
Ob Attraktivität im Auge des Betrachters liegt oder ob es allgemeine Schönheitskriterien gibt - das ist eine Streitfrage mit langer Tradition.
Tja, letztens mal wieder durchs TV-Programm gezappt und viele sexuelle Schlüsselreize gesehen. Sex sells, wie jeder weiß. Wahrscheinlich wird am meisten auf den Musiksendern mit weiblichen und männlichen Reizen "gearbeitet".
Natürlich gibt es Personen, Frauen wie Männer, die von der Mehrheit als "attraktiv" eingeschätzt werden. Anziehend wirkt (bei beiden Geschlechtern) alles, was sich mit Jugendlichkeit und Gesundheit in Verbindung bringen lässt. Also etwa eine weitgehend "gesunde" Haut, volles Haar, symmetrische Gesichtszüge und ein ebensolcher Körper. Über alle Kulturen hinweg werden die genannten Eigenschaften mit Schönheit in Verbindung gebracht. Hier liegt natürlich die evolutionstheoretische Einsicht nahe, dass wir aufgrund von überlebens- und fortpflanzungstechnischen Gründen auf junge und gesunde Geschlechtspartner aus sind. Mit ihnen können wir entsprechend aller Wahrscheinlichkeit nach gesunde Kinder zeugen.
Nun herrscht aber auch allgemein der Irrglaube vor, dass man möglichst viele Attraktivitätsmerkmale aufweisen müsse, um entsprechend "die Herzen im Voraus zu gewinnen", wie Arthur Schopenhauer, selbst ein großer Menschenkenner, einmal sagte. Offenkundig sind die Schönheitsfanatiker unter uns nicht die glücklichsten Menschen, da sie sich viel zu sehr mit ihrer Außenwirkung beschäftigen, häufig abhängig von der Bewunderung ihrer Mitmenschen sind und leicht(er) depressiv werden, wenn der "Zahn der Zeit" sichtbar wird. Auf der anderen Seite, und das ist der Witz daran, müssen Frauen und Männer gar nicht so aussehen wie die Hochglanzgesichter in den Medien, um attraktiv zu wirken.
Ein, zwei der oben genannten "Fitness-Indikatoren" reichen schon aus. Wer dazu noch selbstsicher rüberkommt, weist schon Ansätze von Charisma auf; und das ist bekanntlich anziehender als so manche reizende "Hülle".
Ach ja, und Schönheit liegt aber doch (auch) im Auge des Betrachters. Darauf wurde noch gar nicht hingewiesen. Vor allem die ersten Lebensjahre, in denen unser Gehirn das soziale Umfeld quasi wie ein Schwamm aufsaugt, prägen unser Empfinden von Schönheit. Wir verinnerlichen etwa die Bezugspersonen, und zwar mitsamt ihrer äußeren Merkmale. Daher kommt es, dass uns später hinaus bestimmte Personen an die Primärpersonen von früher erinnern (unbewusst) - und entsprechend bestimmte Emotionen auslösen. Daraus folgt, dass uns auch Menschen reizen, die zwar keine Modelmaße haben, aber deren Erscheinungsbild anscheinend einen Bezug zu unserer Biografie hat.
Fazit: Wir sollten uns nicht allzu viele Gedanken um Schönheit und Attraktivität machen. Manchmal haben wir es nämlich gar nicht in der Hand, wie wir auf andere wirken.