1. Frage:
    Gefragt am: 11.03.2011, 19:15 von Gast
    Wollen Frauen überhaupt Familie und Karriere unter einen Hut bringen?
    Im Forum wird immer wieder vorgebracht, nach der Geburt eines Kindes würden die Männer Wert darauf legen, dass die Frau zuhause bleibt und auf eine Karriere verzichtet. In meinem Umfeld sieht es aber gänzlich anders aus. Die weitaus meisten Frauen heiraten nach oben. Ist das Kind da, betont die Mutter, dass es auf ihr geringes Gehalt nun wirklich nicht ankomme. Sie möchte daheim bleiben und will keinen Stress im Beruf. Die Männer lassen sich dann breitschlagen. Bei den jungen Mädchen in meinem Gymnasium ist es ähnlich. Wir tun viel, um gerade Schülerinnen für ein Hochschulstudium zu motivieren. Früchte trägt das aber kaum. Der überwiegende Teil der Abiturientinnen legt keinen Wert auf Karriere, egal was wir ihnen erzählen. Wie kommt es zu diesem Widerspruch. Ist mein Umfeld untypisch (ländlich, katholisch). Oder werden hier im Forum politisch korrekte Mythen gepflegt, um das Verschulden für die berufliche underperformance vieler Frauen auf die Männer abzuwälzen. m (45)
    Antworten:
  2. #1 Gast
    11.03.2011 19:59
    Das sieht bei uns völlig anders aus.

    Ich lebe in einem gutbürgerlichen Stadtteil von HH, schon die Generation der Mütter in unserem Gymnasium ist gut ausgebildet (Architektin, Mathematikerin, Lehrerin, mind. Bankkauffrau, Hebamme o.ä.) und nahezu alle Frauen arbeiten mindestens halbtags, eher ab 12jährigen Kindern Vollzeit.

    Hier gibt es aber auch schon lange recht akzeptable Kinderbetreuungen, bei mir zu Hause in Süddeutschland wurde ich vor zwanzig Jahren entweder glühend beneidet oder als Rabenmutter angesehen, da meine Kinder schon mit zwei Jahren in den Kindergarten gingen.

    Die Mädchen in der Generation meiner Tochter (fast 19) studieren (Musik, Jura, BWL, Sprachen) teilweise dual, manche international, oder machen Ausbildungen (Außenhandelskauffrau, Bankkauffrau, Schauspielschule etc). Ich kenne keine einzige junge Frau, die schnell heiraten will.

  3. #2 Gast
    11.03.2011 19:59
    Ich will es nicht - Ich nehm nur die Karriere :o).

  4. 11.03.2011 20:02
    Ich finde nicht, dass hier irgendwelche Mythen gepflegt werden. Wenn Du aufmerksam lesen würdest, hättest Du zahlreiche Meinungen gefunden, die genau das Gegenteil von Deiner Hypothese belegen.

    Nicht nur ich, sondern auch viele andere bekunden ganz klar, dass sie gerne mit ihrem Baby zuhause bleiben würden und dass sie glaube, dass ein Kind die ersten 1-3 Jahre unbedingt die Mutter braucht. Darauf zielt ja auch die Elternzeit ab, die zumindest 12 Monate mit dem Baby gewährt ohne allzu große Einbußen zu haben. Auch Vicky, gerade Mutter geworden, bleibt gerne mit ihrem Baby zuhause.

    Du liest entweder selektiv oder lässt Durch die kampfstark auftretenen Emanzen beeindrucken. Nein, was nützt einem im Alter die Karriere, aber sein Kind kennt man kaum? Und wieviele Prozent würden schon echte Karriere machen und nicht nur einfach einem Beruf nachgehen? ich glaube, dieser Aspekt fällt viel zu oft unter den Tisch. Nicht jede Berufstätigkeit ist eine tolle Karriere, ganz oft ist es schlichtweg Broterwerb -- auch wenn er Spaß bringt, stimulierend ist, man Erfolg und er Geld einbringt.

    Nichtsdestotrotz wollen meiner Erfahrung nach im realen Leben die allermeisten einige Jahre bei den Kindern bleiben, dann aber doch wieder zurück in den Beruf. Auch deswegen, weil hausarbeit alleine nicht befriedigend und ausfüllend ist. Die Nur-Hausfrauen müssen immer sonderbarste Aktivitäten vorschützen, um zu begründen, wie sie ihre Tage verbringen.

  5. #4 Gast
    11.03.2011 20:06
    Ich glaube nicht, dass Frauen generell nicht Kind und Karriere unter einen Hut bringen wollten, nur ist das für viele nicht unbedingt so einfach.
    Haushalt, Kind und Karriere der Frau sind eben schwieriger zu managen als nur die Karriere des Mannes, der dann außerdem auch meistens noch besser verdient und die klassische Rollenverteilung bezüglich Haushalt schleicht sich mit dem Fortschreiten der Beziehung wohl auch meist immer mehr ein.

    Eine gute Kinderbetreuung ist oft schwer aufzutreiben und eine Tagesmutter kostet auch 800/900 Euro pro Monat.Eine Haushaltshilfe ist auch nicht kostenlos.
    Ich kenne die Argumentation von Müttern, dass sich die Arbeit dann nicht mehr lohnt, vor allem wenn man eh bloß noch halbtags arbeiten könnte (oftmals würde sich dann nicht mal der Weg dahin rentieren) und zu Hause ist auch noch Arbeit.
    Ich kann mir auch gut vorstellen, dass viele Mütter - wenn denn erst mal das Kind da ist - ein ein schlechtes Gewissen hätten, wenn die sofort wieder arbeiten gehen würden, auch wenn die sich das zuerst anders vorgestellt hätten.

  6. #5 Gast
    11.03.2011 20:07
    Streiche in deiner Frage einfach das Wort "Karriere" und ersetze es für "Beruf". Dann würde ich deine Frage ganz klar mit einem "Ja" beantworten.

