1. Frage:
    Gefragt am: 29.07.2010, 09:53 von Gast
    Mein Sohn - der Tyrann.
    Hallo. Bin völlig verzweifelt. Mein Sohn lebt seit der Grundschule mit der "Diagnose" ADS. Jetzt ist er 14Jahre alt, nicht hochbegabt, aber an der Grenze, Gymnasiast, lebt im Internat, letzter Ausweg, keine Schule nimmt ihn sonst, eckt überall an, betreibt intensives mobbing, hält sich an keine Regel, verweigert Beratungsgespräche, tut cool, wenn er zuhause ist verwandelt sich unser Haus in eine Müllhalde, er ärgert seinen Bruder so lange bis der heult und er hört trotzdem nicht auf, er sagt sogar, der kl. Bruder sei selbst schuld. Ich könnte Romane schreiben. Psychologen sagen, das Wichtigste sei, dass er sich angenommen fühlen muss - aber ich kann ihn oft nicht annehmen, bin oft am Ende meiner Kräfte u Geduld. Fühl mich unauthentisch. Mir wäre eigentlich danach, ihn anzuschreien, ihm eine zu donnern, ihm zu sagen, dass er gar nicht mehr kommen brauch, wenn er sich so verhält. Ich weiß nicht mehr was tun. Wer hat Erfahrungen?
    Antworten:
  2. #1 Gast
    29.07.2010 10:32
    Bist du alleinerziehend??
    Und ja,ja....ADS ist ja so eine Modererscheinung, wenn die ganzen Psychologen nicht mehr weiter wissen!

  3. #2 Gast
    29.07.2010 12:15
    Ist seine Ernährung reich an Zucker? Zuviel Zucker macht hyperaktiv und aggressiv. Vielleicht würde es helfen, die Süßigkeiten und den allgemeinen Zuckergehalt der Nahrung etwas herunterzufahren.

    Ob die Diagnose ernst zu nehmen ist oder nicht, kann ich nicht sagen. Generell haben Kinder, die oft und lang Video- und Computerspiele spielen, häufig Konzentrationsschwierigkeiten und eine unstete Wahrnehmung. Ihnen wird schnell langweilig, und das versuchen sie zu kompensieren. Da heutzutage beinahe jeder Junge in dem Alter uneingeschränkten Zugang zu Computer, Internet und Spielen bekommt, nehme ich mal an, dass auch von dort eine der Ursachen herrühren kann.

    Hat der Junge Großeltern, die sich mal zeitweise um ihn kümmern könnten? Vielleicht wäre es mal ganz heilsam, ihn bei Oma und Opa abzuliefern? Oder bei Tante & Onkel? So dass er mal andere Erziehungsmethoden kennenlernt.

    Wenn es wirklich auf einen Machtkampf zwischen euch hinausläuft, wäre es vielleicht ganz hilfreich, ihm zu zeigen, dass du am längeren Hebel sitzt. Du kannst all seine Spielzeuge, seine Konsolen, seinen Computer wegnehmen. Oder (falls du dich ein wenig auskennst bzw. hineinfuchsen kannst und er Online-Spiele spielt) du löschst seine Accounts bei seinem Lieblings-Spieleserver. Oder du drohst ihm mit der Supernanny. Oder einem anderen ambulanten Familientherapeuten. Schlussendlich kannst du möglicherweise (rechtlich kenne ich mich da nicht aus) auch auf das Sorgerecht für deinen Sohn verzichten und ihn freiwillig in die Obhut des Jugendamtes oder gar zur Adoption frei geben. Ist die Frage, wie weit du gehen willst.

  4. #3 Gast
    29.07.2010 12:21
    Er ist zwar erst 14, aber ich würde Dir raten ihm eine Arbeit zu finden, am besten eine bei der er sich körperlich austoben kann. Ehrlich gesagt ich glaube, dass Kinder in der Pubertät ganz dringend eine richtige Arbeit brauchen, um zu erleben wie es ist, wenn man erwachsen ist.
    Als ich 15 war, habe ich ganz freiwillig mir eine Aushilfsstelle in einer Firma gesucht. Und weil ich eigentlich noch nicht arbeiten durfte, habe ich mir die Stelle mit meiner älteren Schwester geteilt. Natürlich mit der Zustimmung des Chefs.
    Im Nachhinein muss ich sagen, es hat mir sehr gut getan.

    Ich bin keine Psychologin, aber ich denke den Kindern wird heutzutage immer die Verantwortung entzogen. Aber man kann nur erwachsen werden, indem man Verantwortung übernimmt und trägt. So kann man sich auch altersgemäß angenommen fühlen. Man wird von den Erwachsenen gleich ganz anders behandelt, wenn man eine Aufgabe erfüllt.
    Ich würde Dir raten es auszuprobieren. Es hat auch einen ganz wichtigen Vorteil für den "Teenie": er hat gleich viel mehr Geld. ;-)

    w/30

  5. #4 Gast
    29.07.2010 12:32
    Wenn er "im Internat lebt" nehme ich an, dass es eine Schule ist, die sich speziell dem Förderschwerpunkt "emotionale und soziale Entwicklung" verschrieben hat? (Nennt sich in verschiedenen Bundesländern verschieden) Weil du auch geschrieben hast, dass keine andere Schule ihn nehmen würde.
    Das wäre schon einmal ein relativ positiver Aspekt, falls die Schule und die Einrichtung "gut" sind.

    Allgemein: ja, AD(H)S ist heute eine Modediagnose geworden - und darunter leiden sowohl die, bei denen es zu Unrecht diagnostiziert wurde als auch die, bei denen es nicht ernst genommen wird. Ob es bei deinem Sohn zutrifft, vermag ja von hier aus keiner zu sagen, Pauschalisierungen wie in #1 halte ich für gefährlich.

    "Psychologen sagen, das Wichtigste sei, dass er sich angenommen fühlen muss" - das halte ich für eine relativ wichtige aber auch gefährliche Aussage.
    1. Ja, SICHER sollte er sich angenommen fühlen, ABER:
    2. Angenommen fühlen bedeutet nicht, dass er keine Grenzen aufgezeigt bekommt. Gerade auch bei Kindern und Jugendlichen mit AD(H)S ist es wichtig, Grenzen zu setzen, viele testen (gerade in der Pubertät) ihre Grenzen aus, es ist wichtig, NICHT alles durchgehen zu lassen.

