1. Frage:
    Gefragt am: 21.06.2010, 19:55 von Gast
    Hilfe, mein Lebensgefährte geht in den Vorruhestand.
    Bis jetzt hat er Schicht gearbeitet, d.h. ich hatte unser Zuhause mal morgens oder abends für mich allein. Er neigt zum Klammern, will immer mit mir gemeinsam frühstücken, obwohl das für mich manchmal ein "Zeitfresser" ist. Ich (46) mache meinen Beruf sehr gerne und kann mir nicht vorstellen, mit jemandem zusammen zu sein (56), der seinen Tag mit Golfen füllt. Das hat nichts mit Neid auf seine Freizeit zu tun, eher mit mangelndem Respekt vor einem beruflichen "Low Performer". Vielleicht freuen sich andere Frauen über das Angebot, "jetzt kann ich mich um die Wäsche kümmern". Wieviel Distanz braucht ihr in der Beziehung ???
    Antworten:
  2. 21.06.2010 20:03
    also das ist ja ziemlich normal, dass irgendwann mal der Ruhestand kommt und da muss ja jeder für sich selber überlegen, wie er den sinnvoll füllt. Ich kann mir auch nicht vorstellen, das mein Mann zu Hause auf mich wartet. Aber da mein Mann ein paar Jahre älter ist als ich, wird es auch bei uns so sein,dass er vor mir in Rente geht. Ich weiß aber, er kann seine Freizeit sinnvoll verbringen und wird sich nicht auf mich fixieren. Berentung ist ein neuer Lebensabschnitt und das ist für niemanden leicht und fordert in der Partnerschaft viel Offenheit und Verständnis von beiden Partner. Da hilft nur viel reden. Ich drücke die Daumen, das ihr ein Weg zusammen findet. Wenn ihr nicht zusammen wohnt ist ja auch genug Distanz vorhanden.

  3. #2 Gast
    21.06.2010 20:10
    Dass du deine eigene Zeit haben möchtest find ich verständlich, dass du nicht deine Kohle für seine Gemütlichkeit ausgeben möchtest kann ich nachvollziehen, aber was spielt es für eine Rolle ob er aus dem Haus ist zum Golf spielen oder um zu malochen, du kannst doch arbeiten soviel du magst und er so wenig wie er mag. "low performer" ist auch so ein amerikanisches Korsett für von gesellschaftlichen Normen abweichendes Verhalten, weshalb darf man im Kapitalismus nicht auch so wenig verdienen wie man mag

  4. #3 Gast
    21.06.2010 20:30
    Klingt mehr nach aneinander vorbei leben als miteinander leben.

    Liebst du deinen Mann überhaupt noch?

    Wenn du nicht neidisch bist dann freu dich doch für ihn. Er ist 10 Jahre älter als du, da kommt seine Zeit für einen Vorruhestand nun mal vor deiner.

  5. 21.06.2010 20:41
    ich bin zwar selber (37) noch nicht so weit, aber habe gerade aktuell einige Paare im beruflichen und verwandtschaftlichen Bekanntenkreis, die den Wechsel ins Privatleben vollziehen. Alle Paare hatten oder haben ein paar Monate bis 2 Jahre gebraucht, um sich endgültig in den neuen Alltag einzufinden, aber alle haben es letztendlich geschafft. Es waren ausnahmslos die Männer, die zuerst in den Ruhestand gingen, und die Frauen hatten alle die gleichen Ängste (Mann andauernd zu Hause, Freizeit, Mann lässt sich nur noch hängen, Haushaltshilfe oh Gott....).

    Es hilft nur immer wieder reden. Mach ihm klar, dass du momentan woanders stehst, wie er, und dass du auch bisschen Freizeit für dich brauchst. Gerade die kleinen Rituale werden komplett neu überarbeitet. Da muß neue Harmonie geschaffen werden. Er liest plötzlich die Zeitung eine Stunde lang, du kriegst sie nicht mehr rechtzeitig, die Wäsche wird nun vormittags gewaschen......