    Bei der jüngeren Frauengeneration (nach 68er) denke ich schon dass die meisten Frauen auch ganz bewusst in der Anfangszeit als Mama voll für das Kind da sein wollen, jedoch mit der ganz klaren Perspektive später auch wieder beruflich aktiv zu werden.

    Ich denke das ist auch wichtig um einen Ausgleich zwischen Berufs- und Privatleben zu bekommen. Und ich denke - ja, wenn diese Auszeit dann eben keine "Superkarriere" mehr bedeutet können diese Frauen damit leben, jedoch eben nicht ganz ohne Beruf.

    Ich als Mann würde bspw. auch einen Teil der Elternzeit gerne in Anspruch nehmen, jedoch auch nicht voll auf meinen Beruf verzichten wollen. Warum also soll ich diesen "Gedankengang" Frauen nicht auch zugestehen?

    Es ist meines Erachtens eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe Frauen diese Möglichkeit auch voll zu eröffnen (Kinderbetreuung durch Firmen/Staat, Teilzeit, Homeoffice, flexible Arbeitszeiten etc.). Bis das jedoch voll umgesetzt und in den Köpfe aller verinnerlicht ist werden mindestens noch 10 Jahre vergehen.

  7. #6 Gast
    11.03.2011 20:19
    FS @ # 1

    Die Lage in Hamburg ist sicherlich anders. Eine klare Parallele sehe ich aber schon. Von den Berufen Deiner Müttergeneration ("Architektin, Mathematikerin, Lehrerin, mind. Bankkauffrau, Hebamme o.ä.") bot in dieser Generation nur einer ein gutes Potential für eine Karriere - das Architekturstudium.

    Bei den Ausbildungen der Töchtergeneration ist nur BWL unter Karrieregesichtspunkten vielversprechend. Die anderen ("Musik, Jura, Sprachen") sind eher Spaß-Studiengänge zur Selbstverwirklichung. Deine Außenhandelskauffrauen und Bankkauffrauen werden es absehbarerweise auch nicht weit bringen - die Mädels von der Schauspielschule schon gar nicht.

    Ich möchte aber wetten, in zehn Jahren wohnen trotzdem alle Deine Töchter ebenfalls in einem gutbürgerlichen Stadtteil von HH. Das Geld für die gutbürgerliche Existenz muss dann wohl vom Ehemann kommen. Wenn die Frau, die die Schauspielschule besucht hat, kann sie es sich schwerlich erlauben, auch noch nach unten zu heiraten.

    In HH ist das Problem wohl nicht so stark ausgeprägt. Die prinzipielle Mentalität der Frauen erscheint mir aber durchaus ähnlich, wie hier unten an der Schweitzer Grenze
    .

  8. #7 Gast
    11.03.2011 20:37
    Also Kind und arbeiten finde ich okay, Habe ich auch immer gemacht. Aber Teilzeit! Wieso sollte ich dann studieren? Mir war immer klar, dass ich Kinder wollte und dass ich mich beruflich einschränken würde. In einer anderen Unterhaltung schrieb eine Akademikerin, dass sie eine 30-Stunden-Woche ausübt und 1600 Euro netto erhält. Ich habe nie studiert und bekomme sogar noch etwas mehr in meiner 30-Stunden-Woche. Also, jeder kann seinen Weg gehen, ob mit Studium oder ohne und ich halte auch heute noch ein Studium für Frauen, die nicht gerade erst mit 40 Mutter werden wollen für ziemlich überflüssig. Da finde ich Berufserfahrung in einem anständigem Beruf eher von Vorteil.

  9. #8 Gast
    11.03.2011 20:45
    Hier noch einmal #1: Von den Müttern verdient die Mathematikerin sicher am Meisten, sie arbeitet sehr erfolgreich im IT-Bereich.

    Ich verdiene längst nicht so viel, lebe aber mit meinen Kindern nur von meinem Geld in dem Stadtteil. Zugegeben, nach der Trennung ist das Grundstück jetzt nicht mehr 1200 qm groß, und eine mörderisch beeindruckende Karriere habe ich auch nicht gemacht. Vielleicht wird das bei den Töchtern ähnlich sein, dass sie ihre Kinder auch wichtig nehmen und auf den Vorstandssitz verzichten.

    Aber sie werden nicht zu Hause verdoofen und wegen ein paar Euro Kinderbetreuung auf den Job verzichten müssen.

    Übrigens hatte die Schauspielschülerin schon zwei Engagements, obwohl sie die Schule noch nicht abgeschlossen hat. Die Frau hat Ausstrahlung, wer weiss, was daraus wird.

  10. #9 Gast
    11.03.2011 22:02
    @ 3 wieso glaubst Du, dass der FS selektiv wahrnimmt? Jeder hat eben so seine Sicht der Dinge. Du glaubst ja erstaunlicher Weise auch, dass die meisten Deiner Meinung sind und gerne bis zu 3 Jahren mit ihrem Kind zu Hause bleiben wollen.

    Meine Erfahrung ist da eine ganz andere. Die meisten Mütter, die ich kenne, wollen so schnell wie möglich zurück in den Beruf und machen das auch. Einerseits ist es finanziell häufig notwendig und andererseits sind allzu lange Auszeiten wirklich nicht förderlich für die Karriere. 6 Monate zu Hause bleiben ist da das höchste der Gefühle.

    Ich habe eher den Eindruck, dass diejenigen, die sowieso keine Karriere mehr machen, weil sie mit Mitte 30 erkannt haben, dass es leider nicht reicht, sich schnell ein Kind zulegen und dann ist das arme Kind dran schuld, dass es mit der Karriere leider nicht geklappt hat. Das Ego poliert man dann dadurch auf, dass alle arbeitenden Mütter, die Karriere machen "Rabenmütter" sind.