    Denn sonst gerade läuft man eben Gefahr, ein Kind nicht mehr annehmen zu können. Es ist quasi wichtig, zu vermitteln "Du bist mein Kind und du bist mir wichtig und ich liebe dich - aber so, wie du dich momentan verhältst, kann ich nicht mit dir umgehen/ist es mir nicht möglich, mit dir "zusammenzuleben"" (sehr verkürzt ausgedrückt).

    Sehr wichtig, falls die Schule eine Förderschule und das Internat eine Jugendhilfeeinrichtung ist, ist in jedem Fall die Zusammenarbeit zwischen dir und den Einrichtungen - für beide Seiten!
    Damit die Einrichtung sieht, wie es DIR geht und du vielleicht Tipps und Ratschläge von der Einrichtung bekommst. Beispielsweise wäre es, wenn du schreibst "...ihm zu sagen, dass er gar nicht mehr kommen brauch, wenn er sich so verhält" machbar, dass du Regeln mit der Einrichtung/Schule "aushandelst" - wann darf er nach Hause kommen? Welche Konsequenzen hat es, wenn er sich zu Hause so benimmt, für weitere "Heimfahrwochenenden" (weiß ja nicht, wie genau das alles geregelt ist)?

    Vielleicht kannst du nachvollziehen, was ich jetzt versucht habe, hier in aller Kürze zu schildern. Ich bin jetzt bewusst nicht auf alle Aspekte der Frage eingegangen (z.B. bzgl. Hochbegabung), aber ich hoffe, ich konnte dir etwas helfen.

    w

  6. #5 Gast
    29.07.2010 12:44
    @ 1

    ja, ADS ist eine Modeerscheinung, die daraus resultiert, dass Eltern ihre eigenen Interessen (job, Freizeit) oft vor die des Kindes stellen.
    Gerade alleinerziehenden bleibt ja gar keine andere Wahl, als ihr Kind, ob es will oder nicht, zu oft in fremde Obhut zu geben

    ADS heißt Aufmerksamkeits Defzit Syndrom und sagt nichts anderes, als dass die betroffenen Kinder sich weggeschoben und nicht genug geliebt fühlen. Ihnen ist jede Form von Aufmerksamkeit recht, notfalls eben auch in Form von Schimpfe, Strafe oä.

    Liebe Fs
    Manchmal kann es Kindern gut tun, für eine Zeit ein Internat zu besuchen, aber ich glaube aus deinen Zeilen einen Hilfeschrei deines Sohnes zu lesen.
    Er ist in der Pubertät, was das ganze nicht vereinfacht und scheint sich furchtbar unwohl und wahrscheinlich von euch "aussortiert" zu fühlen. Zu Hause, was für ihn sicher immernoch der Hort der Geborgenheit ist, bekommt er Feuer von dir, weil er seinen kleinen Bruder ärgert, nicht aufräumt usw. Nicht nur du, sondern auch er scheint mit der Situation überfordert. Es muß schrecklich sein, nicht nur im Internat gegen alle zu kämpfen, sondern auch zu Hause, bei der Mutter nicht den nötigen Halt und die Liebe zu finden, die er sich wünscht.

    Wir waren doch alle mal in dem Alter und wissen selbst genau, wie ein 14 jähriges Kind reagiert, wenn es sich ungeliebt fühlt. Es ist immens schwer, das wieder geradezubiegen, was man als Mutter in der Vergangenheit falsch gemacht hat. Immerhin ist sein heutiges Verhalten eine Folge dessen, was ganz bestimmt schon VOR der Grundschule schief lief und auch von DIR nicht geändert wurde. Außerdem denke ich, er ist eifersüchtig auf seinen (kleinen?) Bruder, der von dir mehr Aufmersamkeit bekommt, als er und Zu Hause leben darf, weil ER artig ist.
    Irgendwo muß die ganze angestaute Agression doch abgeladen werden. Er macht sich "Zu", ist opportunistisch, um nicht mehr verletzbar zu sein und lässt keinen an sich ran.
    Gerade hier wäre es jetzt deine Aufgabe als Mutter, deinen Umgang mit ihm völlig zu verändern, ihm nicht nur zu sagen, dass du ihn lieb hast, sondern es in deiner Handlungsweise auch zu ZEIGEN! Er hat das Gefühl, er ist dir egal und rebelliert gegen alles..

    Wie schon gesagt, es ist nur die FOLGE der Fehler, die du wahrscheinlich schon vor Jahren in der Zuwendung zu ihm gemacht hast. Es bringt nichts, weiter gegeneinander zu kämpfen oder sich mit Vorwürfen zu überschütten..Er ist erst 14 und daher ist es noch nicht zu spät, dass ihr beide euch wieder annähren könnt. Am besten wäre ein gemeinsamer Urlaub. Nur du und er, wo du ihm ganz alleine gehörst und wo ihr vielleicht endlich mal alleine über alles reden könnt, was euch bedrückt! Steh ihm Rede und Antwort, denn ihr scheint vieles aus völlig verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten, wie z.B. deine Beweggründe ihn ins Internat zu geben, und dagegen sein Gefühl des "Abgeschoben" seins. Hier den Konsenz im gegenseitigen Verstehen zu finden, mit dein BEIDE gut leben können und sich wieder mental anzunähren, wäre ein Anfang.
    Ich kann dir nur aus eigener Erfahrung sagen, dass so ein Urlaub Wunder wirken kann!!

  7. #6 Gast
    29.07.2010 12:51
    Stimme @ 4 weitestgehend zu, rede aus persönlicher Erfahrung
    da klingelm mir die Ohren, keine Regeln Unzuverlässigkeit Schlamperei ....

    Mein ganz persönliches Fazit

    Keine leeren Drohungen aus dem Affekt sondern sparsam dossierte wohlüberlegte Konsequenzen , die dann mit auch umgesetzt werden.

    Keine 5-Jahrespläne mit utopischen Zielen sondern eine Politik der kleinen messbaren Schritte

    Ich liebe Dich aber dein Verhalten ist inakzeptabel.

    Es ist legitim nach einem Katastrophenereignis mal an einem Wochenende keine Lust zu haben was mit dem Kind zu machen. Man hat ein Recht auf ein eigenes Leben. Ich weiss in Internaten sind Heimfahrwochenenden oft obligat , nicht einfach und für Dich & da wahrscheinlich allein erziehend doppelt schwer. Kannst du ihn deinem Ex aufs Auge drücken ?

