1. Frage:
    Gefragt am: 26.11.2008, 10:08 von Gast
    Ich habe einen sehr zeitintensiven Job und muss abends lange arbeiten, doch mein Partner hat dafür wenig Verständnis und wir streiten deswegen immer- was soll ich tun?
    Antworten:
  2. #1
    26.11.2008 20:34
    Wenn Du nach Hause kommst ... wie läuft dann der Abend ab? Wendest Du Dich Deinem Partner zu? Ich denke, das ist der Knackpunkt, wie intensiv Ihr in der wenigen Zeit füreinander da seid. Ich kann mir vorstellen, dass Du nach der Arbeit auch total geschafft bist und Deine Ruhe haben willst. Nur wenn Du Dich gar nicht um Deinen Partner kümmerst, brauchst Du Dich nicht zu wundern, wenn er Aufmerksamkeit einfordert ... und Du solltest Dich fragen, warum Du dann überhaupt einen Partner haben willst.

  3. 11.12.2008 20:33
    Solche Fälle sind wirklich schwierig! Letztlich sind zwei Perspektiven wichtig:

    1) Wenn Dein Job dauerhaft viel Zeit fordert und Du immer wenig Zeit für Deinen Partner haben wirst, aber Dein Freund viel mehr Zeit mit Dir verbringen möchte, dann paßt Ihr beide wohl einfach nicht zusammen. Das ist zwar traurig, aber Tatsache. Ich kann persönlich verstehen, dass man keinen Partner haben möchte, der nur extrem selten Zeit hat. Partnerschaft ist für mich zusammen leben, nicht nebeneinander her. Es darf doch nicht nur um Sex oder gemeinsamen Haushalt gehen, sondern sollte ein gemeinsames Leben umfassen, oder? Es gibt sicherlich genug Männern, die selbst viel anderes zu tun haben und kein Problem damit hätten -- aber Dein Freund gehört eben nicht dazu.

    2) Andererseits mußt Du dich sicher auch fragen, ob Du mit dem Job die richtigen Prioritäten setzt: Ist das wirklich Dein Lebensziel? Wieviel ist dieser Freund Dir wert? Wieviel ist der Job wert? Wenn der Job Dir wichtiger ist, ist es vielleicht einfach auch nicht der richtige Mann.

    Meine Erfahrung sagt mir, dass man keine Beziehung auf Krampf halten sollte. Wenn für Dich im Moment der Job wichtiger ist, dann entscheide Dich für den Job. Aber quäle weder Dich noch Deinen Freund mit einer unglücklichen Beziehung.

  4. #3 Gast
    20.08.2009 12:11
    "Ich habe einen sehr zeitintensiven Job und muss abends lange arbeiten..."

    War das schon immer so und bleibt auch?
    Bleibt das für immer/sehr lange/für eine überschaubare Zeit?
    Wird sich das demnächst verändern?

    Aus den Antworten wird sich zeigen, ob das eine vorüber gehende Tatsache ist oder nicht. Wenn nur für einige Zeit, dann könntet ihr diskutieren, wie ihr eure Beziehung gestaltet, bis deine Abende wieder frei sind. Es kann ja wohl nicht angehen, dass du den Berufsstress hast und am Abend, wenn du erledigt nach Hause kommst, geht der Beziehungsstress los. Davon werden deine Nerven blank liegen und dein Partner immer weniger das erhalten, was er will: dich, ausgeruht und in Freude auf die gemeinsame Zeit.
    Vielleicht kann auch er sich vermehrt seinem Hobby, seiner Fortbildung, seiner Wohnungsrenovierung etc. etc. zuwenden, solange du so eingespannt bist. Dann genießt ihr die gemeinsamen Wochenenden und er kommt mit seinen Projekten voran, bis du wieder beruflich andere Zeiträume zur Verfügung hast.

    "doch mein Partner hat dafür wenig Verständnis..."

    Musstest du bereits abends lange arbeiten, als ihr euch kennen lerntet? Wusste er also davon? Oder hat sich daran erst in der letzten Zeit sehr viel verändert? Hattest du ihm das angekündigt, dass du jetzt abends länger arbeiten wirst (falls das nicht bereits schon so war)? Habt ihr dann miteinander geredet, wie ihr damit umgehen werdet, wenn du abends länger arbeitest?

