1. Frage:
    Gefragt am: 31.03.2011, 17:58 von Gast
    Wie führt man ein "gutes" Beziehungsgespräch, wenn es dabei um eine gemeinsame(?) Zukunft geht?
    Ihr könnt mich für naiv halten, aber leider habe ich in solchen Dingen kaum Erfahrung, da ich erst eine sehr langjährige Beziehung hatte. Deswegen meine Frage. Mit meinem jetzigen Partner(45) bin ich fast ein Jahr in einer Fernbeziehung zusammen. Wir verstehen uns gut, aber ich wünsche mir langfristig mehr gemeinsame Zeit. So wie es z.Z. ist, ist es mir zu wenig. Das Nähe-Distanz Verhältnis ist bei uns ziemlich unterschiedlich! Langsam ist bei mir der Punkt erreicht, wo ich die Beziehung so nicht mehr führen kann und möchte. Ich fühle mich nicht gut dabei. Mit meinen Partner möchte ich nun darüber reden und ihm das deutlich machen. Welche Tipps habt Ihr da für mich? Danke schonmal! w, 49
    Antworten:
  2. #1
    31.03.2011 20:43
    Für eine detailliertere Antwort wären mehr Informationen zu eurer Fernbeziehung nötig, z.B. wie weit ihr auseinander wohnt, wie oft, bei welchen Gelegenheiten und wie lange ihr euch seht, ob du das Thema schon mal angesprochen hast, wie er sich bisher geäußert hat.
    Tipps fürs Gespräch:
    Keine Vorwürfe. Keine Vorwürfe. Keine Vorwürfe.
    Ich-Botschaften. Möglichst solche, die keine versteckten "Du bist schuld"-Botschaften sind.
    Freundliche, ruhige Atmosphäre.
    Und frag' ihn nach seinen Vorstellungen, nach seiner Idee von eurer Beziehung. Du weißt ja, was du willst. Das kannst du formulieren. Was will er? Das musst du rausfinden.

  3. #2 Gast
    31.03.2011 20:57
    Sag ihm doch einfach, dass du damit nicht so ganz glücklich bist und frage ihn, wie es ihm damit geht? Ob er Möglichkeiten sehen könnte, dass ihr euch in absehbarer Zeit öfter seht oder nicht?

  4. #3 Gast
    31.03.2011 21:17
    Wir wohnen 350 km von einander entfernt und wir sehen uns ungefähr 1-2 mal im Monat,
    dann für 5-6 Tage.
    Das ist meistens harmonisch und schön.
    Das Thema Beziehung hab ich 1-2 mal eingebracht, habe aber in Bezug auf eine gemeinsame Perspektive nur vage Antworten von ihm bekommen.
    Wie kann ich dieses Thema am besten ansprechen, so dass sich dadurch ein konstruktives Gespräch ergibt?
    FS

  5. 31.03.2011 21:35
    Direkt, einfach nur direkt! Die Sprache wurde uns gegeben, damit wir sie nutzen.

    Sag, dass du eine ernste Unterhaltung möchtest und wissen musst, wo du/ihr steht; wie er sich die Zukunft vorstellt bzw. ob ihr überhaupt eine habt.

    Das ist auf keinen Fall Unrecht, nach ca. 1 Jahr - zumindest tendentiell - eine Antwort zu erwarten.

    Falls er sich als gesprächsresistent erweist, musst du dir wohl die Frage stellen, wei lange und wie weit du ihm da entgegen kommen willst.

    Was du unbedingt vermeiden musst, das ist die Mitleidsmasche (Tränen etc.). Da sind die meisten Männer allergisch und ich kann das gut verstehen. Das sind unfaire Spielchen und unreif. Rede lieb, ruhig - aber nachdrücklich mit ihm.

    Wirklich raten, kann man dir aber nicht effektiv. Jeder Mensch ist anders und du musst am besten wissen, wie du mit ihm umgehen kannst. Sicher ist nur, dass indirekte Andeutungen selten zielführend sind und meist auch noch Missverständnisse erzeugen.

  6. #5
    31.03.2011 23:13
    OK, das ist schon eine echte Fernbeziehung.
    Und was das "wie" angeht, kann ich Angeline nur recht geben. Wenn er bis jetzt in Bezug auf die Beziehungsfrage nur ausweichende Antworten gegeben hat, dann stellt sich die Frage, warum. Will er vielleicht keine?
    Ich würde ihn einfach offen, deutlich und nachdrücklich danach fragen, wie er sich eure Zukunft vorstellt. Du kannst ihm ja Bedenkzeit geben, aber irgendwann sollte er mal eine Idee davon haben. Sonst kannst du vielleicht viel von Perspektive reden, und am Ende habt ihr gar keine.