    Und, was deine Einstellung zu Low Performer anbelangt: Wünscht du dir nicht auch, irgendwann im Alter deinen Ruhestand genießen zu dürfen? Vielleicht bisschen was arbeiten, bisschen karitatives, aber kein M U S S?

    Er hat vermutlich sein Leben lang gearbeitet, hat sich sein Golf redlich verdient und finanziert sein Hobby selber. Und was mich die Erfahrungen aus meinem Bekanntenkreis lehrten: Nach ein paar Monaten beruhigt sich das ganze. Da wird aus täglichem Golf ein Wechsel aus Treffen mit Bekannten, Einkaufen gehen, zu Hause bisschen helfen, andere Hobbies. Fast alle Männer haben irgendwann angefangen, sich zu engagieren, bei Vereinen oder Freunden, die Hilfe benötigten. Die faule Haut war allen bald doch zu langweilig.

    Und noch ein Tipp zum Schluß: ein Pärchen ist anfangs ziemlich in Schieflage geraten. Er war tagsüber bei seinen Hobbies und hat abends dann mit selbst gekochtem Essen auf sie gewartet. Sie war so genervt von seiner Anwesenheit zu Hause, dass sie ihn regelrecht um Abstand gebeten hat. Woraufhin er (im Frühjahr in Rente gegangen) seine Nacktbadebesuche an der Isar dermaßen ausgedehnt hat, dass er wie ein Grillhähnchen aussah. Sportliche Figur und gutes Aussehen zudem verhalfen ihn zu einem Schwarm Verehrerinnen, die sich auch nicht scheuten, zu Hause anzurufen. Sie war dann doch sehr eifersüchtig und bestand auf selbst gekochtes Essen zu Hause mit ihm. Jetzt klappts. Also: übertreibe es nicht mit dem allein sein wollen. Zum Schluß bist du es, und dann ist es auch nicht gut.

  6. #5 Gast
    21.06.2010 20:44
    Hm, mit 56 Jahren in Vorruhestand...
    Irgendwie finde ich das ja schon ein bissel zeitig!
    Leute, ihr seht - so schlecht geht's uns in Deutschland gar nicht! ;-)
    Und das Schöne daran, das sind noch nicht mal Einzelfälle!

  7. #6
    21.06.2010 21:05
    es soll sogar frauen geben, die gehen mit anfang 20 in den ruhestand - wenn sie geheiratet haben und ihr kind zur welt brachten;-)

  8. #7 Gast
    21.06.2010 21:05
    Oh du Arme. Ja, das kommt davon, wenn man ein Partner hat, der so viel älter ist.
    Frauen kommen mit dem Ruhestand viel besser zurecht, die machen den Haushalt etwas gründlicher und finden bald ein sinnvolles Hobby. Männer fallen oft in ein tiefes Loch.
    Der Mann einer Freundin ist gerade pensioniert worden. Sie klagt, dass er ihr nun noch wesentlich mehr Arbeit macht als vorher, ihr aber keinerlei Arbeit im Haushalt abnimmt. Sie arbeitet noch und muss am Abend dann seinen Dreck noch wegräumen.
    Ich hätte auch Angst vor dem Ruhestand meines Partners. Habe es bei meinem Vater erlebt, das reicht.

  9. #8 Gast
    21.06.2010 21:20
    Ich kann dich gut verstehen. Mich würde das auch fertig machen - allein schon, dass er keinerlei beruflichen Ehrgeiz hat und in den Vorruhestand geht würde mich irritieren. Er muss sich dringend ein ausfüllendes Hobby suchen - vielleicht etwas Ehrenamtliches? Ein Wanderverein? Chor? Modellbau? Garten? Wie auch immer, wenn er nur daheim herumsitzt und auf dich wartet werdet ihr bald extrem voneinander genervt sein ...

  10. #9
    21.06.2010 21:21
    Die Situation "papa ante portas " ist für viele Frauen wirklich ein Problem.

    Dieses sehe ich in deinem Fall jedoch nicht unbedingt, sofern es ihm gelingt , sich mit sich selbst ( Golf ) zu beschäftigen und er dich nicht ständig beobachtet und z.B. fragt , wieso du jetzt mit deiner Freundin wieder so lange telefoniert hast, wo ihr euch doch gestern erst gesprochen habt...