    Ich denke sehr wohl, dass man beides unter einen Hut bekommen kann. Ich kenne genug Beispiele. Ich habe hier bei EP übrigens den zukünftigen Vater meines Kindes kennengelernt. Der sieht das genauso wie ich. Wir kümmern uns gemeinsam um Kinderbetreuung und halten uns GEGENSEITIG den Rücken frei. Er will keine Frau, die zu Hause sitzt und ich möchte keinen Mann, der nicht weiß wie man eine Windel wechselt. So läuft das heute in einer echten Partnerschaft. GEMEINSAM agieren statt unterschiedliche Rollen verteilen. Alles ganz einfach. Man muss nur wollen. Ach ja, können muss man natürlich auch. Ist nix für Minderleister.... w 36

  11. #10 Gast
    11.03.2011 22:43
    Lieber FS,
    ich habe den Eindruck, dass deine Meinung bereits steht: Frauen orientieren sich nach oben, weil sie sich ab der Geburt des ersten Kindes gern auf Kosten des Mannes für den Rest ihres Lebens gemütlich einrichten wollen.

    Ich lebe mit meinen Kindern in der Nähe von Hamburg. Meine Tochter (13) hat aktuell einen Notendurchschnitt von 1,6. Sie ist damit recht unzufrieden, weil sie sich ein Stipendium an einer guten Uni in den Staaten organisieren will. Ziel: medizinische Forschung, sehr gern im Bereich Psychoneuroimmunologie. Sie besucht übrigens auch eine Schauspielschule und lernt Kung Fu.

    Ihre Freundinnen haben folgende Pläne: Eine möchte Richterin werden, eine Andere Schriftstellerin, eine Dritte denkt an Modedesign. Gut, sie sind noch keine Abiturientinnen, aber wer mit 13 schon so straight nach vorne denkt, wird sich von den Hormonen nicht ablenken lassen. Ich (selbständig) find's klasse.

    Zum Glück wollen die meisten Frauen noch Kinder haben, obwohl Kind und Karriere schwer zu vereinbaren sind. Aber dann zwanzig Jahre zu Hause bleiben, nach Abitur, Studium und einigen Jahren im Beruf, das wollen die wenigsten. Und wie ich im Forum gelesen habe, sprechen die Statistiken eine deutliche Sprache: Mehr als 20 % (die genaue Zahl habe ich nicht mehr im Kopf) der Väter übernehmen einen Teil der Elternzeit. Gut so! Kinder brauchen beide Elternteile. Und die Mütter brauchen einen Beruf, der sie absichert, ihnen finanzielle Freiräume schafft, sie stärkt und gemeinsam mit ihrem berufstätigen Mann wachsen lässt.

  12. #11 Gast
    11.03.2011 23:23
    FS @ # 10

    Mein Eindruck (aus dem RL wie aus diesem Forum) ist zugegebermaßen schon, dass Frauen gerne nach oben heiraten. Die materiellen Vorteile dieser Taktik auch sind nicht ganz von der Hand zu weißen.

    Worum es bei diesem Thread aber vor allem geht, ist aber ob (der Großteil) der Frauen wirklich ernsthaft Karriere und Kinder unter einen Hut bringen möchte. Aus dem RL und aus diesem Thread (jedoch nicht aus diesem Forum im Allgemeinen), habe ich den Eindruck, dass sehr viele Frauen dies gar nicht ernsthaft wollen.

    Grundprinzip scheint zu sein:
    In Bezug auf Studium und Berufswahl geht bei Frauen Selbstverwirklichung und Spaß vor Karriere oder Broterwerb. Eben dieses Muster kenne ich auch von meinen Abiturientinnen.

    Der nächste Schritt ist dann zweigleisig:

    Option I) Findet sich ein Mann, der die Frau versorgt, so werden Kinder kombiniert mit einer lockeren, spaßorientierten Berufstätigkeit ohne ernsthafte Karriereoption.

    Option II) Falls sich kein Mann findet, der die Frau ernährt, so muss sich die Frau selbst ernähren. Eine ledige, kinderlose Frau kann dies auch problemlos tun - selbst dann wenn ihre Berufsausbildung eher spaßorientiert der Selbstverwirklichung gedient hat. Jedoch bietet sich dann ebenfalls keine Aussicht auf eine Karriere.

    Wenn Du Dir Deine vier Mädels anschaust, fallen die ganz genau in dieses Verhaltensmuster - die Masse meiner Abiturientinnen übrigens auch. Forscherin, Richterin, Schriftstellering und Modedesignerin sind alles Berufe, bei denen die Ausbildung ein hohes Maß an Spaß und Selbstverwirklichung bietet. Die Chancen das berufliche Ziel aber auch wirklich zu erreichen und damit eine Familie zu ernähren, sind jedoch extrem gering.

    Die Chancen, dass eine von den vieren Medizin-Professorin wird oder die Nachfolge von Wolfgang Joop antritt, stehen nicht gut. Hungern wird aber auch keines von den Mädels - mit oder ohne Mann.

  13. #12 Gast
    12.03.2011 00:20
    Ich bin zwar schon aus dem letzten Jahrhundert, aber für mich war das nie eine Frage. Ich wollte meinen Beruf erlernen und habe studiert. Es war ja damals nicht klar, ob ich überhaupt einmal Mutter werden würde.
    Karriere war mir nicht sonderlich wichtig, mir war Beruf immer mehr Berufung und dafür muss man nicht Karriere machen.
    Ich habe dann später TZ gearbeitet und somit wäre eine Karriere eh nicht möglich gewesen.

    Ich bin übrigens auch Lehrerin und kann nicht sagen, dass Mädchen weniger wert auf ein gutes Studium legen. Aber auch ich kann bestätigen, dass Frauen ihre Berufe anders wählen als Jungs. Viele Jungs wollen einen Beruf ergreifen in dem sie viel verdienen, Mädchen eher einen Beruf, der sie interessiert.

  14. #13 Gast
    12.03.2011 10:24
    Hallo FS,

    bist du Lehrer? Ich bin froh, dass meine Tochter nicht so einen Lehrer wie dich hat.

    Du scheinst wirklich von deinem konservativen und katholischen Umfeld sehr geprägt zu sein.

    Ich lebe in Berlin und ich kenne das Phänomen, was du beschreibst nicht. Hier machen mehr junge Frauen bessere Abiture als die jungen Männer und die Anzahl der weiblichen Studenten an den Hochschulen steigen mehr, ist teilweise höher, als die Anzahl der männlichen Studenten.