  7. #6 Gast
    01.04.2011 07:25
    Die Frage, die du dir stellen musst ist doch auch, hast du für dich eine Lösung? Ziehst du dann zu ihm, wenn der Wunsch nach Zusammenziehen schon von dir ausgeht? Immerhin seid ihr nicht mehr 25 und packt einfach die Studentenbude-Bananenkisten zusammen und zieht um. Du hast Job, Whg/Haus, Freunde - das will wohl überlegt sein, nach 1 Jahr Beziehung alles aufzugeben. Auch spielen hier ganz arg die Hintergründe seines Lebens, seiner Beziehungen, seiner Beziehungsenden mit. Ist er geschieden, hat er Kinder, wurde er betrogen und verlassen - in letzterem Fall wird er nicht so schnell mit dir zusammenziehen wollen, weil er ganz viel Vertrauen braucht, um diesen Schritt überhaupt zu geben, oftmals jedoch noch nicht nach 1 Jahr. Hinterfrage seine Hintergründe und überlege dir, wie forsch du ran gehst. Könnte auch sein, dass der Schuss jetzt nach hinten los geht.

  8. #7 Gast
    01.04.2011 08:17
    zu #6
    Ja, mein Freund wurde von seinen letzten beiden Beziehungen betrogen.
    Das war auch der Grund für das AUS 2003.
    Seitdem hatte er keine Freundin bzw. eine Affaire oder ONS, bis er mich dann 2010 kennenlernte.
    Er ist nicht geschieden und hat auch keine Kinder.
    Zu seiner letzten EX hat er noch immer einen freundschaftlichen Kontakt per mail, oder sie telefonieren manchmal.
    Sie wohnt in der Schweiz.

    Zusammenziehen ist nicht unbedingt meine erste Option,
    was eine gemeinsame Zukunft angeht.
    Da will ich auf keinen Fall zu forsch ein, da mein Freund ein sehr sensibler Mensch ist, sondern mir würde schon ein besseres, sicheres Zusammengehörigkeitsgefühl reichen - und dann mal sehen, was sich ergibt - Schritt für Schritt sozusagen.
    So wie die Beziehung im Moment läuft, ist es mir zu "unverbindlich",
    da mir einige Gemeinsamkeiten , z.B. im Alltag fehlen.


    Danke für all Eure interessanten und sehr hilfreichen Postings!!
    FS

  9. #8 Gast
    01.04.2011 08:48
    @7 - da hast du die Antwort - auch noch gleich 2 x betrogen - da musst du Samthandschuhe nehmen und sehr behutsam vorgehen. Alles andere lässt ihn zurückschrecken und alles abbrechen. Ich habe auch so ein Exemplar - toller Mann, doch leider an die falschen Frauen geraten, die ihn in diesem Punkt versaut haben. Es braucht viel Liebe und Geduld deinerseits - doch wenn er es dir wert ist, kann eine Beziehung daraus werden. Du musst jedoch auch warten können und Rückschläge, die nicht dir persönlich sondern seinen Erfahrungen geschuldet sind, ertragen können. Gruß 6

  10. #9 Gast
    01.04.2011 08:58
    Es gibt gute Bücher, wo Empfehlungen gegeben werden, wie man auch in solchen Dingen am besten mit dem Gegenüber spricht.

    Am besten in der ICH-Form und: Ich habe eine Frage an dich und würde mich freuen, wenn du sie mir schnell beantworten kannst. Ich bitte dich.., ich wünsche mir von dir..., was denkst du darüber, wie siehst du das.... , habe ich dich richtig verstanden, dass du das so uns so siehst... usw.

    FS, kannst du mit diesen Sätzen was anfangen?

    Ansonsten empfehle ich noch das Buch:

    Die Wahrheit beginnt zu zweit.... leicht im Internet zu finden.

    w 47

  11. #10 Gast
    01.04.2011 09:18
    @9
    Danke für den Buchtipp!

    Ich hatte es mir mal vor ungefähr 20 Jahren gekauft.
    Dieses Buch von Lukas Moeller steht irgendwo bei mir im Bücheregal,
    werde es suchen und nochmal lesen.

  12. #11
    01.04.2011 10:08
    Es wird immer schwierig, wenn nur einer der beiden unter dieser Situation leidet.
    Eventuell ist ihm dieses (noch) distanziertes Verhältnis im Moment eher noch angenehm!

    Erst fast ein Jahr? Das ist nicht viel, und da bei euch keine Familiengründung mit Kindern ansteht, ist eigentlich objektiv keine Eile geboten.
    Da du ja bereits heraus gefunden hast, wie er eure Situation sieht, kannst du nur darauf bauen, dass er deine Gefühle versteht und zu einem ernsthaften Gespräch über eine gemeinsame Zukunft bereit ist.

    "Langsam ist bei mir der Punkt erreicht, wo ich die Beziehung so nicht mehr führen kann und möchte.
    Ich fühle mich nicht gut dabei.", schreibst du uns hier.

