
Alle Vorzeichen stehen auf Sympathie. Der Austausch wird immer netter. Das erste Treffen steht an. Nun bleibt der angekündigte Anruf aus. Wie soll ich das deuten?
Manchmal möchte man die Wahrheit nicht hören, weil sie nicht in das schöne rosarote Bild passt. Aber sie ist oft sehr wichtig, denn sie hilft loszulassen und die Verzerr-Brille der Hoffnungen abzusetzen. Nachdem Sabine einige sehr persönliche und ausführliche Mails mit einem ihr sehr sympathischen Mann ausgetauscht hatte, machte er den Vorschlag zu telefonieren. Gleich am nächsten Tag rief er sie an und sie sprachen gute zwei Stunden. Für Sabine hatte sie die gleiche Wellenlänge und das Telefonat verlief locker und nett. Am Ende des Gesprächs war die Zahnärztin darüber verwundert und zugegebenermaßen auch leicht enttäuscht, dass der Prokurist nicht spontan ein Treffen mit ihr vereinbaren wollte. Stattdessen schlug er ein weiteres Telefonat vor. Sabine stimmte zu und fragte, ob sie ihn zurückrufen könne. Das sei in nächster Zeit schwierig, da er viel unterwegs sei, lautete seine Antwort. Aber er würde sich melden, wenn er ein bisschen Zeit hätte. Da Sabine seine Handynummer kannte, sendete sie ihm zwei Tage später einen kurzen Gruß per SMS. Doch der blieb bisher ohne Reaktion. Dies ist jetzt fünf Tage her. Die Zahnärztin rief mich in meiner Sprechstunden an und fragte, ob sie noch auf ein Lebenszeichen warten oder das Ganze eher vergessen solle.
Das Interpretieren der wahren Motive für ein bestimmtes Verhalten ist immer eine filigrane Sache. Gerade bei Liebesangelegenheiten können uns unsere Gefühle täuschen, fällt es uns schwer, objektiv wahrzunehmen. Wir interpretieren Erlebnisse in Richtung unserer Wünsche und Sehnsüchte. Besonders schwierig ist es, wenn ein Gespräch positiv verläuft, der Austausch wie von selbst fließt und eigentlich alle Zeichen auf Sympathie stehen. Das sind normalerweise gute Vorraussetzungen, das mehr aus der Begegnung werden kann. Aber leider nicht muss! Die andere Seite kann so einen Kontakt eben nur als ein nettes Gespräch erlebt haben, ohne dass daraus mehr Interesse entsteht. Die Entwicklung und Wahrnehmung von Gefühlen und Zuneigung läuft nicht automatisch parallel ab. Das wünschen wir uns zwar und gehen davon aus, dass das eigene Kribbeln bei einer Begegnung nur stattfinden kann, wenn es auch beim Gegenüber ausgelöst wurde. Aber leider ist das nicht so.
In Studien wird immer wieder nachgefragt, wie sich Männer und Frauen verhalten, wenn sie nach einem Kontakt oder Treffen kein Interesse an ihrem Date haben. Elitepartner.de hat das in seinem Liebestrendmonitor 2009 auch untersucht. 41 Prozent Männer geben an, sich dann nicht mehr zu melden, 40 Prozent machen keine Komplimente und 27 Prozent geben vor, beruflich völlig eingespannt zu sein. Auf Ihre Erfahrung von Sabine übertragen, würde ich sagen, dass dieser Mann den Kontakt nicht mehr aufnehmen wird. Die Antwort auf ihre Frage: Abhaken, vergessen und nach vorne schauen.