    Falls du bereits von Beginn an diese Arbeitszeiten hattest, verstehe ich seine Reaktion nicht als erwachsen. Dann hat er sich wohl etwas vorgemacht und dachte sich toleranter als er es tatsächlich ist. Dann hat er ein Problem mit seiner Einschätzung und mit sich selbst. Das muss er dann lösen.
    Falls ihr euch jedoch mit viel abendlicher Freizeit kennen lerntet und deine Abendarbeit kam jetzt erst und ihr habt das nicht miteinander besprochen, wie ihr damit umgehen wollt, dann hast du versäumt, ihm das (beizeiten) zu sagen und IN der Beziehung zu diskutieren, wie ihr damit eure weitere Beziehung gestalten wollt. Dann hast du ihn außen vor gelassen und einfach mit veränderten Tatsachen konfrontiert. Kein Wunder, dass er sich beschwert. Du bist unangekündigt weniger da, das verändert die Beziehung erheblich und du hast diese Veränderung ohne ihn vollzogen. Wie soll er sich da anders vorkommen, als ausgegrenzt und abgeschoben? Das liegt dann aber nicht an deinen Arbeitszeiten, sondern daran, dass du es nicht mit ihm gemeinsam besprochen hast, was euch gemeinsam angeht (eure gemeinsamen Abende).
    Vielleicht holt ihr dann das jetzt mal nach? Falls die Zeit deiner abendlichen Arbeit überschaubar ist (siehe oberer Absatz), verändert das auch noch mal eure Diskussion.
    Falls du jedoch schon immer diese Arbeitszeiten hattest, scheint er nicht damit einverstanden zu sein, was eine Tatsache ist und nörgelt (oder kämpft) wie ein Kind, das etwas haben will, was es nun mal nicht gibt.
    Du bist die Frau seiner Wahl, also wählte er dich auch mit diesem Beruf und diesen Arbeitszeiten (sofern das von Anfang an so war). Dass er mehr Zeit mit dir verbringen will, ist schön. Aber das kann do wohl nicht auf Kosten deines Seelenfriedens sein. Er verlangt, dass du weniger arbeitest, obwohl er deine Arbeitszeiten kannte? Ist er so egoistisch, dass er dir, die bis zum Abend arbeitet, eine Szene daraus macht, obwohl er wusste, worauf er sich einlässt? Dann ist er nicht liebend, sondern selbstsüchtig.

    "und wir streiten deswegen immer-..."

    Vielleicht haben die Fragen oben mittlerweile deutlich gemacht, wo der Fehler liegt. Dann ist mittlerweile auch klar, ob ihr etwas miteinander zu diskutieren habt (falls sich deine arbeitszeiten in der letzten Zeit erst so prägnant geändert haben) oder ob er sich klar machen muss, ob er dich liebt und mitsamt deinen Arbeitszeiten will, weil du nun mal diese und keine anderen hast, und/oder ob er sich mal überlegt, wie er mit den Abenden ohne dich umgeht, bis ihr gemeinsame Wochenendzeiten habt.

    Streiten heißt ganz einfach: unterschiedliche Bedürfnisse. Die ändern sich nicht, wenn böse Worte fallen, Türen ins Schloss oder Teller auf den Boden. Die ändern sich nur, wenn sie verändert werden (durch andere Prioritäten, durch nachgiebige Toleranz, durch gemeinsames Aushandeln bis zur win-win-Situation etc.etc.).