    Verwundern tut es mich, dass du so wenig differenzierst, denn eigentlich hätte dir klar sein müssen, dass es in so einem Umfeld, wie du lebst, ländlich und katholisch, die Mädchen meistens anders drauf sind, als die Mädchen in einer Großstadt.

    Ich bitte auch die Anderen hier bitte nicht zu verallgemeinern. Es gibt einige Gegenden, wo es eine gute Kinderbetreuung gibt, sogar an den Unis und Hochschulen. Also stimmt dein Argument, #11, nicht, das gute Kinderbetreuung schwer aufzutreiben ist. Das man in München für einen Kita-Platz sehr viel Geld zahlen muss, ist ja bekannt, aber dementsprechend sind ja auch die Gehälter höher als in Berlin und anderen Städten.

    w 47

  15. #14
    12.03.2011 10:56
    wenn man sich ernsthaft überlegt, worauf die FS raus will, macht man sich Gedanken.
    ALLE wollen/sollen Karriere machen? Dann ist eine Karriere keine Karriere mehr, sondern Durchschnitt.

    Die Welt braucht nicht nur Häuptlinge, sondern auch Indianer.

  16. #15
    12.03.2011 12:13
    Ja, viele junge Frauen WOLLEN Kinder, Karriere und Familie, aber die ungünstige deutsche Gesetzgebung verhindert dieses, obwohl ein paar armselige Verbesserungen eingetreten sind.
    Solange Frauen nicht das volle Gehalt oder den vollen Lohn auch während ihres Mutterschaftsurlaubes ausbezahlt bekommen (wie man es in Skandinavien macht!), sind die jungen Frauen immer noch benachteiligt.
    Kindergeld und ähnliche Almosen belohnen doch nun wirklich nicht die gebärenden Frauen.
    Natürlich möchte eine Frau nicht sofort wieder arbeiten gehen, aber ein Jahr nach der Geburt ist es kein moralisches Verbrechen, das Kind zu einer vertrauenswürdigen (!) Tagesmutter oder in eine gute (!) Tagesstätte zu geben. Das Kind lernt, mit anderen Gleichaltrigen umzugehen und kann hervorragend stimuliert werden.
    Deutschen Müttern wird oft eingeredet, sie seien schlechte Mütter, wenn sie ihr Kind nicht selber lange Jahre betreuen. Das ist schade! Andere engagierte Betreuer können ergänzend zur Mutter auch dem Kind wertvolle Aspekte geben.
    Skandinavische Kinder sind auch nicht schlechter entwickelt als deutsche. Im Gegenteil weiß man, dass skandinavische wesentlich selbstbewusster, selbstständiger sind als deutsche. Skandinavische Studenten punkten nachweisbar international in ihrer Selbstständigkeit, was sie sehr weit bringt.
    Das Umdenken der Frauen in Richtung Kinder + Karriere wird noch lange andauern.
    Due jungen Mädchen sind in ihrer Ausbildung oft fleißig, engagiert und zielgerichteter als die Jungen, aber sie werden durch Umgebung, Eigenauffassung und Gesetzgebung oft daran gehindert, sich voll zu entfalten. Der Weg ist noch lang!!!

  17. #16 Gast
    12.03.2011 13:42
    FS @ # 13

    Ja, ich bin Lehrer. Du hast mich aber missverstanden. Ich habe in Posting 11 nicht meine Meinung dargestellt, sondern zusammengefasst, was ich von Frauen gehört hatte. Ich bin weder katholisch noch konservativ, auch stamme ich nicht aus dieser Region.

    Ansonsten ist die Situation hier aber durchaus ähnlich wie in Berlin:
    - Auch hier "machen mehr junge Frauen bessere Abiture als die jungen Männer".
    - Die Gymnasien werden zahlenmäßig von Mädchen dominiert.
    - Die Elite der Abiturienten wird ganz überwiegend von jungen Frauen gestellt.

    Dazu kommt, dass wir uns ins Zeug legen, um den Frauen das Studium schmackhaft zu machen (anders als Du es mir vorwirfst). Wir haben Vortragsreihen mit Professorinnen und Managerinnen.

    Trotzdem ist das Ende vom Lied:
    - Leistungsstarke Abiturientinnen studieren oft nicht.
    - Gerade die extrem leistungsstarken Frauen studieren an der Berufsakademie (3 Jahre, davon 1,5 Jahre Theorieanteil). Gutes Zureden hilft nichts, sie wollen einfach nicht an die Universität.
    - Auch bei uns ist die "Anzahl der weiblichen Studenten ... teilweise höher, als die Anzahl der männlichen Studenten." Das sind dann aber leider Fächern wie Soziologie, Linguistik und andere Selbstverwirklichungs-Studiengängen ohne berufliche Perspektive.

    Wer ist Schuld an der Misere? Beim Schulwesen im Allgemeinen und bei mir im Besonderen liegt das Verschulden sicherlich nicht. Solange wir die Mädchen unter unseren Fittichen haben, läuft das ja ausgesprochen vernünftig. An der Kinderbetreuung liegt es auch nicht. Die gibt es inzwischen selbst bei uns (sogar an der Uni).

    Mir scheint schon ganz klar: Schuld am Problem sind die Frauen. Wer glaubt, einen Zahnarzt zu heiraten sei besser, als Zahnmedizin zu studieren, der wird es absehbarerweise nicht weit bringen.

  18. #17 Gast
    12.03.2011 18:48
    @ FS: Es gibt nicht nur viele Studentinnen in den "Selbstverwirklichungs-Studiengängen", auch in Zahnmedizin und Humanmedizin ist der Frauenanteil deutlich höher (außerdem finde ich die Bezeichnung "Selbstverwirklichungsstudiengang" unpassend, ein Studium ist für gewöhnlich immer Selbstverwirklichung).