    GENAU SO kannst du es auch ihm sagen, falls du es tatsächlich so rigoros fühlst. Jedoch stellst du ihm damit gleichzeitig ein Ultimatum, und so etwas kann natürlich auch immer total schief gehen!

  13. #12 Gast
    01.04.2011 13:51
    liebe FS:
    ich habe das selbst ausgiebig erlebt und gelebt, ich schreibe dir jetzt aus der sicht deines freundes, da ich, männlich, dasselbe erlebt habe wie er, einige frauen ähnliches spüren hab lassen was du jetzt verspürst.
    ich hatte auch distanzbeziehungen (nach der ehe, und das ist vermutlich kein zufall) und kann gut nachvollziehen, dass die mehr oder weniger verbindlichkeit nicht an der distanz liegt (verbindlichkeit geht auch über distanz!). Kennst du das: keine gemeinsame planung über einen horizont länger als 2 monate (z.b. Urlaub, Ausflüge), keine spuren werden hinterlassen (tschüs, wir sehen uns in 4 wochen, nicht mal eine unterhose wird vergessen, geschweige denn eine kleine gardarobe beim distanzpartner...). Ich habe mich so verhalten, obwohl ich meine partnerin(en) sehr wohl liebte, ich fühlte mich in der unverbindlichkeit einfach am wohlsten (auch wenn die beziehung 5 jahre dauerte und de facto sehr verbindlich war).
    dir einen tipp zu geben ist schwer. er will es vermutlich nicht ändern, weil er sich so wohl fühlt. das heißt aber nicht, dass er weniger zur beziehung steht als du, ich denke, dass sind eher unterschiedliche rahmenbedingungen mit dem gleichen inhalt! Aber im leben sind halt auch die rehmenbedingungen relevant, nicht nur der inhalt.
    spreche ihn ruhig direkt und offen bezüglich deiner gedanken und gefühle an. das wird ihn auch nicht überraschen oder stressen, weil er das ohnehin weiß (soviel selbstreflexion kannst du ihm zutrauen). und da dein wunsch ja nicht zusammen ziehen und kinder kriegen ist, stellst du ja nicht wirklich hohe "forderungen". seine entscheidung ist nicht "Du" ja oder nein, sondern eine für ihn grundsätzliche: jemals wieder was verbindliches oder nicht. ich würde ihm auch nicht zuviel zeit geben, im sinne, verständnis für den armen von den frauen geschlagenen... er hatte genug zeit, die trennung ist ja schon einige jahre her. ich finde es auch seltsam, dass er nach 8 jahren immer noch nicht geschieden ist, umso mehr, wenn es keine kinder gibt. auch das zeigt, dass er sich nicht festlegen will: alles offen lassen, nichts verbindliches eingehen und keine entscheidungen treffen. das sind seine rahmenbedingungen und er weiß das auch und er versteht auch, wenn dir das nicht passt. ob er bereit ist, diese rahmenbedingungen zu ändern, da habe ich meine zweifel. ich als betroffener und ähnlich handelnder muß zugeben, dass ich die rahmenbedingungen nach nunmehr 11 jahren noch nicht geändert habe, ausnahme: scheidung war bald nach der trennung.
    m/44

  14. #13 Gast
    01.04.2011 18:07
    Danke lieber 12 für Deine sehr einfühlsame und umfangreiche Darstellung!!
    Du hast mir damit sehr geholfen, da ich nun auch die "andere Sichtweise" kenne
    und klarer sehe, was die Zukunft dieser Beziehung betrifft.
    Ich werde mit meinem Freund darüber reden: klar, deutlich und liebevoll.
    Er ist ein so wichtiger Mensch für mich.
    So wie ich eingangs schrieb, möchte ich mehr Gemeinsames als er, aber das wird es wahrscheinlich nicht geben.
    Schade, schade, aber so ist manchmal das Leben...

    Danke nochmal dafür!

    Lieben Gruß, FS

    PS. Er war nie verheiratet, und deswegen auch nicht geschieden.
    Da habe ich mich in einem anderen Beitrag etwas ungeschickt ausgedrückt ;-)

  15. #14 Gast
    04.04.2011 21:49
    Ich bin auch mit so einem wie #12 zusammen....auch ich hatte das Thema angesprochen, da ich unter dieser Unverbindlichkeit leide. Leider bleibt er weiter unverbindlich, tröstet mich jedoch mit den Worten, wenn die Zeit kommt, dann wird sich alles richten. Auch bei uns keine Planung, noch nicht einmal für das nächste Wochenende. Die erwachsenen Kinder werden gerne vorgeschoben. Dann heisst das ja, dass es so bleiben wird....und wenn der andere "Distanzpartner" mehr Nähe will, muss er oder sie wohl gehen.

    w45