    Ich kann die Situation nicht im Detail beurteilen aber suche nach Möglichkeiten Grenzen zu ziehen, die dir und seinem Bruder nicht mehr weh tun als ihm und die du dann nicht durchhältst

  8. #7 Gast
    29.07.2010 12:58
    Ganz lieben Dank Euch Allen. @4: genauso seh ich das auch mit dem Angenommen fühlen. Ich muss ihm Grenzen setzen und jetzt ist mein Entschluss gefasst. Ich werde ihm tatsächlich sagen, dass wenn er sich so verhält, ich ihn nicht bei mir haben kann, dass ich ihn liebe, aber so ein Miteinander nicht möglich ist.

    Ich liebe ihn ja wirklich, aber ich kann ihm meine Liebe ja nicht zeigen, weil er mich ständig herausfordert und ich grad nur in die bescheuerte Opferrolle falle und den Kopf i.d. Sand stecke. Und das ist falsch, das weiß ich. Ich glaube er fordert mich raus, weil er EBEN Grenzen sucht. Die ADS-Sache nehm ich Ernst, aber nicht so, dass ich ihn da abstemple, für mich ist das eben ein medizinischer Begriff oder eine Art Überschrift für bestimmte Verhaltensweisen.

    @2: Zucker und PC - alles nicht der Fall, also im normalen Maße. Er hat ja im Internat bis 16Uhr Schule u dann ist da viel Programm mit Sport und gemeinsamen Unternehmungen, PC ist dort kontrolliert u bei mir zuhause sowieso.

    @3: ja, das ist auch eine gute Idee mit der Arbeit. Weil er denkt ja, dass er nicht gut genug ist, dass er nicht "ausreicht", dass er ja schlecht ist..... das ganze Rumpsychologisieren mit Beratern und einmal auch Klinik gibt ihm natürlich das Gefühl, dass er ja ein ganz schwieriger Bursche ist und er lebt das eben auch aus.

    Er bekommt natürlich super viel Aufmerksamkeit durch sein beschissenes Verhalten und noch mehr Aufmerksamkeit, weil er es schafft, dass x-Menschen sich Gedanken um ihn machen, x-Institutionen eingeschalten werden, um besser mit ihm umgehen zu können und jeder redet mit Engelszungen mit ihm - ja nicht böse sein, weil sonst fühlt er sich ja nicht angenommen.

    MIR REICHT DAS ABER JETZT, hab die Schnauze voll damit: Ganz ehrlich, mir ist nur noch danach, ihm klipp u klar zu sagen, dass ich das mit ihm nicht mehr mitmachen will, entweder er passt sich unseren Lebensregeln an, wenn nicht, dann soll er verschwinden. Ist hart, aber das wäre authentisch von meiner Seite aus. Irgendwie bild ich mir auch ein, dass er dann auch eine Chance hat, raus aus dem Psycholoch von wegen keiner liebt mich und ich bin sowieso schlecht und deshalb verhalt ich mich Scheisse, dann bekom ich Aufmerksamkeit.... Ich kann nicht mehr.

  9. #8 Gast
    29.07.2010 13:09
    @#5; hier #4

    Leider ist es oft so, dass ADS falsch "gedeutet" wird, daraus resultieren viele Probleme und falsche Ratschläge. Bei ADS, womit eigentlich zumeist ADHS gemeint ist, stehen 3 Probleme im Vordergrund: Impulsivität, Hyperaktivität und Konzentrationsstörungen; Hyperaktvität ist bei "reinem" ADS nicht vorhanden.
    Ergo: ADS bedeutet nicht, dass dem Kind zu wenig Aufmerksamkeit zuteil wird! Und AD(H)S ist NICHT gezwungenermaßen eine Folge von "Erziehungsfehlern". Es gibt sehr viele unterschiedliche Erklärungsansätze.

    Ein gemeinsamer Urlaub ist schön und gut, sicher ist es auch sinnvoll, Zeit mit dem Kind zu verbringen, aber nicht um den Preis, dass man selbst dabei "drauf geht" - zudem ist es wichtig, gerade auch für das Wohl des Kindes, ihm Grenzen aufzuzeigen und bei extremen "Fehlverhalten" ihm auch zu zeigen, dass man SO im Moment nicht mit ihm zusammenleben möchte.

    Ich möchte damit nicht sagen, dass es nicht sein kann, dass zwischen euch eine große Distanz besteht oder dass dein Sohn, FS, sich abgeschoben fühlt - das ist durchaus möglich. Aber das aus der Ferne zu beurteilen/verurteilen finde ich falsch, da wir hier ja keinen Einblick in deine Situation haben.

    Mein Rat wäre zudem, die an Erziehungsberatungsstellen zu wenden usw . (oder eben an die Schule/Einrichtung selbst) - es gibt viele Möglichkeiten und lass dich nicht ins Bockshorn jagen, wenn du an die Falschen gerätst (es gibt leider in der Pädagogik sehr viele unterschiedliche Ansichten und Strömungen), kümmer dich um dich und um dein anderes Kind genauso wie um deinen Sohn im Internat - denn es ist für das andere Kind auch eine sehr schwierige Situation - das ist noch etwas, das ich dir gerne raten würde...

  10. #9 Gast
    29.07.2010 13:22
    @5: Ganz lieben Dank an Dich. Ja da hast Du sowas von Recht. Mein kleiner Tyrann hat zuwenig Aufmerksamkeit bekommen, musste sich ungeliebt fühlen, weil ich direkt nach der Geburt eine Depression hatte und mit der Situation ein Kind zu haben überhaupt nicht klar kam, er schrie die meiste Zeit und ich gab ihn oft meiner Mutter, weil ich platt war, ich mache mir viele Vorwürfe und fühle mich sehr schuldig und eben als ganz miserable und schlechte Mutter, die nichtmal ein Kind erziehen kann.

    Ich weiß doch, dass ich den Grundstein für sein ´Verhalten gelegt habe. Ach, ich bin manchmal nur am Heulen, er tut mir so leid und ich liebe ihn doch so sehr, würde ihm etwas passieren, ich könnte nicht mehr leben. Ich bin schuld. Trotzdem muss ich mir auch klar machen, dass kein Mensch immer in Topverhältnissen aufwachst und jeder Mensch ab einem gewissen Alter auch etwas zum guten Miteinander tun MUSS.