  19. #18 Gast
    12.03.2011 19:58
    @FS (11) Inwiefern ist der Berufswunsch "Richterin" spassorientiert? Voraussetzung ist da doch erst mal ein Jurastudium und das ist ganz gwiss nicht spassorientiert.

  20. #19 Gast
    12.03.2011 20:03
    Ich , selber weiblich, nehme das auch sehr deutlich wahr, dass die Karriereziele von Frauen irgendwann in einer Ausfahrt münden.
    Ich habe weniger mit Abiturientinnen zu tun, aber mit Studiumabsolventinnen, und dabei ist es egal, ob Uni oder FH. Sobald Heirat und 1. Kind in der Lebensplanung anstehen, verändern sich hierzulande sehr oft die Karrierewünsche/ -pläne von Frauen. Die Familie bekommt ein sehr großes Gewicht. Nicht, dass ich das nicht verstehen kann, aber ich muss sagen, dass es mich in manchen Fällen ratlos macht. Denn ich rede manchmal gegen die Wand an, wenn die Frauen vor mir sitzen.
    Ich begleite als Führungskraft Frauenführungsprogramme und es ist trotz Motivation, Weiterbildung und Karriereförderung so, dass die Frauen den eingeschlagenen Weg dann doch wieder verlassen.
    Die einen ändern ihre Haltung, wenn das 1. Kind gekommen ist, dann wollen sie plötzlich lieber nur noch Teilzeit arbeiten, lehnen weitere Fortbildungen oder Entwicklungen aus zeitlichen Gründen ab.
    Andere hingegen ändern ihre Karrierepläne, wenn es auf dem Weg nach oben Probleme mit männlichen Konkurrenten gibt. Es ist nun mal so, dass es ohne das eine oder andere Hindernis nicht nach oben geht. Und fast keine Frau, die ich im Job in den letzten 10 Jahren begleitet habe, hat sich den schweren Phasen im Job mittelfristig stellen wollen. Und viele dieser Frauen wählen dann den Plan B (= Baby) - und genaus so wie es hier schon beschrieben wurde, wird das Kind dann als Grund dafür genannt, dass es nicht mehr weiter ging. Und in mindestens 50% der Fälle ist das vorgeschoben, um sich dem Stress im Job legitim wieder entziehen zu können. Dabei war es eigentlich umgekehrt.

    Gerade gestern hatte ich wieder mal mit einer Mitarbeiterin ein sehr intensives Gespräch.
    Sie ist vor 1,5 Jahren nach 1 Jahr Erziehungsurlaub wieder zurück in den Job gekommen. Ich wollte sie schon damals, da sie fachlich besser als ihr jetziger Vorgesetzter ist, auf dessen Stuhl manövrieren. Sie sollte sich durch die erfolgreiche Durchsetzung einer bestimmten Aufgabe behaupten, um diesen Schritt auch durchsetzen zu können. Wie erwartet hat ihr Vorgesetzter sich auf die Hinterbeine gestellt, um seine Position zu behaupten. Ich habe ihr wirklich den Weg geebnet, sie sehr unterstützt. Aber sie war dem Stress nicht gewachsen, was wiederum erforderlich ist als TOP-Führungskraft. Es gab einige Wortwechsel zwischen ihr und dem Kollegen, es bagann damit , dass sie bestimmte Aufgaben abgelehnt hat und dann hat sie vor einem 3/4 Jahr und um Arbeitszeitreduzierung auf 50% gebeten und das mit Familiennöten begründet. Es wurde ihr gestattet.
    Am gestrigen Freitag wollte ich ihre weitere Karriere noch einmal mit ihr besprechen, ahbeihr Perspektiven aufgezeigt, aber auch erörtert, dass das nicht ganz ohne Stress gehen wird, aber es würde sihc lohnen auch finanziell. Leider war das Gespräch dann sehr schnell zwecklos. Sie hat alles in Richtung Aufstieg aufgegeben, mit knapp 35. Und das obwohl ihr schon wiederholt Wege geebnet worden sind. Sie ist dabei dann aber auch nicht zufrieden mit ihrem beruflichen Dasein, im Gegenteil. Sie ist sehr frustriert und bejammert alles, will aber aus eigener Kraft nichts mehr ändern. Was will man da machen?!
    Nun habe ich sie nun am Freitag entgültig aus dem Programm genommen. Denn egal, ob w oder m, Fürhungspositionen erfordern nicht nur fachliche Qualifikation, sondern auch persönliche Eignung. Und da hapert es dann bei Frauen doch häufiger, als bei Männern. Und das enttäuscht gerade mich mehr als alle anderen. Denn ich versuche als einzige Frau in der Unternehmensleitung mit Hochdruck die Frauenquote in den oberne Führungsebenen in unserem Unternehmen anzuheben. Und das gelingt leider nicht, wenn Frauen zu schnell den Rückwärtsgang einlegen, sobald sie Phasen von Unzufriedenheit erleben. Männer haben dagegen keinen Plan Baby, sie müssen es einfach auf Biegen und Brechen durchziehen - und halten daher offenbar auch mehr aus.

  21. #20 Gast
    12.03.2011 20:09
    @ FS. Meiner Meinung nach sollte bei der Studien-/Berufswahl nicht nur die Karrieremöglichkeit bedacht werden, sondern der Studiengang und spätere mögliche Beruf sollte den Frauen und Männern später dann auch "Spass" machen.
    Nicht jeder möchte Manager eines großen Konzerns werden (nur mal so als Beispiel). Was nützt die tollste Karriere in einem ungeliebten Beruf?
    Wenn also eine junge Frau beispielsweise "nur" Sprachen studiert und dann Lehrerin wird und den Beruf gerne ausübt und sich in ihrem Leben wohl fühlt, dann ist es zwar keine "Karriere", so wie du es verstehst, aber sie hat doch dann für sich und ihre Kinder ihr finanzielles Auskommen, ganz egal ob sie nach oben, nach unten oder überhaupt nicht heiratet.