    Lass nicht zu, dass das Ende seiner beruflichen Leistung zu einem Mangel an Respekt bei dir führt.
    Bemühe dich darum, d i e Anteile seiner Persönlichkeit, welche er nun entfalten kann, auch wertzuschätzen.

  11. #10 Gast
    21.06.2010 22:26
    Für mich als Frau mal wieder ein treffendes Beispiel, warum ein (deutlich) älterer Mann für mich nicht in Frage kommt.

  12. #11 Gast
    21.06.2010 23:07
    Das ist die Zeit, wo in meinem Bekanntenkreis die Frauen zu bereuen beginnen, dass sie
    einen 10 Jahre älteren Mann zuhause haben.
    - Freundin Nr. 1 - musste ihren Mann als Pflegfall unterbringen,
    - Freundin Nr. 2 - langweilt sich mit ihrer Couch-Kartoffel so, dass sie oft mit dabei ist, wenn
    wir Single-Frauen losziehen
    Bei dir scheint das nicht viel anders zu sein.

  13. #12 Gast
    21.06.2010 23:31
    Das ist der Fluch des Altersunterschiedes. Freunde von mir: Er lernte mit 50 eine 35-jährige kennen, ging problemlos mit 62 in Rente und sie muss nun bis 67 arbeiten. Es ist natürlich, dass bei Altersunterschied einer früher und der andere später in Rente geht ...

    Wenn du sein "Rentnerdasein" nicht richtig repsektieren kannst, sagt das wenig über ihn und viel über dich aus. Du selbst kann dich also als Rentnerin später nicht mehr so anerkennen, wie als Berufstätige. Hast du ein Blild "vom alten Eisen", Angst, nicht mehr gebraucht zu werden, nicht mehr wichtig zu sein, phlegmatisch zu werden? Räum damit auf, dann kannst du ihn auch eher anerkennen in seiner neuen Rolle.

    Freiraum: ja, den brauch ich auch. Eben mal die halbe Stunde allein in der Wohnung nur für mich. Ich hasse es, heimzukommen und er andere wartet schon auf mich und kaum bin ich zur Tür drin beginnt ein Interview (Schatz, wie war dein Tag, was möchtest du essen, was machen wir heute Abend, am Samstag, was koche ich morgen, du sollst deine Schwester zurück rufen ... Mannomann ...).

    Für manche Menschen gehören Nähe und Distanz zusammen, manche Menschen brauchen Freiraum, Stille, Zeit für eigene Gedanken, das ist sowas von normal.

    @3
    Klammern ist für mich ein Urfeind einer langfristigen Beziehung. Nicht der, der klammert liebt mehr, sondern wenn es überhaupt einen Vergleich wert ist, dann der, der loslassen kann und der zusehen kann, was von alleine zurück kommt, jeden Tag, ein ganzes Leben lang. Wer klammert lebt ständig im Zustand unbewusster Angst (Alleinzusein, Verlassen zu werden, betrogen zu werden, Langeweile zu erleben, sich selber anschauen zu müssen) - wer hingegen den anderen loslassen kann, dem anderen seinen Freiraum zugestehen kann, der muss ins Vertrauen gehen (ich spreche nicht von einer offenen Beziehung) und mit sich selbst etwas anzufangen wissen.

    @FSin
    Wenn ihr in diesem Punkt sehr verschieden seid, dann habt ihr meines Erachtens für eine Beziehung völlig unterschiedliche (nicht kompatible) Voraussetzungen, die jetzt erts so richtig zum Tragen kommen.

    Wenn dein Partner schon immer eher ein Klammerer war und nur die Tatsache, dass er in der Arbeit nicht an dich rankam ein zu großes Aufeinanderhocken unterbunden hat, dann wird das schwer, weil er jetzt noch umlernen muss dein zeitweises Bedürfnis nach Alleinsein lernen zu akzeptieren. Da hilft nur, den richtigen Weg zu finden, es ihm so zu erklären, so dass er es wirklich versteht. Kein leichtes Unterfangen. Klammerer meinen ja dann häufig, dies bedeute, sie würden nicht ausreichend geliebt.

    w,41

  14. #13 Gast
    22.06.2010 08:48
    zu #4 und #9: Eure Beiträge gefallen mir hier im Forum immer am besten!