    Er muss es auch, weil ich nicht mehr kann und ich kann nciht immer nur im Schuldenturm sitzen: ich bin schuldig, schuldig, ich bin die böse Mutter, ich hab das aus ihm gemacht, ich bin schuldig schuldig schuldig SCHULD... Fühlt sich so schlimm an und ich kann nciht mehr, ich will auch zu keinem Berater mehr. Ich weiß doch wie heftig das für ihn sein muss - sich immer nicht geliebt fühlen, dann noch Internat u wenn er nach Hause kommt sieht er kleinen Bruder und er fühlt sich vermutlich erst recht nicht mehr dazugehörig. Danke Euch allen.

  11. #10 Gast
    29.07.2010 13:34
    @7 nochmal die 6, Du klingst ziemlich am Ende deiner Kraft & Geduld.

    Nochmals mein Rat:
    Probiers nicht mit einem Komplettultimatum : Halt Dich an sofort an alle Regeln ODER Du fliegst jetzt sofort komplett raus.
    Die Wahrscheinlichkeit, dass Du das durchziehst bzw durchgezogen kriegst ist nicht gross. ( Falls Du das wirklich willst, musst Du einen konkreten Plan haben wie du ihn an die Luft setzt. Wenn Du es aussprichst und dann den Schwanz einziehst (Pardon) , bist du weniger weit als vor der Drohung !)

    Mach es punktuell und konsequent, lass dich nicht auf ewige Diskussionen ein , dein Sohn wird dir aufgrund der vielen Gespräche und der Aufmerksamkeit die er damit kriegt sowieso turmhoch überlegen sein zu manipulieren.

  12. 29.07.2010 13:40
    Ich bin ziemlich fassungslos. Es tut mir wirklich leid, aber ich wundere mich doch sehr, dass hier niemand merkt, dass das größte Problem in dieser Familie die FS ist, sofern das alles stimmt, was sie schreibt.

    Was ist das denn für eine Einstellung, sein Kind weg zu geben, weil es Probleme gibt? Dann hätten aber nur noch sehr wenige Kinder Mütter und Väter, die sich kümmern und sie lieben.

    Liebe FS, es kann schon sein, dass dein Sohn ADS und Schwierigkeiten hat, aber mindestens so große Probleme hast du mit deiner Mutterschaft. Auch wenn du das nicht gern liest, ihr braucht beide Hilfe und zwar gemeinsam!

    Was ist denn überhaupt mit dem Vater? Wahrscheinlich wäre hier eine Familientherapie zu empfehlen. Du musst einfach Wege finden, ihm nicht alles durchgehen zu lassen, aber auch ihm zu zeigen, dass er dir wichtig ist.

    Das passt doch einfach nicht zusammen: Du sagst, du liebst ihn über alles und wenn ihm was passieren würde... und dann sagst du, du kannst nicht mehr und würdest ihn notfalls sogar zur Adoption frei geben...

    Sorry, aber das ist mir doch alles ziemlich suspekt und unverständlich!

  13. #12 Gast
    29.07.2010 14:04
    Vielleicht hat die FS, es ohne zu wissen, selber ADS und hat deswegen so große Schwierigkeiten.

    Ich kann nur zur Familientherapie raten, falls im Rahmen von ADS nicht schon gemacht oder zur eigenen Therapie und das Erlernen von richtigen Erziehungsmethoden bei ADS. Meine Kinderärztin hat da frühe Erziehungskurse angeboten.

    Ich bin so froh, dass mein Kind kein ADS hat, denn die Pupertät ist so schon der Hammer. Zum Glück hat mein Kind ein gutes Hobby, wo es kein Alkohol, Nikotin und anderes gibt, so dass es sich dort austoben kann.

    Ansonsten schon im Kleinkindalter mit klaren Regeln und Konsequenzen anfangen, denn was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.

  14. #13 Gast
    29.07.2010 14:09
    Hallo FS,

    mein Mitgefühl für diese sehr schwierige Situation!

    Du sagst, Dein Sohn läuft unter der Diagnose ADS, so ganz sicher scheint es aber nicht zu sein? Bei Deiner Beschreibung denke ich -ohne aus der Ferne natürlich eine Diagnose stellen zu können!- auch an eine dissoziale Persönlichkeitsstörung. Die tritt meist bereits im Kindesalter auf und umfasst einige der von Dir beschriebenen Verhaltensweisen, insbesondere "Aggressivität ohne Reue".Bei Jugendlichen kommen sehr oft Tierquälerei und Brandstiftung dazu.

    Schau mal unter dem obigen Kennwort und Prof.Volker Faust, da findest Du eine nähere Beschreibung der gar nicht so seltenen (2-8% !) Störung. Vielleicht hilft es weiter, Psychologen scheuen sich oft, bei Kindern diese Diagnose zu stellen, aber eine frühe Behandlung bringt am ehesten Erfolge leider nur geringe Erfolge.

    Ich wünsche Dir viel Kraft!

  15. #14 Gast
    29.07.2010 14:30
    An die FS

    In meinen Augen bist Du diejenige die total überfordert bist!

    Deine Aussage, "entweder er passt sich an, oder er soll verschwinden! Also das finde ich persönlich "hammerhart"

    In meinen Augen wünscht Du Dir ganz einfach einen bequemen Sohn, lieb und brav, der zu allem ja und amen sagt, nirgendwo aneckt, einen Jasager und Mitläufer! So wie Du es schilderst, kann ich Deinen Sohn gut verstehen!

    Also ich spreche aus Erfahrung. Auch ich hatte einmal einen pubertierenden 14jährigen Sohn. Es war die Hölle. Ständig fragte ich mich "was habe ich falsch gemacht"?

    Auch er war aufmüpfig, schlampig und aggressiv! Ständig kamen "blaue Briefe" von der Schule, so etwas gab es seinerzeit noch! Ständig fand ich mich im Lehrerzimmer wieder, ständig bekam ich von den Lehrern zu hören, mein Sohn sei sehr intelligent aber faul!. Niemals fiel einem Lehrer aber wirklich ein, weshalb sie mich zu einem Gespräch geladen hatten.

    Ja ich war auch verzweifelt, aber ich war die "Mutter" und niemals wäre es mir eingefallen, X Institutionen einzuschalten, um hunderte von Meinungen über meinen Sohn ergehen zu lassen.