  22. 12.03.2011 22:42
    Ich war gerade im Urlaub und habe dort das Buch von Bascha Mika gelesen, welches vielen Frauen Feigheit und Unselbständigkeit vorwirft. Ich gehe mit dem Inhalt des Buches konform, obwohl ich mich persönlich in keinster Weise angesprochen fühle.

    Die These des FS kann ich auch beim besten Willen nicht bestätigen. Weder kenne ich Frauen in meinem Bekanntenkreis, die nach oben heiraten wollen, noch kenne ich Frauen, die NICHT mit Kind arbeiten wollen. Es ist einfach selbstverständlich und normal. Eine Tagesmutter kostet hier genauso viel wie ein Platz im Kindergarten, um die 150 Euro im Monat.

    Ich möchte doch auch bitte auf eine dringend notwendige Trennung von "Beruf" und "Karriere" dringen. Karriere im engeren Sinne kann rein statistisch nur ein geringer Prozentsatz machen, auch nur ein geringer Prozentsatz hat das Zeug dazu. Die meisten sind schon froh, wenn sie Beruf und Familie zeitlich auf die Reihe kriegen.

    Ich kann manche Frauen auch nicht verstehen. Wenn ich ein Würstchen vor die Nase gehalten bekommen würde (siehe Posting 19), würde ich sofort danach schnappen.

  23. #22 Gast
    12.03.2011 23:01
    Ich möchte in meinem Beruf erfolgreich und gut sein, Karriere strebe ich nicht an, nehme sie aber gern mit, wenn mir noch genug Zeit für andere Dinge bleibt.

    Auch wenn man studiert hat, muss man nicht Karriere machen. Mit meinem ersten Studium im Ingenieurwesen, bin ich nicht glücklich geworden, jetzt studiere ich das was ich schon immer machen wollte. Kein typischer Frauenberuf, aber die Frauen holen stark auf. Es macht mir Spass und ich bin glücklich damit.

    Ein Kind ist nicht ausgeschlossen, der teils praktizierte Berufsausstieg dafür schon. w

  24. #23 Gast
    12.03.2011 23:44
    FS @ # 17

    Freilich ist es eine gute Sache, wenn Frauen Medizin studieren. Ich habe nicht gesagt, dass ALLE Frauen brotlose Orchideenfächer studieren. Einen Trend in diese Richtung gibt es aber auf alle Fälle.


    FS @ #18

    Am Berufswunsch "Richterin" kann man sehr gut das Problem erkennen, das junge Frauen bei der Berufswahl haben.

    Wenn sich eine Abiturientin für ein Studium interessiert, trifft sie die Wahl des Studienfachs oft gänzlich ohne jede vernünftige Überlegung oder fundierte Recherche.

    Meist finden es Schülerinnen ganz interessant, wenn im Unterricht rechtliche Aspekte behandelt werden. Dann schreiben sie sich für Jura ein, in der Meinung, das sei so locker und lebendig wie in der Schule. An der Uni fallen sie fix auf die Nase, weil Jura höllisch trocken ist.

    Das zweite Problem ist, dass die Wahl des Studienfachs erfolgt, ohne dass die daraus resultierenden beruflichen Perspektiven in die Erwägungen eingehen. Vom Prinzip her dient das Jurastudium dazu, die Befähigung für das Richteramt zu erwerben. Aber nur ein verschwindend geringer Prozentsatz der Juristen schafft es, eine Richterstelle zu ergattern. Juristen - vor allem solche ohne Prädikatsexamen - haben auf dem Arbeitsmarkt gar kein leichtes Leben.

    Es gibt natürlich auch Männer, die Jura studieren. Die stolpern aber normalerweise nicht so planlos in das Studium hinein, ohne Studieninhalte und berufliche Risiken zu kennen.

  25. #24 Gast
    13.03.2011 00:32
    Der Widerspruch kommt allein daher, dass hier vorwiegend studierte Frauen unterwegs sind und ihre Erwartungen vom Leben in Bezug auf Beruf einfach andere sind als bei der Durchschnittsfrau.

    Ich kann nur für mich sprechen: Karriere ist uninteressant. Man kann einfach nicht von der Hand weisen, dass Karriere so wie sie sich momentan in der Wirtschaft gestaltet ein Männerding ist. Ja, es gibt Frauen die das auch mitmachen und ja es werden mehr. Aber der Drang sich mit anderen zu messen scheint Männer weit öfter zu treiben als Frauen. Du beschwerst dich, dass Frauen eher zu "Spassstudien" greifen. Jammer Jammer, Frauen neigen dazu etwas zu lernen das sie auch interessiert und das Freude macht. Ist das Neid? Auf biegen und brechen versuchst du junge Frauen für gewisse Studiengänge zu begeistern und oh Schreck es interessiert sie nicht. Ist es so schwer das zu akzeptieren? Wieso muss man Frauen denn so zwanghaft in eine gewisse Richtung pressen nur weil die moderne Welt sagt das müsse nun so sein. Wenn Frau sowas lernen will dann wird sie es schon tun.

    Karriere= 50+ Stunden/ Woche, ständige Verteidigung der eigenen Position, kaum noch Privatleben, erfordert oft eine hohe Reisebereitschaft, ständiger Leistungsdruck. Wieso genau sollte man das so anstreben? Wegen der Kohle? Es gibt noch Menschen auf dieser Welt die ihre Lebenslust nicht aus dem Konsum ziehen und statusgeil sind.

    Was hast du für eine Erwartungshaltung? " Wenn wir schon dafür sorgen, dass Frauen Karriere machen können, dann sollen sie sie gefälligst auch machen" ? Tut mir Leid, dass ich dich aufwecken muss: die Zeit wo Frauen nach der Männerpfeife tanzen ist vorbei, auch wenn der Pfiff unterm Deckmantel der Gleichberechtigung daherkommt.

  26. 13.03.2011 01:15
    @24: Gut und schön. Wovon lebst Du?

    Man sollte einen Beruf haben, der einen interessiert und davon leben können. Nicht alle Berufe haben die Möglichkeit einer Karriere, z.B. Selbständige. Wenn mir ein Beruf Spaß macht, mache ich ihn auch gut und dann will ich auch die Beste sein.
    Ich kann Frauen nicht ausstehen, die sich von Männern abhängig machen (umgedreht selbstverständlich auch).

