwort darauf auch einem Prozess. Der besten Freundin, dem vertrauten Freund oder einem Berater stellen wir diese Frage ratsuchend und erhoffen einen erleichternden Rat. Doch die Entscheidung muss und sollte jeder alleine fällen. So angenehm es wäre, sich diesen Schritt abnehmen zu lassen, ist es ratsam, die Verantwortung dafür ganz alleine zu tragen.
Jeder hat seine ganz subjektive Bilanz eine Beziehung als noch positiv oder so negativ zu beurteilen, dass es nicht mehr geht. Was für den einen noch gut aushaltbar ist, ist für den anderen unerträglich. Wir ziehen in einer Partnerschaft unbewusst immer Bilanz, wägen ab, ob das Beziehungsbarometer noch im Hochdruck- oder Niederdruckbereich ist. Zudem hat jeder seine ganz eigene Sicht, was er als angenehmen Ausgleich für vermeintliche Defizite bekommt. Diese innere Verhandlung ist individuell so unterschiedlich, dass keine Freundin von außen darüber zuverlässig urteilen kann. Der eine würde sich den Ton nie und nimmer bieten lassen und sich auf dem Absatz für immer umdrehen. Ein anderer kann sogar eine Ohrfeige verzeihen, findet einen Ausgleich in den vielen positiv emotionalen Momenten. Daher gibt es keine Formel für die Frage Gehen oder Bleiben. Nur die innere Stimme!