    Ich war die Mutter, auch alleinerziehend, sein Vater ist mit 32 Jahren gestorben, ich habe die volle Verantwortung für meinen Sohn übernommen, auch dann wenn er "Anderen" nicht gepasst hat. Und das als ganztags Berufstätige, und als mein Sohn 14 Jahre alt war, war ich gerade einmal 33 Jahre jung!

    Irgendwann hörte ich in einer Radiosendung, dass Kinder die nicht völlig angepasst sind, sprich die sich wehren und auch einmal ihre eigene Meinung kundtun, es im Leben weiter bringen, als die so genannten Angepassten und Jasager! Diese Reportage hat mir wieder Hoffnung gegeben!

    Wie gesagt, auch mein Sohn hat mir die letzten Nerven gekostet, aber ich habe ihm nie das Gefühl gegeben, dass ich ihn los haben möchte, nein ich bin immer noch voll hinter ihm gestanden, auch wenn ich keine "Mutterglucke" war.

    Irgendwann bald wurde er zum Klassensprecher gewählt, vielleicht gerade deshalb, weil seine Mitschüler ihn so achteten und respektierten wie er ist. Von dem Tag an gab es nie wieder "blaue Briefe" von den Lehrern.

    Unterdessen ist mein Sohn in vielem immer noch nicht so angepasst wie viele "Andere" aber er ist sehr erfolgreich, fleißig, und was er in jungen Jahren bereits erreicht hat, davon träumen viele andere!

    Was ich Dir damit sagen möchte FS. Stehe einfach hinter Deinem Sohn, zeige ihm dass Du zu ihm hältst, dass Du hinter ihm stehst, und nicht dass Du ihn los haben möchtest!

    Damit bin ich sehr gut gefahren. die Pubertät geht irgendwann vorbei, und irgendwann bist du ja vielleicht sogar stolz auf Deinen Sohn

    Eltern sein, oder Mutter sein, ist nicht immer nur Bequemlichkeit, Kinder kosten nun einmal Nerven, gerade im Alter wie Dein Sohn es ist.

    Für mich, sogar als sehr junge Mutter, galt immer "Erziehung ist Beispiel und Liebe".

    Ich wünsche Dir auf jeden Fall die nötige Einsicht, und wie gesagt, Kinder werden erwachsen!

  16. #15 Gast
    29.07.2010 18:01
    Hallo FS,

    für mich hört sich das so an, wie wenn dein Sohn komplett unterfordert ist.
    Es wird heute leider viel zu oft ADS diagnostiziert, obwohl die Kinder in Wahrheit hochbegabt sind. Und wie du sagst, ist dein Sohn nahe dran. Vielleicht ist es ganz einfach seine Art zu "zeigen", dass er Hilfe braucht, aber nicht in der Art von Medikamenten, Heim, etc sondern mehr auf die Art und Weise, dass er gezielt gefördert und gefordert wird. Frag ihn doch einfach mal, wofür er sich besonders interessiert und was ihm Spass macht. Was sind seine Stärken und Schwächen? Anschließend kannst du dich (vielleicht zusammen mit ihm) über spezielle Förder- und Forderprogramme informieren.
    Dadurch kannst du ihm auch zeigen, dass du voll und ganz hinter ihm stehst und dass er nicht allein da steht. Probiers einfach mal aus. Zeig Initiative und gib deinem Sohn eine Chance.
    LG

  17. #16 Gast
    29.07.2010 20:39
    Hallo liebe FS,

    ich finde nicht, dass Du "schuld" bist, wie Du schreibst. Mütter sind schließlich auch nur Menschen! Ab einem gewissen Punkt ist jeder selbst dafür verantwortlich wie er sich verhält. Mit 14 kann man schon verlangen, dass ein gewisses Bemühen erkennbar ist. Vielleicht nutzt Dein Sohn Deine Schuldgefühle ja auch einfach nur schamlos aus? Wochenbettdepressionen haben viele Mütter, viele Säuglinge werden zur Großmutter gegeben, ja und? Es gibt verdammt viele Kinder, die so aufwachsen und keine Probleme machen. Das sind auch keineswegs alles "Jasager".

    Dein Sohn hat immerhin eine Mutter, die ihm eben nicht einfach eine "donnert" wie Du schreibst, sondern eine, die mit ihm von Arzt zu Arzt zieht, um einen Lösung zu finden. Das könnte er ja auch mal zu schätzen wissen!

    Ich kann nicht beurteilen, was Deinem Sohn fehlt, das kann hier im Forum keiner. Aber Dich selbst dafür verantwortlich machen, halte ich für den falschen Weg. Die Mutter ist an allem schuld.. Jaja, wie schön einfach ist das. Vor allem für Deinen Sohn, dem damit ja so eine Art Freibrief ausgestellt wird. Sag Deinem Sohn, dass Du ihn liebst, aber nicht bereit bist, Dein eigenes Leben von ihm zerstören zu lassen. Es ist in meinen Augen völlig berechtigt da die Grenze zu ziehen, wo Du selber nicht mehr kannst. Du hast ja auch noch ein anderes Kind, um das Du Dich kümmern musst. Und Du selbst hast auch nur ein Leben. Kümmer Dich auch ein bisschen um Dich! w 36

  18. #17 Gast
    29.07.2010 21:42
    mein geheimtipp für schwierige teenager (habe selber 3) ist:

    lade deinen sohne ganz offiziell und nur ihn zu einem essen in einem restaurant ein. dann benimmst du dich, als hättest du ein date. du machst dich hübsch und hast einen festen termin mit ihm.

    ist er nicht fertig, so what, dann der nächste termin. du bis nämlich sehr interessiert an ihm.

    wenn ihr im restaurant irgendwann einmal zu zweit seid, dann lass ihn so wie er ist. kein nörgeln, kein zurechtweisen, egal, was er macht.

    sollte er dann mit dir zusammen gegessen haben, dann sagst du ihm, wie sehr du ihn liebst.
    wie sehr du ihn schätzt, was du alles an ihm gut findest.

    du musst es dir vorher zurecht legen, sonst fällst du in die alten, eingefahrenen muster.

    wenn es sich ergibt, dann sagst du ihm offen, dass du dir sorgen machst. dass du möchtest, dass ihr liebevoller miteinander umgeht. und du fragst ihn, ob er das auch möchte. und ob er auch eine idee hat.

    du brauchst für diesen abend keine lösung. aber du hast ihm - falls er kommt - ein gutes zeichen gegeben: er ist dir sehr wichtig. und du respektierst ihn.

    lass mal deine schuldgefühle weg. die interessieren nur dich.

    er ist dein sohn. er liebt dich, du bist seine mama, du liebst ihn. das ist die basis.

    w45

  19. #18 Gast
    30.07.2010 00:07
    Obiger Tipp ist sehr gut.
    Ich bin auch alleinerziehende Mutter von zwei lebhaften Söhnen und habe folgende Strategien:

    Ich mache z.B. 1 x im Monat einen Sohn A Tag und am nächsten Tag einen Sohn B Tag.