  27. #26 Gast
    13.03.2011 08:14
    Ich denke, dass diejenigen Frauen, die in ihrem Beruf und den Arbeitsbedingungen wirklich zufrieden sind, die jeden Tag gerne in die Arbeit gehen, am wenigsten bereit sind, wegen Kindern diese Tätigkeit aufzugeben. Unabhängig davon, ob sie nun Karriere machen oder einfach nur ihren Beruf ausüben. Da wird eher der Kinderwunsch noch aufgeschoben oder eben die Kombination von Kind UND Beruf praktiziert. Im Bekannten- und Verwandtenkreis kenne ich nur solche Frauen -spätestens nach 6 Monaten waren sie wieder voll berufstätig. Da scheint sich bei den jüngeren und gut ausgebildeten Frauen wirklich was zu ändern, was mich sehr freut. Sie haben aber auch alle den vollen Rückhalt und Unterstützung ihrer Männer, die sich mit Selbstverständlichkeit für Haushalt u. Kind verantwortlich fühlen. Das dürfte einer der Knackpunkte für die Berufsentscheidung statt Hausmütterchen-Dasein sein.

    Den anderen Frauentyp hat #19 gut beschrieben... unzufrieden im Beruf, wenig ehrgeizig, wenig durchsetzung- und konfliktfähig. Da wird der Beruf dann wirklich nur zum Brötchenverdienen ausgeübt und Plan Baby ist der grosse, gesellschaftlich ach so anerkannte Fluchtweg aus dem ungeliebten Job. Gerade die neokonservativen Strömungen der letzten Jahre mit "Rabenmütter-Vorwürfen" und der Überbetonung jahrelanger Kinderbetreuung ausschliesslich durch die Mütter unterstützen diese Denke. Die ist aber auch ein gewisser Teufelskreis, denn eine Frau mit Plan B denkt oft schon Jahre vorher "ich höre ja eh bald wegen Kindern auf zu arbeiten, was soll ich mich im Job noch einsetzen" und entsprechend mäßig wird ihr Job dann auch laufen.

    Ich habe das übrigens an mir selbst -die ich nie einen ausgeprägten Kinderwunsch hatte- beobachtet. Ausgerechnet in zwei Phasen mit hoher Unzufriedenheit im Beruf und fehlender Perspektive, mit der Vorstellung in Kopf "ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, diesen Sch...job noch bis zur Rente zu machen!" habe ich jeweils dringensten Kinderwunsch bekommen (mit 34 und 38 Jahren).
    Die Vorstellung war traumhaft und verlockend: "dann bin ich ja daheim und weiß die nächsten Jahre, wie mein Leben aussieht, dann verläuft es in vorgegebenen, festen und sichern Bahnen und iiiiiirgendwann kann ich ja ein bißchen Teilzeit wieder arbeiten, wenn ich was Interessantes finde!
    Natürlich habe ich diese Hintergründe meines Kinderwunsches nie den (potentiellen) Vätern offengelegt, sondern im Gegenteil sogar betont, wie wichtig mir mein Beruf sei und dass ich trotz Kind immer berufstätig bleiben wolle. Im Nachhinein bin ich gottfroh, dass ich keinen passenden Vater gefunden und den Kinderwunsch nicht realisiert habe, denn ich arbeite mit Begeisterung in einem absoluten Traumjob, nur noch ca. 70%, da sehr lukrativ und habe eine ausgezeichnete Lebensqualität. Mit Kindern wäre diese Untersparte der Medizin wegen 24-h-Diensten nicht machbar gewesen.
    Männern kann ich nur empfehlen, bei Frauen mit Kinderwunsch sehr genau hinzusehen, ob die Auserwählte im Beruf zufrieden oder unzufrieden ist. Bei unzufriedenen Frauen sehe ich die Gefahr als sehr hoch an, dass sie nach einer Plan-B-Kinderpause nie mehr in die Berufstätigkeit zurückkehren...

    w49

  28. #27 Gast
    13.03.2011 08:56
    Lieber Fragesteller, hierzu kann ich auch nur Vermutungen anstellen, weil die wirklichen Beweggründe von Menschen ja oft (für sie selbst und für Außenstehende) im Dunkeln liegen.
    Eine Erklärung wäre, dass diese Mädchen keine akademisch gebildete, berufstätige Mutter als Vorbild haben. Obwohl "Kinder" oft alles anders machen wollen als ihre Eltern, gehen sie dann doch meist den gleichen/ähnlichen Weg.
    In einem konservativ geprägten und/oder ländlichen Umfeld ist es sicherlich schwerer berufstätige Mutter zu sein als zu Hause zu bleiben und mit den Nachbarinnen vormittags Kaffee zu trinken. ;-) Auch die gesellschaftliche Akzeptanz von berfustätigen Müttern ist vermutlich geringer.
    Meine Beobachtung ist auch, dass sich mittlerweile gerade wohlhabende/kultivierte Familien für mehr als 1-2 Kinder entscheiden. In meinem näheren Umfeld haben solche Familien eher 4-5 (äußerst wohl erzogene und außerordentlich gut geförderte) Kinder. Bei dieser Kinderzahl ist es dann selbst mit professioneller Unterstützung schwierig, wenn beide Elternteile berufstätig sind.

    Nun, dann kommt vielleicht noch hinzu, obwohl ich das wirklich nicht gerne schreibe und es mir als kinderloser Frau vielleicht auch nicht zusteht: Die Berufswelt ist in den vergangenen Jahren enorm brutal geworden. Für zu wenig Geld muss heutzutage fast jeder Arbeitnehmer das Arbeitspensum mehrerer Angestellter bewältigen. Evtl. wirkt auch das abschreckend.