    Der unergiebigste Streit ist derjenige, bei dem die Sätze mit "Du...." beginnen. Das ist dann keine Auseinandersetzung mehr, sondern ein gegenseitiges Vorwerfen, Anklagen, Rechtfertigen... das oft übliche, unleidige und uneffektive Ping-pong, wo es am Ende eher darum geht, wer den längeren Atem hat, die besseren oder vielfältigeren Argumente, das größere Durchhaltevermögen usw. Das ist die Ebene der Macht und des Machens, lebt vom Größenunterschied (ich bin groß/klein und du so klein/groß, du bestimmst und ich erleide...) und vom Kampf, hat mit Liebe rein gar nichts zu tun, sondern mit Angst, Verbissenheit, dem scheinbaren Recht auf,,, und Schuldgefühlen bzw. Schuldzuweisungen. Das sind autoritäre Verhältnisse und keine partnerschaftlichen.
    Die Sätze der partnerschaftliche Auseinandersetzung beginnen mit den Worten: "Ich brauche..."/ "ich fühle..."/ "ich wünsche mir..."/ "ich habe die Idee..."/ "Ich möchte wissen..."/ "Ich habe ein Problem damit, dass ich..."/ "Ich kann..."/ "Ich kann nicht..." usw. usw. Wenn beide so miteinander reden, kommen die Bedürfnisse AUSGESPROCHEN zum Vorschein, der verborgene Konflikt, die dahinterliegende Problematik (die kann nämlich älter sein als eure Beziehung), dann seid ihr dabei, euch zu sehen und zu verstehen, dann weint ihr vielleicht statt euch anzuschreien, dann werdet ihr euch nahe kommen, statt hinter Mauern vorzuschießen, dann werdet ihr euch auseinendersetzen, statt euch so ergebnislos und ermüdend wieder und wieder um dasselbe zu streiten.
    (Eine wirklich gute Übung für eine solche Auseinandersetzung kann es sein, tatsächlich für diese éine Unterhaltung komplett auf die Worte "du, dir dich, dein" zu verzichten und nur mit "ich, mir mein" zu argumentieren. Ihr werdet staunen, wenn ihr das konsequent tut, was dabei heraus kommt.)


    "was soll ich tun?"

    Tja. Das kann dir keiner sagen, weil du eine erwachsene Frau bist und selbst darüber entscheidest, was du tun willst und was nicht.
    Aus den obigen Abschnitten und den anderen posts in diesem Thread hast du vielleicht etwas Anregung bekommen, was du tun könntest und horchst jetzt mal in dich rein, ob oder was davon in dir anklingt, ob dich der eine oder andere Gedanke zum Handeln bewegt. Oder ob dir durch das Lesen gaaanz andere Gedanken und Ideen zur Konfliktlösung kommen.

    Vielleicht beginnst du damit, dass du eine solche Frage wie "was soll ich tun?" achtsam in die Kiste deiner Kindeheitserinnerungen legst und sie als erwachsene Frau nicht mehr benutzt. Sowenig, wie die kleinen Schuhe, die damals passten, dir aber heute viel zu klein sind.
    Das "Soll" richtet sich nach einer Autorität. Das gehört in die Kindheit oder gegenüber den Anweisungen einer Chefin/eines Chefs, dorthin wo Autorität angemessen ist (vom Chef wirst du schließlich bezahlt dafür, dass du eine bestimmte Arbeit für ihn tust. Dort ist die Frage "was soll ich tun?" also durchaus richtig). Sie gehört auf keinen Fall in deine privaten Belange, denn dort bist du die einzige Autorität und hast seit deiner Erwachsenenreife niemanden mehr (hoffentlich!!), den du über dich und dein privates Leben bestimmen lässt.
    Die Frage "was soll ich tun?" die du an andere Menschen richtest, könntest du vielleicht mal probeweise verändern in "Was will ich tun?" und sie an dich selbst richten. Vielleicht auch jetzt im Zusammenhang mit deiner Frage "Was will ich tun, wenn ich einen sehr zeitintensiven Job habe und abends lange arbeiten muss, mein Partner jedoch dafür wenig Verständnis hat und wir deswegen immer streiten - was will ich da jetzt tun?"

    Alles Gute!
    Marlene

  5. #4 Gast
    21.08.2009 14:24
    Fragestellerin meldest du dich mal und lässt hören, wie's für dich weiter gegangen ist und was du aus den Anregungen für dich verwerten konntest?
    Bin neugierig.

  6. 21.08.2009 14:50
    Das läuft auf eine KO Frage hinaus. Fraglich ist nur der Zeitpunkt.

  7. 21.08.2009 15:48
    @#4: Die Frage wurde am 26.11.2008 gestellt. Die Fragestellerin ist bestimmt längst über alle Berge.