    Das heisst, an diesem Tag unternehme ich nur mit Sohn A etwas, was er besonders gerne hat. An diesem Nachmittag ist meine volle Konzentration nur auf ihn gerichtet (Handy ist ausgeschalten). Wenn er gerne chinesisch Essen geht, gehen wir zum Chinesen, wenn er sich gerne Elektrogeräte anschaut, gehen wir ins Elektrogeschäft, wenn er gerne ins technische Museum geht, gehen wir dorthin. Währenddessen zeige ich ihm, dass mich dieses Thema auch sehr interessiert, rede mit ihm aber nicht über Probleme oder Verhalten oder Schule oder sonst welche negativ behafteten Themen. Wenn wir dann nach Hause kommen, sage ich ihm, wie gut mir das gefallen hat und was wir am nächsten Sohn A Tag tun könnten.
    Für den gemeinsamen Ausflug zu zweit ist es besser, einen Ort zu wählen, wo er keine seiner Bekannten trifft. Für Söhne in diesem Alter ist es oft peinlich, mit der Mutter gesehen zu werden.
    Am nächsten Tag ist Sohn B Tag und dann mache ich mit Sohn B auch alleine einen Ausflug der ihn interessiert.
    Zuerst ist immer der Tag vom älteren Sohn und gleich am folgenden Tag ist der Tag vom jüngeren Sohn, ca.1 x im Monat.

    Ich habe mit dieser Strategie sehr gute Erfolge erzielt und beide Söhne sind viel verträglicher geworden.

    zum Problem jüngeren Bruder ärgern: Immer beide im Auge behalten!
    Wenn ich sehe, jetzt ist es bald wieder soweit, dass der grössere Sohn aus Langeweile oder sonst einem Grund anfängt, den kleinen Bruder zu ärgern, kehre ich die Situation um, indem ich dem Kleinen sage, jetzt möchte dein grosser Bruder dir zeigen, dass er auch da ist und mit dir herumtollen, spiel doch mit ihm. Der Grosse ist dann so überrascht, dass er vom Kleinen ablässt (funktioniert bei mir, weiss nicht, ob das bei anderen geht, muss man ausprobieren).
    In so einer Situation behalte ich immer beide im Auge und versuche eine gemeinsame Aktivität zu dritt zu finden.
    Den Grossen zu schimpfen, den Kleinen zu trösten und dann aus dem Zimmer zu gehen ist total unproduktiv, dann geht ja das ganze wieder von vorne los.
    Wichtig ist, so oft wie möglich hinauszugehen und nicht zu Hause zu sitzen, denn zu Hause stauen sich die Konflikte.
    Besser, der Haushalt ist unordentlich und die Aufmerksamkeit und Zeit widmet man den Kindern als der Haushalt ist perfekt und die Kinder sind unausstehlich!

    Ich wünsche dir viel Nervenstärke und dass du nicht aufgibst. Liebe Grüsse Libera

  20. #19 Gast
    30.07.2010 01:06
    Liebe FS

    Du bist nicht schuld, auch wenn das hier einige Unwissende glauben mögen. Ich bin Lehrerin, unterrichte Jugendliche und hatte selbst einen sehr schwierigen Sohn. Außerdem habe ich eine Freundin, deren Sohn ADS hat. Pubertierende sind immer schwierig, aber was du schreibst, geht etwas weiter. Das kann nur nachvollziehen, wer bereits mit ADS zu tun hatte. Leider ist das wirklich eine Modekrankheit und wird häufig bei jedem etwas lebhafteren Kind diagnostiziert.
    Nimmt dein Kind Medikamente? Manchmal ist das wirklich die letzte Möglichkeit. Beim Sohn meiner Freundin hat es gut geholfen. Außerdem ist es wichtig, dass DU selbst in Therapie gehst. Nicht, weil mit dir etwas nicht stimmt, sondern damit du gestärkt wirst. Du kannst deinem Kind nur helfen, wenn es dir besser geht.
    Vielleicht solltest du auch nach einer Selbsthilfegruppe Ausschau halten.
    Übrigens, ADS wird häufig nach der Pubertät besser.

  21. #20 Gast
    30.07.2010 11:14
    @19
    Ist ein Kind nicht ruhig zu kriegen, versuch es mal mit Medikamenten!

    Als Lehrerin sollten Ihnen die zahlreichen, lebensbedrohlichen Nebenwirkungen, die meist (auch nach dem Absetzen und besonders während der Pubertät) zu schwersten Depressionen führen, bekannt sein.
    Ritalin und Co. (in Amerika als Droge konsumiert) dürfte meiner Meinung nach ein verantwortungsvoller Arzt nicht verschreiben. Ich stimme dem zu, dass ADS usw. fast immer Ursache für das Rumgezappele sein soll, dem dann in der Regel mit der Medikation von Ruhigmachern entgegengewirkt wird. ABER: die Ursachen werden nicht behoben! das Kind wird nur ruhig gestellt, damit es sich (in der Schule) besser konzentrieren kann - dieses Argument wird von den Verantwortlichen benutzt, um ihr Gewissen zu beruhigen.
    Es MUSS andere Wege geben, diesen armen Kindern zu helfen, auch wenn diese anderen Wege für die Erwachsenen erhöhte Einsatzbereitschaft (oft über Jahre) bedeuten.

  22. #21 Gast
    30.07.2010 11:40
    ich finde den Vorschlag "pass dich an oder verschwinde", den hier jemand gab, zwar nachvollziehbar und wenn ein Kind über 18 ist, gut, ABER NICHT in diesem Fall!!
    Erstens erfordert die dazu nötige Konsequenz unglaublich viel Kraft, die die Fs momentan nicht HAT und zweitens würde der Sohn sich nur noch weiter von ihr entfernen.( Für ihn wäre es nur mal wieder die Bestätigung, wie ungeliebt er ist.) Letztlich ist er noch ein KIND von erst 14 Jahren, der unbedingt Halt braucht und den man nicht noch zusätzlich vor eine solche Wahl stellen sollte! Wenn nichtmal mehr die eigene Mutter hinter ihm steht, wen hat er denn sonst??