    Was ich sehr unangenehm daran finde, wenn sich diese Mädchen/Frauen in eine solche Abhängigkeit begeben ist, dass in ein paar Jahren nach der Scheidung vermutlich einige von ihnen in Hartz IV leben werden und die Allgemeinheit es bezahlen muss, obwohl die Mädchen/Frauen eine bessere Wahl hätten treffen können.

    w/48

  29. #28 Gast
    13.03.2011 09:05
    Hier die #10:

    Ich frage mal anders herum: Wollen die Männer überhaupt eine Frau, die Karriere machen möchte, und gemeinsame Kinder unter einen Hut bringen?

    Hast du eine Tochter?

    Was würdest du ihr empfehlen, wenn sie Physikerin / Logistikmanagerin / Immobilienprojektentwicklerin werden wollte UND Mutter? Was würdest du ihr zur Vereinbarkeit von Familie und Karriere sagen, und was würdest du ihrem Mann raten?

    Zu deiner Bewertung der Wunschberufe meiner Tochter und der Freundinnen: Sie sind 13, und ich finde es bemerkenswert, wenn 13jährige schon unterscheiden zwischen "Anwalt" und "Richter" oder nicht nur sagen, sie wollen in die Forschung gehen, sondern sehr konrekt benennen können, was sie interessiert. Meine Tochter möchte auch bei "Jugend forscht" teilnehmen und bemüht sich gerade, ihre Biolehrerin hiervon zu überzeugen.

    Zum Schauspielunterricht: Den kann ich jedem schüchternen Kind nur wärmstens empfehlen. Im Berufsleben - und insbesondere in Berufen, die eine Karriere ermöglichen - muss man immer präsentieren. Selbstsicheres Auftreten ist da nur von Vorteil. Sogar mein 16jähriger Sohn war ein Jahr lang in einer Theatergruppe, um das Auftreten in der Öffentlichkeit zu üben. Hat ihm sehr geholfen. Der weiß übrigens bis heute nicht so recht, was er machen möchte, und seine Freunde auch nicht - alle sind im Gymnasium, Klasse 11, es wird also so allmählich mal Zeit. Viele Jungs in diesem Alter haben die grobe Idee, dass sie BWL studieren wollen. Branche, konkretere Ziele, Schwerpunkt - sie haben keine Ahnung.

    Ach ja, BWL: Mehr als 50 % der Studenten sind weiblich. Insofern hinkt deine These, dass die Mädchen eher Spaßstudiengänge wählen.

    Überlege doch mal, woran es liegt, dass deine sehr guten Abiturientinnen keinen beruflichen Ehrgeiz entwickeln. Vielleicht sehen sie ja in ihrem Alltag nur Negativbeispiele: die Mütter sind zu Hause, und wenn sie berufstätig sind, dann ist es hier in Deutschland sehr schwer, Beruf und Familie zu vereinbaren, besonders, wenn die Kinder klein sind. Karriere bedeutet: mit 40 Stunden bist du noch lange nicht fertig. Deine Wochenarbeitszeit beträgt eher 50 - 60 Stunden. Du reist. Also mal andere Frage: Welcher Vater will das denn mitmachen? Ich habe die Beiträge hier im Forum auch studiert. Fazit: Viele Männer wollen keine Frau, die beruflich sehr erfolgreich ist. Sie wollen eine jüngere, studierte Frau, die Kinder bekommt und die ersten Jahre zu Hause bleibt. Damit ist das Thema Karriere aber für diese Frauen beendet.

    Vielleicht ist die Entscheidung, die Frauen in Deutschland treffen müssen, nicht die zwischen Kind und Karriere, sondern die zwischen Mann und Karriere. Kinder können wir alle bekommen, mit oder ohne Mann an unserer Seite.

  30. #29 Gast
    13.03.2011 09:22
    #19

    Sehr interessant deine Zeilen. Schade, dass ich an dich nicht geraten bin, aber dafür bin ich wohl zu alt .-).

    Vielleicht haben die jungen, gut qualifizierten, Frauen inzwischen auch Angst vor den Konsequenzen, wenn sie deinen Weg einschlagen. Die Konsequenzen, dass die Beziehung kaputt gehen könnte, weil es ja allgemein bekannt ist, dass Frauen mit Erfolg im Beruf es in Beziehungsfragen oft schwerer haben, als Frauen, die auf einer "gesunden" Ebene stehen bleiben?

    Vielleicht hat die Frau während der vergangenen Erziehungszeit gemerkt, dass der Kindesvater der Problematik des Vaterseins und den damit verbundenen Pflichten doch nicht so gewachsen ist, dass sie in Ruhe jetzt an ihrer Karriere arbeiten könnte? Das wird sie dir natürlich nicht im Detail erzählen.

    Ich weis nicht, ob du selber Kinder hast? Aber so ein Kind kann vieles in dein Einstellungen ändern, wenn es erstmal da ist. Das sieht die Realität plötzlich ganz anders aus, was auch leider oft negative Auswirkungen auf die Beziehung zwischen den Eltern hat.

    Wenn der Kindesvater sich plötzlich quer stellt, oder sogar subtil vermittelt, dass er sich trennenw ird, wenn die Frau Karriere macht, dann ist die junge Frau in einer starken Zwickmühle und wird sich natur gemäß lieber für die Familie und das Kind entscheiden. Ist für mich als Studierte, die jetzt in einem normalen Bürojob arbeitetn, wo man nicht studiert haben muss, nachvollziehbar. Mein Leben als AE mit Kind ist viel ruhiger, verdienen tue ich für meine TZ auch nicht schlecht und auch meine Lebensqualität ist besser, als wenn ich als Studierte Karriere gemacht hätte. Karriere ja, aber nicht um jeden Preis.

    Solange wir in Deutschland noch solche Frauenfeindlichen Bedingungen haben, kann ich junge Frauen doch irgendwie verstehen, gerade die, die Kinder wollen, dass sie sich für das Kind und die Familie entscheiden. Es gibt ja schlieslich noch genug Frauen, die studiert haben, inzwischen an die 40zig oder über 40zig sind, keine Kinder haben und dementsprechend die Bedingungen mitbringen, um Karriere zu machen.

    w 47

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