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Hallo EliteTeam,
im letzten Jahr lernte ich einen Mann kennen, den ich einfach nicht mehr loslassen kann. Er lebt weit weg, arbeitet darüber hinaus in einer anderen Stadt, d. h. er ist Mo-Fr in Deutschland, übers Wochenende in seiner Heimat Wien. Weiter hat er seine Frau durch eine Krebs-Erkrankung verloren, d. h. er ist verwitwet. Wir trafen uns in München und ich muss gestehen, für mich war es Liebe auf den ersten Blick. Es passte einfach ALLES. Nach diesem Treffen fuhr ich ein paar Wochen später zu ihm nach Wien, wo wir ein absolut berauschendes, harmonisches und verliebtes Wochenende miteinander verbrachten. Leider ging es danach irgendwie nicht weiter. Ich merkte auch, dass er seiner Frau noch sehr nachtrauert. Im Frühjahr, auf dem Weg in den Ski-Urlaub, habe ich ihn dann wieder besucht. Wir haben einen schönen Abend zusammen verbracht und ich bin auch über Nacht geblieben. Mal abgesehen davon, dass es von meiner Seite das Absolute ist, will er anscheinend nicht ernsthaft etwas von mir wissen, da alle Aktivitäten überwiegend von meiner Seite ausgingen. Kürzlich war er dann beruflich in meiner Gegend und hat tatsächlich angerufen. Ich habe mich ins Auto gesetzt und bin an den Flughafen gefahren, um ihn für eine Stunde zu treffen. Wir haben aber nur über berufliche Dinge gesprochen. Beim Abschied hat er mich kurz in den Arm genommen und geküsst. Das hat bei mir wieder zu einem mittleren Vulkanausbruch geführt. Seitdem aber wieder keine Reaktion von seiner Seite.
Was habe ich falsch gemacht? Hängt er noch an seiner verstorbenen Frau, oder sucht er etwa eine Doppelgängerin von ihr? Warum lässt er in großen Zeitabständen doch wieder Treffen zu? Bin zwar erwachsen, denke aber eigentlich, solche Gefühle, die da im Spiel waren, können nicht einseitig sein, sonst läuft so was i. d. R. anders ab. Kann ich noch was tun oder soll ich ihn einfach lassen?
Danke im Voraus!
Mit freundlichen Grüßen,
Louisa
Liebe Louisa,
zuallererst: Sie haben nichts falsch gemacht! Stoppen Sie Ihre Zweifel und Selbstvorwürfe. Sie waren zugewandt, offen und haben Ihre Gefühle gezeigt. Das ist eine wunderbare Gabe und das sollten Sie an sich schätzen.
Leider haben Sie in diesem Mann einen Menschen getroffen, der entweder mit dem Tod seiner Frau noch beschäftigt war oder eine andere Gefühlslage zu Ihnen hat(te). Sie zweifeln daran, dass solche starken Gefühle einseitig sein können. Ganz einseitig sind sie selten, aber sie können ungleich verteilt sein. Sind wir verliebt, gehen wir davon aus, dass solche Gefühle nur entstehen können, wenn der andere sie genauso erlebt. Das stimmt aber nicht. Das Übertragen der eigenen Liebesgefühle auf den anderen, kann täuschen. Wir neigen dazu, unsere Vorstellung von Liebe und das damit verbundene Verhalten beim anderen identisch vorauszusetzen. "Wenn er sich so und so verhält, dann liebt er mich (ist verliebt)" oder "Wenn er so redet, dann ist das keine Liebe". Dabei gehen wir von unserem Liebesverständnis aus und interpretieren das Verhalten unseres Gegenübers auf dieser Grundlage. Doch Liebe ist nicht Liebe. Sie hat ganz unterschiedliche Ausdrucksformen und Wahrheiten.
Was in Ihrem Fall deutlich wird: Was Sie von diesem Mann bekommen, reicht Ihnen vorne und hinten nicht. Zudem ist auffällig, dass die ganze Sache nur aufrechterhalten wird durch Ihre Initiative. Das ist nicht gesund und zu einseitig. Sie geben zu viel, zeigen sich und bekommen nur wenig. Sie spüren selbst, dass es so nicht weiter geht. Die Struktur würde wahrscheinlich die gleiche bleiben: Sie investieren, dann passiert etwas. Ansonsten folgt nichts. Damit ist das Muster klar und Sie können entscheiden, ob Sie dafür noch einen langen Atem haben oder nicht. Doch machen Sie sich bewusst: Eine tragende Beziehung besteht aus Geben und Nehmen. Von beiden Seiten!
Alles Gute für Sie,
Lisa Fischbach
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