    Das Problem wird sein, dass du, liebe Fs aus verschiedenen Gründen schon sehr früh zu wenig Grenzen gesetzt hast und es nun natürlich doppelt schwer hast. Wahrscheinlich hat er einiges nie richtig gelernt, weil du ihn vielleicht einfach hast "machen lassen", bzw. zu lange zu inkonsequent warst.
    Anstatt dich jetzt aber von Schuldgefühlen zerfressen zu lassen oder ihn in Grund und Boden therapieren zu lassen, mußt du lernen, dich der Verantwortung zu stellen! DU bist die Mutter, die Erwachsene, DU mußt auf IHM die Hand reichen denn auch er ist unglücklich.
    Es bringt euch beide kein Stück weiter, wenn du dich nun auch noch in Opferrolle der versagenden Mutter flüchtest. Wenn du etwas ändern willst, mußt du Konsequenz und eine gewisse Souveränität an den Tag legen. Dazu gehört z.B. nicht vor ihm zu jammern, wie schwer du es mit ihm hast und welche Sorgen er dir bereitet. Er wird sich nur als noch größere Belastung für dich empfinden.

    Hast du ihn eigentlich mal gefragt, ob er im Internat glücklich ist und wo er lieber wäre?
    In meinem eigenen Fall nahm ich meine Tochter (gleiches Alter), nach 2 Jahren wieder von Internat, da sie sich in dieser Zeit in ihrer Art ziemlich zu ihrem Nachteil veränderte und sehr aufmüpfig wurde. Ich merkte, dass es ihr dort nicht mehr gut ging und hielt es für besser, sie wieder zu Hause bei ihren Geschwistern zu haben, Familienleben und Rückhalt zu spüren und gab sie auf eine Ganztags-Privatschule, in der sie in kürzester Zeit regelrecht aufblühte und gerade ihr Abitur bestanden hat!
    Ich an deiner Stelle würde jetzt die Psychotherapien einstellen, damit dein Sohn sich nicht ewig als totaler "Sonderling" (alle reden über ihn, und zerpflücken seine Seele) vorkommt und mit ihm gemeinsam überdenken, ob das Internat auf Dauer wirklich das richtge für ihn ist. Ihm den Vorschlag machen, ihn nach Hause zu holen, wenn er sich dafür an eure Regeln hält und gewisse Aufgaben übernimmt.
    Ich kann natürlich nur von meinem erlebten ausgehen, aber ich bereue unsere Entscheidung keine Sekunde.

  23. #22 Gast
    30.07.2010 12:47
    @20 von 19
    Ich bin ganz sicher nicht dafür, dass man Medikamente schnell und einfach verschreibt. Aber wenn du z.B. Gelenkprobleme hast, die eigentlich pysiotherapeutisch bzw, durch Muskelaufbau behandelt werden müssen, dann wirst du auch zunächst Medikamente nehmen, die nur die Symptome lindern ohne zu heilen, denn du musst den Weg zur Heilung vorbereiten.
    So sehe ich das auch mit Medikamenten bei ADS. Es ist sicher der letzte und gut zu überlegende Schritt. Aber wenn ich mir das vorstelle, wie es der FS geht, dann wäre eine zeitweise Einnahme unter Umständen eine Möglichkeit um aus dem Teufelskreis herauszukommen.
    Wie gesagt, ich kenne einen Fall aus meinem Freundeskreis. Die Frau war sowas von fertig, sie hat selbst schon stark unter Depressionen gelitten und die Konflikte haben sich so stark aufgeschaukelt, dass es absolut notwendig war. Der Sohn wurde ruhiger und die Mutter wurde etwas gelassener, konnte ihren Sohn wieder besser annehmen und somit hat auch er sich verändert. Die Medikamente wurden dann auch wieder abgesetzt und nach Beendigung der Pubertät ging es wesentlich besser - auch ohne Medikamente.
    Das hat nichts mit Ruhigstellen zu tun - aber ich kann mir vorstellen, dass das Leben für die FS die Hölle ist.
    Ich glaube, viele hier verwechseln echte ADS mit pubertärem Gehabe. Da liegen Welten dazwischen.

  24. #23 Gast
    30.07.2010 13:07
    @20 Ritalin ist keine Patentlösung aber auch kein Rattengift, es gibt viel Literatur dazu und mittlerweile herrscht weitgehend Einvernehmen , dass es als TEIL einer Behandlungsstrategie nach ausreichender Diagnostik einen Platz hat. Pauschal zu sagen, es zu verordnen sei unverantwortlich ist m.E. unverantwortlich. Ferndiagnosen sind gefährlich.

    Zwischen schwierigen Kindern in der Pubertät und schwerem ADHS liegen Welten.

    Arzt mit ADHS Kind

  25. #24 Gast
    30.07.2010 14:29
    Liebe FS, ich konnte leider nicht alles lesen, möchte mich aber zu deiner Aussage äußern, dass du deinem Sohn sagen willst:"Halte dich an die Regeln, sonst fliegst du raus!" Das Problem ist: er KANN sich nicht an die Regeln halten. Bestrafe ihn nicht für etwas, was er nur ganz schwer beeinflussen kann!!!!
    Unser Sohn hatte Lese-Rechtschreib-Schwäche, ein Schulfreund ADHS. Auch bei ihm war es zu Hause und in Schule katastrophal. Über unseren Sohn wurde immer gesagt: "es ist ja ein lieber, netter Junge, gibt sich Mühe..." und er wurde von Lehrern unterstützt. Über den anderen Junge sagte man:"Er hat keinerlei Benehmen, hält gesetzte Abmachungen nicht ein, wiedersetzt sich, zeigt einfach ein unmögliches verhalten..." und er wurde nicht unterstützt. Aber: beide Jungen hatten eine Schwäche. Und keiner konnte etwas dafür. Das wurde aber nur bei ersterem (unserem Sohn) akzeptiert. Das ADHS-Kind bekam die Schuld zugeschoben.

    Du musst dringend DIR Hilfe und auch Entlastung suchen, um durch einen liebevoll-konsequenten Umgang deinem Kind helfen zu können.

    Ja, und Retalin war für o.g. Kind die Rettung. Er war mit diesem Medikament ein anderer Junge: für sich und andere erträglich.