    Hier kam der Ausdruck "klammern" bereits des öfteren vor. Ist es denn so unnormal, dass man gern Zeit mit dem Menschen verbringen möchte, den man liebt? Ist man dann bereits ein "Klammerer"? Mir fällt auf, dass meistens der Partner, der ein Nähe-Distanz-Problem hat, den anderen Partner als "Klammerer" bezeichnet/empfindet.

    Zur FS:
    In jeder Partnerschaft, wenn sie denn lange genug währt, kommt einmal das Problem, dass der eine Partner vor dem anderen in den Ruhestand geht. Hier rächt sich, dann wenn frau mit 20 oder 40 sich einen erfahreneren, reiferen Partner gewünscht und auch bekommen hat...der geht nämlich vor ihr in die Rente. Dadurch kommt der so schön eingespielte Tagesablauf völlig durcheinander. Auch die vorher klar definierten und manchmal mühsam erarbeiteten Arbeitsverteilungen in der Partnerschaft kommen erneut auf den Prüfstand. Das ist weder für Dich noch für ihn leicht. Nun ist man bereits schon so lange zusammen und doch gibt es schon wieder einen Stolperstein oder eher Prüfstein für die Beziehung, den ihr so besteht, wie ihr alles andere auch bestanden habt, indem ihr eben partnerschaftlich miteinander umgeht.
    Das einzige was mich bei Euch sorgt ist, Deine zurückgehende Achtung vor ihm. Warum denn? Wenn er doch schon so viel gearbeitet hat und es sich auch finanziell leisten kann sich pensionieren zu lassen, dann ist das für mich als Außenstehenden völlig in Ordnung und aller Eheren wert.

    Lieben Gruß

    m / 46

  15. #14 Gast
    22.06.2010 11:15
    Hast DU es gut! So einen suche ich! Ich kann nämlich mit dauerarbeitenden Männern nichts mehr anfangen und finde es herrlich, wenn mein Partner nicht nur mein liebstes Hobby teilt, sondern auch noch ZEIT hat!

  16. #15 Gast
    22.06.2010 17:14
    @ 10
    ja, genau dasselbe habe ich mir auch gedacht: Keinen Mann, der vor mir in Rente geht. Ich bin 47 und will und werde sicher noch 20 Jahre arbeiten, vielleicht länger, wenn ich gesund bin und genug Arbeit habe. Ich bin selbständig und liebe meinen Job sehr - ausserdem bin ich mit meinem Job sehr viel länger zusammen als ich es je mit einem Mann war und sein werde..............

    Ganz abgesehen davon: ich möchte keinen Mann, der bereits im jugendlichen Alter (und das sind 56 Jahre bei einer Lebenserwartung von ca. 80 Jahren) in Rente geht und nix mehr tut ausser golfen.........! Wie langweilig, ich verstehe Dich, FS, sehr gut.

  17. #16
    24.06.2010 07:14
    ich sehe das problem nicht.
    bin selbst im schichtdienst und habe dadurch des öfteren tagsüber frei.
    wäre ich jetzt im ruhestand, hätte ich eben etwas öfter tagsüber frei und wäre auch abends öfter da;-)

    ich hätte dann mehr zeit für meine hobbys und die frau würde sicher kaum merken, dass ich im ruhestand bin - ausser am morgentlichen aufstehen, wenn ich noch mal die seite wechsel:-)

    andererseits gibt es genügend beziehungen, in denen einer arbeitslos ist. die situation ist ähnlich, mit dem unterschied des frustes des arbeitlslosigkeit.
    trotzdem wird sich kaum jemand deswegen von seinem partner trennen.
    der rentner kann sich dagegen relaxt zurücklehnen und entspannt den tag angehen.

    wo ist nur das problem?

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