    Ich wünsche dir, dass du wieder zu Kraft findest. Und: alle ADHS-Kinder und Jugendlichen werden irgendwann erwachsen. Dann löst sich zwar das Problem nicht auf, aber i.d.R. sind Erwachsene dann vernünftiger und lernen mit sich selbst und anderen klar zu kommen. Ich will dir damit Mut machen und dir sagen: die Zeit läuft - und zwar FÜR DICH.

  26. #25 Gast
    30.07.2010 16:56
    @22 von 20

    Medikamente für Gelenkprobleme (hier auch stellvertretend für viele andere Medikamente) sind nicht persönlichkeitsverändernd , ziehen keine Depressionen nach sich und erhöhen nicht die Suizidgefahr, wie es bei sehr vielen Ritalin-o.ä.-Kindern bzw. -Jugendlichen der Fall ist.

    Der Unterschied zwischen pubertärem Verhalten und AD(H)S ist mir sehr wohl bekannt.

    @23 Ritalin ist nicht unumstritten. Jeder hat dazu seine eigene Meinung - meine habe ich dargestellt. Keineswegs würde ich mir anmaßen, eine Ferndiagnose zu stellen. Dies ist gefährlich, da stimme ich Ihnen zu (außerdem bin ich keine Medizinerin).

    Wie wurden eigentlich vor Generationen AD(H)S-Kinder therapiert?

  27. #26 Gast
    30.07.2010 20:05
    @25 . Vor Generationen gab es auch Penicillin, Ritalin ist nicht unumstritten stimmt , ADHS selbst verursacht auch Depression und Suizide sind unter Jugendlichen leider nicht so selten. Vor Generationen, das ging bis in meine Schulzeit, waren Menschen mit ADHS bloss ganz arme Schweine, "Tunichtgute". Ich habe keine Pharma Aktien und eine durchaus kritische Haltung......

  28. #27 Gast
    30.07.2010 20:41
    @25: vor Generationen wurden sie grün und blau geprügelt bis sie sich nicht mehr rühren konnten.

  29. 30.07.2010 22:16
    Liebe Fragestellerin,

    ich habe einen fünfjährigen Sohn, der sehr lebhaft ist. Als er in der tiefsten Trotzphase war (so zwischen 3-4), war er teilweise sehr aggresiv, egozentrisch, renitent. Ich war am verzweifeln. Mir hat ein Buch sehr geholfen, das ich Dir empfehlen möchte.

    "Kinder fordern uns heraus. Wie erziehen wir sie zeitgemäß?" von Rudolf Dreikurs. Verlag Klett-Cotta.

    Man lernt die Beweggründe der Kinder besser verstehen und kann es einordnen. Man lernt, Dinge nicht persönlich zu nehmen, sondern als Teil des kindlichen Reifungsprozesses. Ich habe einige Tips ausprobiert und sehr guten Erfolg damit erzielt.

    Die kindliche Währungseinheit heißt "Aufmerksamkeit". Bekommt ein Kind nicht genug positive Aufmerksamkeit (durch gutes Verhalten), wird es versuchen, schlechte Aufmerksamkeit zu erlangen (durch Fehlverhalten). Dies muß man unterbinden. Bei positivem Verhalten loben, bei schlechtem ignorieren (leichte Fälle). Dazu klare Grenzen setzen. Und die Kinder die natürlichen Folgen seines Verhaltens lernen lassen. Ein Beispiel: Meinem Sohn sind die abendlich vorgelesenen Einschlafgeschichten sehr wichtig. Eine Zeitlang lernte er im Kindergarten ein neues Wort kennen (Dummkopf) und titulierte mich damit, wenn ihm etwas an mir nicht paßte. Ich habe ihm einerseits energisch verboten, seine Mutter so zu nennen und ihm zweitens erklärt, daß Dummköpfe nicht lesen können. Das heißt, bei Schimpfwortgebrauch gab es keine Einschlafgeschichte. Das hat er sehr schnell gelernt. Bei 14jährigen gibt es sicher adäquate Beispiele.

    Ich halte die ADS-Diagnose für eine Modeerscheinung. Auch mit Medikamentengabe wäre ich extrem vorsichtig.

    Dein Sohn braucht eine Aufgabe, die ihn fordert, auch und vor allem körperlich. Geht er mehrmals in der Woche zum Sport? Mach doch mal einen Bauernhofurlaub mit ihm, dort kann er sich beim Stallausmisten und Tiere füttern ausarbeiten.
    Wichtig ist, ihm zu sagen, daß Du ihn liebst - aber mit dieser oder jener Verhaltensweise Probleme hast.

    Versuch es mal mit dem Buch, es klappt wirklich gut. Besser als die x-te Therapie, da fühlt er sich in seiner gefühlten Andersartigkeit nur noch mehr bestätigt (falsche Aufmerksamkeit).

    Liebe Grüße und viel Kraft.

  30. #29 Gast
    31.07.2010 09:34
    @28 Ich glaube, was du beschreibst, ist ein Kind, dass eben etwas unruhiger ist, aber total im Normbereich.
    Glaub mir, ADS ist etwas völlig anderes und leider keine Modeerscheinung.
    Natürlich wird viel zu oft und viel zu früh ADS vermutet, aber darunter leiden nur die Leute, deren Kinder wirklich ADS haben.
    Mein eigener Sohn war auch extrem unruhig, er konnte schon im Kiga nicht ruhig sitzen, Stuhlkreis war unmöglich. Er schlief wenig, war immer lebhaft und hat immer gestört, er hat sich schon als Kleinkind aufgelehnt, war ab und zu aggressiv und hat mir meinen letzen Nerv gekostet. Ich habe viele Bücher gelesen, aber da jedes Kind anders ist, kann ein Buch immer nur ein klein wenig helfen. Mein Sohn war sehr intelligent (gemessen) und ich hatte auch schon verdacht auf ADS. Dann habe ich eine Mutter eines ADS Kindes kennengelernt und mir war klar, dass mein Sohn da noch weit hin hat. Das sind Welten.
    Natürlich gibt man solche Medikamente nicht voreilig um mal eben Ruhe zu haben. Aber auch bei Depressionen werden Medikamente eingesetzt und man sollte abwägen.
    Der Sohn meiner Bekannten ist inzwischen erwachsen, ihm geht es inzwischen besser und er sagt selbst, dass ihm die Medikamente trotz Nebenwirkungen geholfen haben.

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